Hochwasser & Wetterkapriolen nehmen zu: Eigentum verpflichtet!

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Fotos unten am Textende: Meddersheim.Vorabinfo: Während die beiden Nahe-Hochwasser 1993 und 1995 mit Pegelständen bei Martinstein von 5,25 und 5,32 noch unterhalb der Kategorie "100Jähriges" angesiedelt waren, war das Hochwasser am 27. Mai 2018 in Fischbach mit bis zu 160 Liter pro Quadratmeter in drei Stunden ein tausendjähriges", so sagten es die nachfolgend genannten Experten! Einen Nachmittag lang wurde das Hochwasserschutzkonzept bei Starkregen in der Weinbaugemeinde Meddersheim genau unter die Lupe genommen. Bei dem vom Land aufgelegten Programm entstehen der Ortsgemeinde keine Kosten - anteilig übernimmt die VG Bad Sobernheim solidarisch die zehn Prozent Kosten von zwei Millionen Euro. Meddersheim war vor Staudernheim der sechste von acht Orten in der VG Bad Sobernheim. Anwesend waren Fredy und Sohn Christian Barth vom gleichnamigen tiefbautechnischen Ingenieurbüro aus Wallhausen, die „icon“ Ingenieure vom Mainzer Ingenieurbüro für Risikominimierung mit Heinrich Webler und Sachbearbeiter Marco Wendel sowie Franziska Helfenstein von der VG-Verwaltung Bad Sobernheim, Fachbereich III - natürliche Lebensgrundlagen und Bauen. Die beiden zusammenarbeitenden Ingenieurbüros hoffen, bis Jahresende in der Nachbar-VG Rüdesheim ihre Tätigkeit beendet zu haben und zeitnah in Meddersheim eine Bürgerinformationsveranstaltung einzuberufen, damit im Sommer 2020 Broschüren und Handlungsanweisungen über das Gefahrenpotential vorliegen.

Alles Wasser fließt bekanntlich zur Nahe hin – insofern sind alle nördlich ausgerichteten Hänge und Wirtschaftswege extrem wasserführend und aufgrund eines riesigen Einzugsgebietes bis auf die Bärweiler Gemarkungsgrenze und die Limbacher Höhe samt  Altenberger Bach durch Meddersheim ein neuralgischer Punkt. Alte Kladden und alte Ausgaben des Naheland-Kalenders berichteten, dass mehrere Stück Vieh aus Kirschroth durch Meddersheim „abtrieben und zu Tode kamen“.

Grundlage des Oberflächenwasserabflusses bilden das erfolgte Hochwassermanagement vor Jahren wie das erstellte topografische Kartenmaterial mit Höhenlinien – wegen der wiederkehrenden Wetterkapriolen wurde deutlich, dass eine neue Schau vor Ort und Überprüfung zwingend notwendig ist. Altvordere wie Alt-Ob Tilo Krauß kennen die Problematik seit Jahrzehnten (Stichwort Polderbau), Ratsmitglied Karl Kurt Bamberger konnte sich genau an Hochwasser 1950/ 51 erinnern, und Bernhard Görner hatte mehrere Fotos über Hochwasser mit brauner Wingertsberg-Lehmbrühe neueren Datums dabei. „Die Anwohner haben immer Angst, wenn das Wasser Richtung Baugebiet kommt“, berichtete die Ortsbürgermeisterin Renate Weingarth-Schenk.

Nach Sichtung der Gefährdungskarten am Treffpunkt Gemeindesaal ging es durch den Lindenweg und den naturnahen Spielplatz zum Heidlochsgraben, und weiter südlich der Gemarkungsgrenze an die alte Lehmkaut, wo in Nähe des Judenfriedhofes zum Schutze des Neubaugebietes Wiesengrund zu Beginn der 1990-er Jahre ein überdimensioniert-großes Regenrückhaltebecken ausgebaggert wurde. Hier wie überall wurde das St. Floriansprinzip deutlich und von den Experten klar kritisiert. Totholz wird nicht entfernt, die Landwirte haben wenig Interesse, Wasserdurchlässe auf Ackerrand freizuhalten oder Drainagen und Furchen zu ziehen, um so den natürlichen Wasserablauf zu steuern. Gullys am Ortsrand verstopfen. Das betrifft alle südlich gelegenen Anwohner- mehrfach hatte Günter Weinel im Lärchenweg den Keller voll. Er wurde von Heinrich Webler aufgefordert, sein Mäuerchen  höher aufzubauen, um sein Eigentum zu schützen. „Alle Gefährdungskarten sind stimmig, das Wasser zur Nahe muss durchs Dorf!“, informierte Fredy Barth – daher müsste auch die Ablaufbahn des Oberflächenwassers am geplanten Neubaugebiet / Winzergenossenschaft neu bewertet werden. „Bauen ja, aber frühzeitig Vorkehrungen bei der Bauleitplanung treffen“, teilte er Ortsbürgermeisterin Renate Weingarth-Schenk mit.

Trotzdem möchte er nicht als Buh-Mann gelten oder zitiert werden. Fakt sei generell, dass mit geringen Kosten viel erreicht werden könne. „Eine private Förderung läuft nicht. Und das muss auch deutlich kommuniziert werden, dass nach dem Grundgesetz („Eigentum verpflichtet“) oder dem Haushaltsgesetz nach Paragraf 5 jeder Eigentümer Eigenschutz betreiben muss!“, sagte er auf Nachfrage. Hochwasserschutz sei Gemeinschaftsaufgabe und gehe alle an; - nicht erst dann, wenn der Keller überflutet sei. Gerade hinter den Häusern parallel zur Kirschrother Straße muss wegen der „innerörtlichen Taltiefe“ der natürlich Ablauf des Altenberger Baches von Geäst und Totholz frei bleiben. Mehreren ausgebaggerten Regenrückhaltebecken am Ortsausgang Richtung Kirschroth müsse größtes Augenmerk aufgrund ihrer Funktionalität geschenkt werden. Das Ausbaggern des Altenberger Baches im Ort brachte eine natürliche Entlastung, der Bach sucht sich seinen natürlichen Mäanderverlauf – nur tiefer. Noch in diesem Frühjahr soll der Bach ab Gemeindesaal bis hinter die Bebauung im Wiesengrund ausgebaggert werden, wünschte sich die Ortsbürgermeisterin.

Zu den Fotos:  Erfreulich viele Bürger nahmen an der Begehung eines Starkregen und Hochwasserschutzkonzept innerhalb der Ortslage teil. „Die Bürger müssen eingebunden, selbst tätig werden und Vorsorge treffen“, erläuterten die beiden Ingenieurbüros – auch dies sei Teil des vom Land aufgelegten Konzeptes.