Vor 70 Jahren: "Das war kein Leben mehr" - Becherbachs Alt OB Schätzel feierte 90.ten - Mit 17 Arbeitsdienst, mit 18 in den Krieg, mit 19 in russische Gefangenschaft

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Fotos Textende - Becherbach. Am 3. März 2015 feierte Altbürgermeister Walter Schätzel im Becherbacher Dorfgemeinschaftshaus im Kreise seiner Familie 90. Geburtstag. Neben der Nachbarschaft werden auch Gäste aus Schweigen vom Deutschen Weintor erwartet.

>>Weiterer Link-- Diamantene Hochzeit der Eheleute 2013:

Schätzels sind in der 422 Seelen-Gemeinde eine Institution, mit seiner Frau Hilde feierte Walter Schätzel am 16. Juli 2013 Diamantene Hochzeit. Ab 1960 gehörte er dem Gemeinderat an, sein Blick war stets im Dienste der Allgemeinheit vorausschauend, zukunftsorientiert und geradeaus gerichtet. So lobten mehrfach kommunale Laudatoren; - der 90-Jährige ist Träger der Landesehrennadel, der Goldenen Verdienstplakette von Kirn-Land und zahlreicher hoher Auszeichnungen und Ehrungen, die Bände füllen. Er ist Mitbegründer der FWG, saß für die Freien Wähler im Kreistag, war 25 Jahre lang im VG-Rat, Schätzel ist Vereinsmensch, war 60 Jahre MGV-Sänger und 24 Jahre im Presbyterium. Der Landwirtschaftsmeister blickte über Kirchturmdenken hinaus: Ab 1972 engagierte er sich bei der „Nahe-Milch“- Genossenschaft in Fischbach und nach der Übernahme durch die Hochwald Nahrungsmittelwerke Thalfang saß er auch dort im Vorstand.

Schätzel stammt aus Heimberg, dem heutigen Heimweiler. Er heiratete 1953 und bezog 1962 im Becherbacher Flurweg eine „Ortsrandsiedlung“ mit Ackerbau und Viehzucht und 50 Mutterkühen. Während einem Kuraufenthalt brannten am 8. September 1979 Stall und Scheune nieder, der damalige Becherbacher Pfarrer, direkter Nachbar und Ersthelfer, Friedrich Mayer, fuhr als Bote in den Kurort. Von 1974 bis 1999 war Walter Schätzel Ortsbürgermeister („Ob“), dann übernahm zehn Jahre Landwirt und Mundartpoet Werner Barth und ab 2009 ist Schätzels Sohn Frank (44) „Ob“. Immer sind die „Ob`s“ Vorsitzende des 1997 gegründeten wirtschaftlichen Betreibervereins „Unser Laden“, den der Jubilar aus der Taufe hob.

Seit vier Jahren liefert der Betrieb keine Milch mehr ab, vor zwei Jahren ging das letzte Vieh in Becherbach aus Schätzels Stall. Zu den ersten Gratulanten zählen die vier Kinder Sigrid, Anette, Elfi und Frank, fünf Enkelkindern und vier Urenkelkinder. www.Heylive.de fragte nach:

Walter Schätzel, 90 Jahre und topfit. Wie das?

Ja, das frage ich mich auch - es ist gottgegeben. Letztes Jahr war ich im Krankenhaus und nach der dort aufgestellten Mängelliste wollte ich sofort heim. Bei meinem 20. Geburtstag vor 70 Jahren stand esum mein Leben haarscharf auf Messers Schneide. Alles voller Wasser- wir waren keine Menschen mehr. Mit 17 Arbeitsdienst, mit 18 in den Krieg, mit 19 in Kuibyschew am Großen Wolgabogen in russische Gefangenschaft. Niemand gab etwas auf mich, ich hielt mich im Lazarett und an der Feldküche bei Dr. Ottmar Kohler auf. Später ging es in den Gips- und Steinbruch, viele Gefangene wurden dort sesshaft. Über Frankfurt an der Oder kamen wir in die französische Zone. Ein Stück Weißbrot, Zigaretten, ein Becher Bier und 10 D-Mark gab es. Erst am 13. Dezember 1949 kam ich heim nach Heimberg. Alles war nicht einfach damals. Warum kamst Du heim und unser Sohn oder Verwandter musste im Feld bleiben  – auch das waren Fragen dieser Zeit! (Tränen laufen die Wange herunter.)

Was sind Hobbys, was geht ihnen heute durch den Sinn?

Die Familie ist mein Leben und Becherbach geht mir täglich durch den Kopf. Das ist so. In meiner Amtszeit wurden drei Neubaugebiete erschlossen, 70 Einzelmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro wurden getätigt. Noch mehr als zwei Millionen für den Unterhalt gemeindlicher Einrichtungen standen in meiner Amtszeit zu Buche. Die Tenne wurde gekauft, auf Vordermann gebracht, der TuS unterstützt, der Gemeindekindergarten etabliert und 1993 erstmals erweitert. Alte Schule, Kita „Regenbogen“, Dorfladen, Gemeindehaus, neues Feuerwehrhaus - Becherbach steht sehr gut da.

Sie waren immer mittendrin, statt nur dabei?

Das Leben hat Spaß gemacht. Viele private Investitionen wie aktuell jetzt das frühere Gasthaus Landfrieden sind das Salz in der Suppe. Da ging ich nie dran vorbei. ohne Bache Mina am Tresen die Zeit zu bieten. Es war eine andere Zeit, viel Geselliger. Keinen Tag davon möchte ich missen.

Das Feiern geht weiter, wie gewöhnlich gut unterrichtete Kreise „zwitschern“?

Ja, Opa Walter strahlt und ist in freudiger Erwartung; - am 27. März steht  taggenau nach 287! Monaten die standesamtliche Hochzeit unseres Nchzügler-Sohnes Frank mit seiner Lebensgefährtin Silke Reidenbach, einer gelernten BBS-Fachpraxislehrerin aus Deimberg ins Haus. Am 27. März bei der Polderhochzeit in der Tenne feiert sie ihren 40.ten. Das ich das noch erleben darf!…


Walter Schätzel 90

Feuer auf dem Hof: 1979