Auf Anfang im August: Groteske News: Auen im Ausnahmezustand...

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BrüllendWas Gott und die Welt bewegt: Es ist schon wieder August – der Fußball rollt wieder. Beim Drittligist 1. FC Kaiserslautern wird eine Prognose immer schwieriger: Nach oben, Aufstieg? So nicht! Die täglichen Schlagzeilen werden immer kurioser, jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Und die auf allen TV Kanälen omnipräsente künftige Kanzlerin, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, will „endlich“ massiv aufforsten, wettert gegen Zucker, Fleisch und Burka, redet ungefragt Landwirten, Verbrauchern und Produzenten mit ihren steilen Thesen als Allerwelts-Kustos nach dem Mund, wirft jedem fahrenden Zug ihren Senf hinterher, erfindet das Rad neu…. Allez-hopp!

Für Couchpotatos wie Lieschen Müller oder Otto Normalo wird die Welt immer verrückter: Stichwort: Maut und Dieselskandal, Strombörse. Steuererhöhung fürs Fleischessen!?!, Tiger, Gorch Fock oder der Bundeswehr-Gutachtersumpf für hunderte Millionen Euro. Borkenkäfer zerstören Fichten, Sibirien brennt, der Regenwald wird abgeholzt - kein Jota pro Klimawandel.

In welcher Welt leben wir eigentlich? – so hinterfragten jüngst Bad Sobernheimer Mattheiser Sommer-Akademie-Gäste wie Biker beim internationalen Meddersheimer Motorradtreffen die fette-Fete-Veranstaltung „Auf Anfang“ in Auen: „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“, sagt ein altes Sprichwort. Will heißen, die Geschmäcker sind verschieden – im Sprichwort wird traditionell die Eule als Unglücksbringer und Satans-Vogel betrachtet, die Nachtigall hingegen als glücklicher Singvogel.

Nix heile Welt: Auen war für die Auener Uhl, ein Desaster: Zeitungen warben intensiv auf Teufel komm raus im Vorfeld über den Erholungsort Auen als „Auf Anfang“-Arena. Wenn auch mit nichtssagenden Bildern mit viel Himmel, Menschen von hinten, ohne eine Person zuerkennen; - und machten sich zum Anwalt der Sponsoren. Schließlich sind Schneider-Bau, die Bürkle-Stiftung, der Wochenspiegel, das Denkmalz-Brauhaus Restaurant sowie der Kultursommer Rheinland-Pfalz finanzstarke Mäzene.

Auen war quasi „Sperrgebiet“. Super GAU. Auf den traditionellen einstigen Dreschplatz kehrte Dreck, Radau und ohrenbetäubendes Getöse zurück. Im ganzen Ort: Absolutes Halteverbot. Ausgewiesene Parkplätze waren größtenteils verwaist. Und auf der Hauptstraße standen Menschen, tuschelten, hielten Kriegsrat – „bitte keine Namen – fotografieren sie im Käfig das Chaos und die Chaoten!“ äußerten mehrere Bürger ohne gefragt worden zu sein und wünschten sich den Lärmpegel der protzigen „Initiative für Freizeit und Musikkultur“ (IFM) „Auf Anfang“ und dahin, wo der Pfeffer wächst - mindestens in die Einöde nach Pferdsfeld. Nicht nach Auen. „Psst – nicht so laut“ – paradoxe Schilder (Foto) waren für die Einwohner jedenfalls ein Hohn.

Was aber in aller Welt will IFM-„Auf Anfang“? Teure Eintrittsgelder, Sponsorengelder, EU-und Landes-Zuschüsse abgreifen! Ich versteh die Welt nicht mehr, diktieren selbst Mitarbeiter aus Sponsoren-Führungsetagen in den Notizblock, ob da ein Cent für „die chaotischen Spleener“, so Auener Bürger, sinnvoll angelegt ist? Ganz wenige aus der Region waren da, Hard-Rock, Indie-Rock, Afro- und Elektropop, laute Musik von Exzentrikern, Ravern und Rapern wurde für wenige Verirrte geboten. Ja, das Festival sei Utopienschmiede – im Fremdwörterlexikon „Auf deutsch“ wird dies als „Hirngespinst, realitäts-, welt- und wirklichkeitsfremd“ beschrieben. Unglaublich, für was und für wen in der struktur- und finanzschwachen Naheregion Sponsoren-Geld da ist, damit wildfremde Menschen aus der Stadt im idyllischen Auen als Nabel der Welt abfeiern können! Ein Hohn in Tafel-Zeiten.

Bei der auf der Intensivstation liegenden kreuznacher diakonie gerät ebenfalls in ihrem Kerngschäft die Welt aus den Fugen. Millionen Euro im zweistelligen Bereich miese, weil erbrachte Gesundheitsleistung nicht mehr honoriert wird!?! So jedenfalls die offizielle Lesart der neuen Führungsetage. Verkehrte Welt. Während einige wenige naive Mitarbeiterinnen mehr oder weniger zu Spät-, Nacht- und Frühdienst an einem Stück!!!! gezwungen werden, weil Personal fehlt und sich die Chefetage einen schönen Lenz macht. Hallo, geht’s noch? Und die spannendere Frage: Wie soll da die Saat der Gerechtigkeit und der Wertschätzung gedeihen? Und wann ist das Ende der Fahnenstange von Mobbing, Ausbeutung und Investitionen in Betongold erreicht? Mehr noch: so wird man gelernte, qualifizierte Kräfte los und sucht weltweit Billiglöhner in Rumänien oder Fernost – nur der Profit zählt in Chefetagen…

In Auen, Odenbach, Hundsbach, Becherbach, Otzweiler, Bärweiler, Monzingen,  Staudernheim,  Schweinschied, Schneppenbach, Simmertal und…– überall neue OrtsbürgermeisterInnen. In Kirn und Bad Sobernheim brodelte die Parteien-Suppe mächtig, da war die K…am Dampfen, nichts für Weicheier und weltfremde: „Wer bei der Beigeordnetenfrage nicht mit uns spricht und glaubt, er könne weiter nach Gutsherrenart Posten und Pöstchen verteilen, beherrscht die Grundrechenarten nicht und hat das Gespür für den Wandel der Zeit verloren. Eine Warnung: Wer satt ist, schafft weniger“, wetterte in Kirn der FDP-Kreischef Thomas Bursian gegen die SPD; - Wilhelm Dröscher würde sich im Grabe umdrehen: Die Genossen wurden quasi „geteert, gefedert und aus dem Stadtrat verbannt!“ Und in Bad Sobernheim verließ Stadtrat Dr.vet. Jörg Maschtowski (CDU) die konstituierende Sitzung, weil ihm als Stimmenkönig ein SPD Newcomer „vor die Nase“ gesetzt wurde. Da ist mächtig Dampf im Kessel, die heile Welt gerät aus dem Ruder…