NBG Meddersheim: "Unter dem Klasteiner Pfad" beschlossene Sache

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Rückblick: Meddersheim. Ortsbürgermeisterin Renate Weingarth-Schenk drängte während der jüngsten Ratssitzung Ende März zum Ende der Legislaturperiode zu einer Entscheidung in punkto Bauland: Die Nachbargemeinden seien alle viel weiter. Ringsum herrsche Bauboom und Meddersheim sei extrem hintendran!, sagte sie sinngemäß. Mit dem hü und hott seit Jahren fühlten sich einige Bürger nach der Ratssitzung an den Brexit erinnert.

Vom Büro Stadt-Land-plus stellte Lisa Hümann über das geplante Neubaugebiet „Auf der Setz“ hinter der Winzergenossenschaft und alternativ als potentielle Fläche „Unter dem Klasteiner Pfad“ jeweils zwei Varianten über Art und Größe, der Zuwegung und Machbarkeit vor. Nach dem Baugesetzbuch gibt es zeitlich befristet aufgrund extrem hoher Nachfrage ein neuer Paragraf 13b zum beschleunigten Verfahren für die Wohnbauentwicklung im Außenbereich. Vorteile: Keine Umweltprüfung, keine Ausgleichsflächen. Eine frühzeitig Beteiligung der Behörden entfällt, was kurzfristig und zeitnah die Schaffung von Wohnraum ermögliche, teilte Lisa Hümann mit und erläuterte die Voraussetzungen: Unter anderem muss der Aufstellungsbeschluss bis Ende 2019 gefasst sein, die Bebauung muss unter einem Hektar liegen.

Die vor der Weinbaugemeinde in nordöstlicher Richtung am Ortsausgang an der Naheweinstraße / L 232 liegende Nettofläche namens „Unter dem Klasteiner Pfad“ beträgt 2,8 Hektar und ist bebaute landwirtschaftliche Ackerfläche. Das geplante Neubaugebiet schließt Richtung Bad Sobernheim bündig mit dem Wiesengrund vis-a-vis ab, und wäre mit einem erweiterten Kreisel an der Einfahrt Wiesengrund problemlos angebunden. Die Straßenbreite beträgt sechs Meter, Stichstraße und Stichwege bieten Platz für Parkmöglichkeiten und Fußwege. Laut § 13b dürfen 40 Prozent der Grundstücke überbaut werden. 20 Meter beträgt die Abgrenzung zur L 232, die täglich („moderat“, so die Planerin) von 4.500 Fahrzeugen passiert wird. Eine Hochwassergefahr schloss das Planungsbüro aus Boppard anhand von Kartenmaterial kategorisch selbst bei einem 1000-jährigen Hochwasser aus. Bei der Entwässerung ist ein Trennsystem mit Regenrückhaltebecken und Versickerungsanlage vorgesehen, das Regenwasser könnte in die Nahe fließen. Für das Schmutzwasser ist eine Hebe-und Pumpstation erforderlich. Für diese kleinere und erweiterungsfähige Variante sprach sich der Ortsgemeinderat mehrheitlich aus.

Noch mit Kreisplaner Schäfer hatte vor drei Jahren Renate Weingarth-Schenk dieses Areal parallel zum Wiesengrund favorisiert, aber aufgrund einer weiteren Expansion votierte der Rat für das Neubaugebiet im Westen an der Winzergenossenschaft „Auf der Setz“. Grund; Die jüngsten Meddersheimer Neubaugebiete „Wiesengrund“ und „Am Geischelsbaum“ waren 100 Bauplätze groß. Und noch während der öffentlichen Rastsitzung sprachen sich vier Ratsmitglieder für das Baugebiet an der Winzergenossenschaft aus, und nannten triftige Gründe.

Aber dann wurde die Nichtöffentlichkeit hergestellt, mussten die sieben Bürger vor die Tür, und dann wendete sich das Blatt. Mehrheitlich mit sieben Ja-Stimmen votierte der Rat für die eingangs vorgestellte kleinere Variante „Unter dem Klasteiner Pfad“ für zunächst 33 Bauplätze mit durchschnittlich 707 Quadratmeter (zweite Variante wären 45 Plätze mit etwa 643 Quadratmeter gewesen). Gründe gegen das Gebiet an der Winzergenossenschaft: Fünf Meter hoher Wall (wir berichteten bereits), Verlegung der Beach-Party, noch ausstehendes Geruchsgutachten, Klagebefürchtungen wegen Existenzängste, und außerdem würde der Quadratmeterpreis für die Häuslebauer empfindlich und bedeutend teurer werden, teilte Ortsbürgermeisterin Renate Weingarth-Schenk mit – bis gestern lagen sieben Anfragen nach Baugrund vor. Auch Bedarf und Nachfrage seien seitens des Kreises und der Kommunalaufsicht ein wichtiges Kriterium, informierte Christian Schick vom VG-Bauamt.

„Das war heute ein Meilenstein - ich beglückwünsche die Ortsgemeinde“, sagte beim Verlassen VG-Ratsmitglied Frank Joerg.  Am 25.April soll im Gemeinderat der Aufstellungsbeschluss erfolgen. Obwohl vorab keine Offenlegung in diesem frühen Stadium nach Paragraf 13b vorgeschrieben ist, sprach sich Fachbereichsleiter Christian Schick dafür aus, die Zeit der Wahlen effektiv zu nutzen und alle Träger öffentlicher Belange frühzeitig zu involvieren und zu befragen.

Weitere Themen: Die Kosten der Bachwegerneuerung am Altenberger Bach in der Naheweinstraße 17 für die „Kleine Runde“ im Rahmen der Dorferneuerung werden ein Drittel teurer. Tief und Erdbauarbeiten erledigt die Firma Berg aus Roxheim für 14.945 Euro, Firma Budde aus Bretzenheim die Stahl- und Metallbauarbeiten für 20.694 Euro.

Einstimmig votierte der Rat für Planungsleistungen an das Büro für Elektrotechnik Litzenberger in Roxheim und die Sanierung der Straßenbeleuchtung im Wiesengrund und in Teilen im Ortskern – hierfür stehen im Doppelhaushalt 2018 / 2019 rund 25.000 Euro im Etat. Wie in der Stadt Meisenheim beschloss der Ortsgemeinderat eine Anhebung für gefährliche Hunde. Der erst gefährliche Hund soll 500 Euro, der zweite 1.000 und der dritte 1.500 Euro kosten. Die Ortsbürgermeisterin teilte mit, dass noch immer im Taubenhöhlerweg und am Gemeindesaal sowie am Wanderparkplatz Menschel gefährliche Nester des Eichenprozessionsspinners hängen. Außerdem müsse zwingend nach Ortsbegehung in punkto Hochwasserschutzkonzept der Altenberger Bach weiter ausgebaggert werden.

Zu den Fotos: Das Neubaugebiet „Unter dem Klasteiner Pfad“ am Ortseingang Richtung Nahe ist beschlossene Sache und wurde am 25. April 2019 mit 11:1 Stimmen im Aufstellungsbeschluss abgesegnet – das Gebiet an der Winzergenossenschaft ist Makulatur, und wurde ad acta gelegt.