Wüstung Eckweiler: Autorengruppe Hunsrück in der Kirche ohne Dorf

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Fotos textende anklicken. Eckweiler Kirche. Das Dutzend ist voll: Es war die 12. Lesung der Autorengruppe Hunsrück in der Wüstung Eckweiler in der „Kirche ohne Dorf“, wo deren Vorsitzende Elfriede Karsch aus Waldböckelheim ihr 25-jähriges Jubiläum feierte. Der Soonwaldbus machte auf seiner Rundreise Station und füllte die altehrwürdigen Kirchenbänke. Freundeskreis-Vorsitzender Albert Schauß hieß zur Eröffnung des „Eckweiler Sommer 2019“ und an einladend gedeckte Tische herzlich willkommen - er dankte der Kirchengemeinde Gebroth-Winterburg und ließ seinen Gedanken freien Lauf, als hier in den Orten viel Kinderlachen zu hören war und urbanes Leben die Dörfer Rehbach, Pferdsfeld und Eckweiler prägte.

„Historische Personen aus der Region“ lautete das Thema, bei dem sieben heimatverbundene Autoren und Kulturschaffende literarische Werke, heitere Gedichte und Humorvolles überwiegend in Mundart und zur eigenen Pläsier vortrugen. Die Akteure warfen sich quasi die Bälle zu: Während Ingrid Hahn aus Allenfeld als gebürtige Staudernheimerin auswendig vom Kloster Disibodenberg und den „Leit` an Glan un Noh`“ erzählte, machte Elfriede Karsch mit der Heiligen Äbtissin Hildegard und ihrer wissenschaftlichen Arbeit über Dinkel, Wein und Steine weiter. Der 82-jährige Grandseigneur Werner Barth aus Becherbach bei Kirn, Alt-Ob, Mundartautor zweier Bücher und Schambes-Klappergässer-Preisträger vom Öffentlichen Anzeiger machte sich seine Gedanken über Martin Luther, das Christentum und die Reformation, und Ingeborg Helbach aus Simmern erfreute mit drei Gedichten: „Dietrich Bonhoeffer“, „Frühaufsteher“ und „Die Kirche“. Elfriede Karsch las den „Schinderhannes“ von der Simmerner Autorin Christa Berlandi.

Chorleiterin Erika Stephan aus Laufersweiler begleitete auf der Quetschkommod` die Vertonung ihres Ehemannes Freimut, der nach Art eines Minnesängers „Die Verwechslung“, ein heiteres Gedicht einer kinderreichen Hunsrücker Familie mit Pointe von Peter J. Rottmann, vortrug. Dann erzählte Erika Stephan bildhaft von einem mysteriösen Rätsel, womit die Gedanken gemeint waren. Spontan stimmte im Anschluss der gebürtige Bad Sobernheim Gitarrist und Sänger Dirk Bleisinger das Volkslied „Die Gedanken sind frei!“ die alle Zuhörer im Kirchenschiff begeistert mitsangen. Musikalisch begleitete der 43-jährige Spezialist für Heil- und Krankengymnastik die Autorenlesung, wo er an gleicher Stätte im Mai 2010 bei einem ZDF-Fernsehgottesdienst mitwirkte. Seine eigenen Kompositionen, insbesondere seine emotionale Ballade, den Moment zu leben und das Heute zu genießen, erreichten die Zuhörerherzen. Weiterer Hörgenuss waren Lieder von Hannes Wader oder „Gute Nacht Freunde“ von Reinhard Mey.

Alle Beiträge waren sehr authentisch, tiefgründig und rhetorisch brillant vorgetragen. „Eich bin e Perdsfelder Bub“, sagte der Simmertaler Schullehrer Joachim Franzmann und zog damit alle Sympathien auf sich. Für ihn waren trotz Ecken und Kanten seine geliebten „kaisertreuen“ Großeltern prägend, die ihm jederzeit ein „Geheichnis“ waren, ihm Liebe, Heimat und Geborgenheit und darüber hinaus noch eine Mark für Zigaretten gaben.

Zum Gruppenfoto: Die Vorsitzende der Autorengruppe Hunsrück, Elfriede Karsch (von links), Ingeborg Helbach, Werner Barth, Joachim Franzmann, Ingrid Hahn, Albert Schauß, Erika Stephan sowie Sänger und Gitarrist Dirk Bleisinger eröffneten in der Kirche ohne Dorf den „Eckweiler Sommer 2019“ mit der zwölften Mundartlesung und ernteten viel Beifall.


Elfriede Karsch

Gruppenbild siehe Text.

Werner Barth

Der Soonwaldbus

Erinnerung an die Dörfer