Exkursion in Gottes freie Natur: Erlebniswelt Schloss Wartenstein

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CoolÜberraschtFotos anklicken am Textende. Kirn-Land./Schloss Wartenstein. 17 Klassen von der Kirner Dominikschule, den Realschulen, den Grundschulen aus Hennweiler und Simmertal sowie zwei Kombiklassen der Wilhelm Dröscher Schule mit über 300 Schülern besuchten an zwei Tagen den steilen Eichen-Lohwald am Naturerlebnispfad gegenüber Schloss Wartenstein in Richtung Oberhausen. Dies war ein absoluter Rekord, seit Alt-VG-Bürgermeister Günter Schwenk vor 22 Jahren das erste Lohmacherfest feierte und 2006 die Ausstellung „Wald und Natur“ im Stallgebäude des Schlosses mit seinen einzelnen Arbeitsschritten und die typischen Werkzeuge in einer visuell-authentischen Erlebniswelt eröffnet wurde.

Veranstalter ist die VG Kirn-Land, das Forstamt Bad Sobernheim gemeinsam mit dem Förderverein Schloss Wartenstein, wo Forstwirt Bernd Müller mit professionellem Gerät zu Werke ging, Werner Müller, Erhard Partenheimer, Martin Beck, Klaus Sommer, Dirk und Nadine Bundschuh sowie Andreas Leyendecker die Schüler über die Lohfläche und das Lohen informierten, und wo die „Lohmacher“ ihrem verstorbenen Kollegen Günter Bender aus Bruschied gedachten.

Jetzt im Mai steht die Eiche voll im Saft, jetzt ist beste Zeit zum Loh machen. Kirn war bis zum Niedergang Anfang der 1980-er Jahre europaweit führendes Lederzentrum. Die gerbstoffreiche Lohrinde zählte als Grundstoff zu den wertvollsten Hilfsmitteln, die zur Gerbung von Tierhäuten benötigt wurden um das Leder elastisch zu machen. „Diese schweißtreibende Arbeit war ein Broterwerb für die Menschen im Kirner Land“, und zwischen Aussaat und Heuernte war es für Bauern ein wichtiger Nebenverdienst, erzählte den Schulklassen Umweltreferent und Büroleiter vom Forstamt Bad Sobernheim, Andreas Leyendecker. Hier im felsigen Steilhang auf einem paradiesischen Fleckchen Erde sind die Lohbank, der Galgen und der Lohstumpen samt Kloppstock über Jahrzehnte schulmäßig dargestellt. Jeder Schüler durfte sich Lohknüppel als Souvenirs mitnehmen.

Neben den Stockausschlägen ist der goldgelb blühende Ginster auf der Waldlichtung dominant. Er braucht das Licht, im Unterholz findet man Ginster nicht: „Früher müssen diese Hänge gelb geleuchtet haben, der Ginstersamen kann 100 Jahre im Boden liegen und dann keimen“, berichtete der Förster und stellte die besondere Bedeutung des Niederwaldes in den Fokus. Im vergangenen Jahr war ein Eichelmastjahr, und jetzt zeigte er den Schülern den Unterschied zwischen einem Keimling und dem Stockausschlag und erzählte, dass hiesige Bauern die Schweine in den Wald trieben. Noch heute sind für die Schwäbisch-Hällischen Weideschweine die Eicheln Leckerbissen wie im Schlaraffenland.

Ende Mai absolvierten bereits mehrere Schulklassen bei strömendem Regen diese fünfstündige Wanderexkursion, und alle riefen wie aus einem Mund im Pavillon zu Ehren des letzten Förster Carl von Pidoll auf Schloss Wartenstein „viel spannender als Schule!“. Hier erzählte Christian Fahrland, Lehrer an der Dominikschule, vom nachtaktiven Allesfresser Dachs und großen Dachsbauten. Die Straße von Oberhausen nach Kirn war deshalb schon unterhöhlt und gesperrt, und infolge Überpopulation durften in den 1960-er Jahren Bauten unter Gas gesetzt werden. „Und wer kennt dieses Vieh?“, fragte er. Es war der strengstens geschützte Hühnervogel Auerhahn. Die Kinder erfuhren an den Präparaten, was Geweihe und Gehörn aussagen, wie Waschbär und Wildkatze aussehen, und dass der Baum-und Steinmarder aus Zeitvertreib Autokabel knabbert. Oder der Rothirsch nicht der Mann vom Reh ist und beide nichts miteinander gemein haben, und wie aus einem Frischling ein Überläufer und dann weiblich eine Bache und männlich ein Keiler wird.

Hier rund um Schloss Wartenstein sind „Wald und Natur“ und seine biologische Vielfalt dank dem Leader-plus Förderprogramm auf gut einem Quadratkilometer beschrieben und bebildert. Der neumodische Begriff „Biodiversität“ steht für etwas sehr Altes und seine Gene; - hier sind Flora und Fauna, die Stockwerke des Waldes und die Artenvielfalt bunter Blumenwiesen bebildert dargestellt, ein anschauliches Paradies für Schulklassen und kleine Entdecker, und da durfte eine Stippvisite zum neuen Walderlebnis-Spielplatz nicht fehlen.

Auf Schloss Wartenstein führte im achten Jahr die Gästeführerin Susanne Bernthaler durch die visuelle Erlebniswelt in der Lohmacher-Scheune und in den Keller des Kavaliershauses, wo sie den Kids „Überraschungseier“ präsentierte; - ähnlich jenen „Steinhardter Erbsen“, Steine mit Inhalt, Fossilien oder Tannenzapfen. Hier sind typische geologische und Jahrmillionen alte Erdschichten und exotische Fossilien sowie die Ur-Tierwelt im Lützelsoon aus dem Devon, Perm, Paläogen und Neogen dokumentiert und zeigen den stetigen erdgeschichtlichen Wandel dieses grauschillernden Schiefer- und einzigartigen Gesteinsmassives, das bis in den Taunus reicht. Am Mittag brachte Anja Brandenburg Grillfleisch, das Susanne Bernthaler zubereitete, damit sich die „Lohmächer“ gemeinsam stärken konnten.

>>>Die Erlebniswelt „Wald & Natur“ auf Schloss Wartenstein ist bis 31. Oktober donnerstags bis montags in der Zeit von 10.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Zum Klassenfoto: Die Klasse 4b der Kirner Dominik-Grundschule um Lehrerin Lisa Hoffmann und Kollege Christian Fahrland: Die Schüler waren von dem spannenden Stoff aus der Tierwelt fasziniert. Mittendrin wacht Carl Rudolf von Pidoll (1892-1984), letzter Förster und Bewohner von Schloss Wartenstein, den ältere Bürger aus der Region noch kannten.


In Pidoll´s guter Stubb..

Die Geologie, Flora und....

...Fauna im Kavaliershaus

Kids beim Lohmachen

authentische Präsentation

Förster Leyendecker machts spannend