Dipl.Forstingenieur Michael Veeck: Leben mit dem Therapeut Wald!

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Fotos unten am Textende. Meddersheim. Volksbildungswerk-Leiterin Renate Weingarth-Schenk war von der Resonanz zum Vortag „Therapeut Wald – Heilung durch die Natur“ von Michael Veeck, Förster und Waldpädagoge im Forstamt Soonwald, begeistert. Bekanntlich stehen 7.500 Euro für einen Heil- und Naturwald im Etat 2020 der Stadt Bad Sobernheim.

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden, und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden“, mit diesem Zitat von Erich Kästner (1899 – 1974) begann der Meddersheimer Michael Veeck sein Referat „Therapeut Wald: Waldbaden – Heilung aus der Natur“, gestützt auf Bücher, mehrere Autoren und auf eigene Erfahrungen. Der Wald und die Bäume hätten seit alters her eine große Symbolik: Die Gerichts- oder die Friedenseiche, die Dorflinde mit dem Tanzboden drum herum: Ein Drittel der bundesdeutschen Fläche sind mit Wald bestockt –in Rheinland Pfalz sind es gar 42 Prozent. Der Wald werde gesellschaftlich thematisiert und kontrovers diskutiert. „Unsere Wälder sind mit Fug und Recht wahre Multitalente, sind unabdingbare Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten, schützen Boden, Klima und Wasser und liefern nachhaltig den Rohstoff Holz“, dadurch seien Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion gewährleistet.

Heilung aus dem Wald weltweit - besonders in Japan sei der Forst mit 70 Therapiezentren weit fortgeschritten, erläuterte Veeck, der Wald und seine Prozesse helfen uns, gesund zu bleiben, sagte er. Cocktails aus bioaktiven Pflanzen, über einen überschaubaren Zeitraum über die Atemwege eingeatmet und aufgenommen, stärke die körpereigenen Abwehrstoffe derart, dass die internationale Krebsforschung den Terpenen als eine stark heterogene und sehr große Gruppe chemischer Verbindungen, die als sekundäre Inhaltsstoffe in Organismen natürlich vorkommen, eine 40-prozentige Steigerung der eigenen Krebs-Killerzellen nachgewiesen habe.

„Wir sollten uns als Teil der Natur betrachten“, schon Hildegard von Bingen hätte von dem mystisch-heiligen Band zwischen Mensch und Natur, von der gesundheitsfördernden „grünen“ Wirkung auf Körper, Geist und Seele gewusst – insbesondere die Fichte verberge riesiges Potential, sagte Veeck. „Pflanzen können sowohl durch ihre Inhaltstoffe wie durch ihre biologische Kommunikation unser Immunsystem direkt positiv beeinflussen; - auch Pflanzen kommunizieren untereinander, senden Moleküle aus, die Informationen in sich tragen und die sie untereinander austauschen“, berichtete er, dies sei ebenfalls kein esoterischer Humbug, sondern wissenschaftlich fundiert. Alterssprachlich sei in unserer Erkenntnis das Wort Kommunikation eingeengt – die Menschen „früher waren nicht dümmer als wir – aber sie hatten einen anderen Zugang zur Natur. Der Wald mit seinen Prozessen ist unvorstellbarer Hotspot der Kommunikation“. Zu 99 Prozent bis heute habe sich die Menschheit in der Evolutionsgeschichte aus der Natur entwickelt - 2050 lebten dreiviertel der Menschheit im urbanen Raum.

Michael Veeck animierte die Zuhörer zu einem Waldspaziergang, die Seele baumeln zu lassen. Farbenprächtige Bilder, die Gerüche, positives Kopfkino ankurbelnd, was Glücksgefühle erzeugt und dies mit allen Sinnen zu genießen. Hinschauen, wie aus einer Eichel eine mächtig-knorrige uralte Eiche wird, die allem trotzte und nie aufgegeben hat. Oder auf einer Waldlichtung den Wolken nachschauen, den Flügelschlag eines Schmetterlings spüren, das Moos aus der Ameisenperspektive betrachten – der Wald stärke das Immunsystem und helfe heilen, lautete die Quintessenz. Natürlich kamen auch die Windräder zur Sprache („es ist viel kaputt gemacht worden und bald mal genug“), ballernde Hobby-Jäger aus den Benelux-Staaten, Klimawandel und die Bewirtschaftungsproblematik. Mehrere Bürger wie der Seesbacher Bernd Philippi kritisierten Nachhaltigkeit durch eine zu hohe Entnahme.

 

Zu den Fotos:  Die Wunderwirkung positiven Denkens, der Wald als Therapeut, Heilung durch die Natur und das Waldbaden waren Themen des Meddersheimer Förster und Pädagogen Michael Veeck.