Bayern diktiert Gangart und verstärkt Druck: Eine Million Bürger bei Volksbegehren für Honigbienen und Artenvielfalt - Politik bügelt glatt!

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Bärenbach. Das Auf Einladung der Jagdpächter Bert Lendemeyer, Jan van Bodegom und Niels von Namen luden die Ortsgemeinde Bärenbach gemeinsam mit Jagdaufseher und Dozent am Umweltcampus Birkenfeld, dem Verhaltensforscher Thomas Brodbeck, zu einem Vortrag über die Bienen, den Arten- und Umweltschutz, Herbizid- und Pestizideinsatz und über das uralte Handwerk der Zeidlerei ein. Die Wissenschaftler schlagen Alarm: Ein großer Teil der Biodiversität und unserer Lebensmittelversorgung ohne Bienen ist nicht denkbar. Verschwinden die Bienen, verschwinden die Pflanzen und umgekehrt. Insektensterben ist Vogelsterben, die Zahl der Schmetterlinge habe sich halbiert: „Es läuft etwas dramatisch aus dem Ruder – es ist etwas faul im ländlichen Raum. Dieser Superorganismus hat manche Bedrohung in 40 Millionen Jahren überstanden und steht aktuell unter größtem Stress“, waren Kernaussagen von Biologe und Journalist Thomas Brodbeck.

Ursächlicher Grund für das Referat war, dass im Staatsforst in der Bärenbacher „Wolfskaut“ seit Spätsommer eine so genannte Klotzbeute in fünf Meter Höhe an einer sonnenbeschienenen Douglasie hängt und in unserer Region den mittelalterlichen Berufsstand der Zeidlerei aus dem Dornröschenschlaf wachküsste. Sinngemäß bedeutet Zeidlerei herausschneiden, die gesamte Honigwabe werde aus dem Stamm geraubt und erbeutet. Dieser von Menschenhand geschaffene Holzklotz als Bienenbehausung sollte idealerweise aus Eichen- oder Kieferholz bestehen, in fünf Meter Höhe (wegen Vermeidung von Bodenfrost) 80 Zentimeter Durchmesser und etwa 35 Liter Rauminhalt haben.

In vielen Agrarlandschaften ist die biologische Artenvielfalt extrem rückläufig – der wissenschaftlich mehrfach fundierte Vortrag war ein Buch mit sieben Siegeln und bot abendfüllenden Stoff kontrovers geführter Debatten zahlreicher Interessengruppen. Die Biene und ihr Bienenstaat war einleitendes Thema: Häufig würden die Waben als kleine Kunstwerke unterschätzt – sie sind nie vollgefüllt und müssen schwingen. Und dass nicht alle Bienen fleißig sind, kennen wir nicht erst seit Biene Maja und Willi – aber klug sind sie. Die Königin paart sich mit mehreren Drohnen, folglich sind alle im Bienenstock Geschwister oder miteinander verwandt.

Aber: Neben Parasiten wie der Varroa Milbe trachten auch das Totalherbizid Glyphosat und die verschiedensten Pflanzenschutzmittel aus der Neonicotinoide-Sparte nach dem Leben der Bienen. 8,8 Kilogramm werde statistisch auf jedem Hektar ausgebreitet – für Glyphosat habe Hersteller Monsanto sogar eine Zulassung als Antibiotika erhalten, führte Thomas Brodbeck aus. In diesem Kontext erhöhe das Bundesamt für Risikoforschung die Grenzwerte dieser krebserregenden Stoffe ständig, die mittlerweile in Bier und Baby-Windeln nachgewiesen sind. Die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner als Lobbyistin absolut kein Lob – sie tue nicht was sie propagiere. „Das Umfeld, was wir den Bienen bieten, ist Spiegelbild unserer Umwelt und schlägt auf die Gesellschaft zurück“, sagte eine Teilnehmerin. „Wer soll schuld sein, wenn es die Bauern und die Politik nicht sind?“, fragten mehrere der über 40 Anwesenden. Es werde viel zu wenig getan, mit Pestiziden ganze Völker und Arten ausgerottet. Bienen verhalten sich quasi wie krankhafte Alkoholiker; - sie konsumieren diesen Stoff gezielt, werden asozial, leiden an Gedächtnisschwund, verhungern oder sterben an Kälte.

Und warum braucht man eine Klotzbeute, warum die Zeidlerei? Wie werden Bienen gegen die Varroa-Milbe resistenter? Dies waren pragmatische Fragen – per Gesetz ist die gezähmte und auf Ertrag gezüchtete Honigbiene ein Haustier, und da wurde gegen die völkerausrottende Vorroa-Milbe nach jedem Strohhalm wie etwa dem Bücherskorpion als Nützling der Bienenzucht gegriffen. Eine Humanmedizinerin brachte den schädlichen Industriezucker ins Spiel –„Imker reden nur vom Honigertrag, nicht von den Bienen“, ging sie hart ins Gericht und forderte mehr Aufklärung über die Kommunen und Ämter für die Verbraucher, von der Politik wollte sie nichts wissen. Andere äußerten sich im Beisein der Presse nicht. „An der Supermarktkasse entscheiden wir alle“, meinte eine Teilnehmerin. Dass ein Weg aus der Sackgasse und eine Abkehr vom Holzweg möglich ist, beschrieb Dr. Ralph Plugge von der Landeszentrale für Umweltaufklärung aus Mainz, selbst Imker und Bienenseuchensachverständiger, der landesweit Kooperationspartner mit dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium aufzählte, wo düngemittelfreie Grünstreifen, Brachflächen, attraktive Wildblütenbeete als Futter für Raupen oder Brennnesseln für Falter vorgehalten werden. Außerdem könne die Zeidlerei ein touristisches Highlight, ein Bildungsaspekt, Umweltsignal und Magnet alter Kulturtechnik für Schulklassen sein.

Anwesend aus dem Forstamt Bad Sobernheim waren Revierleiter Stefan Gesse und Forstamtsleiter Rüdiger Scheffer: „Ein ganz spannendes Thema: Die Artenvielfalt fördern – Bienen im Wald ansiedeln“, dies sei alle Mühen wert, gerade haben am Forstamt in der Felkestadt mehrere Schulklassen feierlich ein Bienenhotel eröffnet.

Zu den Fotos: Einen fundierten Fachvortrag über Honigbienen und die Zeidlerei hielt der Dozent am Umweltcampus Birkenfeld, Thomas Brodbeck, im Bärenbacher Bürgerhaus. Die Seite aus dem "umwelt-journal" wurde vom im Text erwähnten Autor Dr. Ralph Plugge schriftlich genehmigt. Das Insektenhotel steht im Forstamt Bad Sobernheim.