Otzweiler: Brainstorming im OGR erzeugt Aufbruchstimmung

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LachendÜberraschtOtzweiler. Die Ehrenamtsinitiative „Ich bin dabei“ hat quasi unkonventionell auch in Otzweiler Einzug gehalten: Am Mittwoch trafen sich 28 Bürger im Dorfgemeinschaftshaus, die fleißig in die Hände spucken und anpacken wollen. In einem neudeutsch so genannten „Brainstorming“ wurden in vier Arbeitskreisen Baustellen wie Grünflächen, Spielplatz und Dorfgarten, Friedhof, Denkmal und Dorfgemeinschaftshaus unter die Lupe genommen und Prioritäten gesetzt. Deutlich wurde dabei, dass ein gravierender Sanierungsstau vorliegt. Und wie kam es dazu in der kleinen Randgemeinde von Kirn-Land mit 200 Einwohnern?

Die einen sagen, sie seien nicht gefragt worden, frühere Ratsmitglieder äußerten, dass Arbeitsaufrufen niemand, oder zu wenig Helfer gefolgt sei, und die neue Ortsbürgermeisterin Natalie Kleyer, 41-jährige gelernte Tischlerin und an der BBS in Kirn unterrichtende Studienrätin konstatierte augenzwinkernd: „Es waren zu wenig Frauen im Boot - die sehen erfahrungsgemäß wo der Schuh drückt und was getan werden muss“. So wurde der Friedhof von der VG Kirn-Land gemäht und der Gemeinde in Rechnung gestellt, berichteten es zumindest die Altvorderen – der Friedhof sei „Trauerstelle“ im doppelten Wortsinne.

Wie dem auch sei: „Neue Besen kehren gut, aber die Alten wissen, wo der Dreck liegt“, zitierte das Dorfoberhaupt eine alte Binsenweisheit und lobte Granddame Pauline Winter, die seit Jahrzehnten im 78.Lebensjahr weiterhin dem neuen Ortsgemeinderat angehört, alle anderen sind neu – ein Generationswechsel wurde nach der konstituierenden Sitzung vollzogen.

„Wir sind noch alle voller Elan und Tatendrang, ich persönlich liebe Otzweiler!“, läutete Natalie Kleyer schulbuchmäßig ihren ersten Workshop bei einem Bürgergespräch ein. Sie definierte Otzweiler neu und informierte die Anwesenden über die Euphorie des dörflichen Zusammenlebens aus der Kirner Zeitung am Beispiel von Münchwald. Ein Mehrwert komme allen Bürgern zugute – es gelte, Otzweiler weiter zu entwickeln, lebens- und liebenswerter zukunftsfit zu gestalten.

An vier Tischen kristallisierten sich Schwerpunkte heraus. Jetzt gelte es, auf dem Friedhof, dem Denkmal und dem Dorfgemeinschaftshaus und mit dem Bau einer lange geplanten Grillhütte Prioritäten zu setzen: Die Friedhofstore und Einzäunung schreien nach einem Schlosser, die Einsegnungshalle nach einem Maler, Maurer und Landschaftsgärtner sind gefragt. Zudem müsse die Friedhofssatzung eingehalten und notfalls überarbeitet werden. Hier gebe es zu viel Plastikmüll. Am Mittwochmorgen war die Sachbearbeiterin von Kirn-Land, Mona Sesterhenn, im Ort und informierte detailliert. „Wir haben jede Menge qualifizierte Handwerker im Dorf, alle wollen anpacken“, sagte der 25-jährige Erste Beigeordnete Adrian Graf, während sein Vater die Losung ausgab: „Alle an einem Strang ziehen und jeder seinen Nachbarn mitbringen“.

Möglicherweise werde ein Dorfverschönerungsverein gegründet – zudem gelte es im Ort an neralgischen Punkten, überwucherndes Gestrüpp zurück zu schneiden, um gefährliche Verkehrssichtachsen zu entschärfen. Musikanlage, Beamer und Leinwand sollen das Dorfgemeinschaftshaus attraktiver machen, eine neue Theke das antiquierte Teil ersetzen. Hauptproblem hier: die energetische Sanierung und barrierefreie sanitäre Anlage mit Toilette.

Im Ort ruhen derweil die Aktivitäten des 1971 gegründeten und in Glanzzeiten 126 Mitglieder zählenden Sportvereins und des Musikcorps Otzweiler. Der Förderverein der Feuerwehr, die Jugend „Eckstübbche“, Landfrauen und der Trampclub Otzweiler existieren nach wie vor.  Gerade hat die Ortsbürgermeisterin über EBay-Kleinanzeigen insgesamt 170 Stühle fürs Dorfgemeinschaftshaus in Titisee-Neustadt ersteigert. Die 1.900 Euro teilen sich die evangelische Kirchengemeinde und das verwaiste Musikkorps, der Trampclub finanzierte unkonventionell den Transport. Es geht doch, äußerten Anwesende, wo ein Wille ist, gebe es eine Lösung, wo nicht, eine Ausrede.


OB Natalie Kleyer (rechts)

Konstruktives Meeting