Meddersheim: Erinnerung an den Dezember 1979 - In Memoriam an den Heldentod der beiden F-4F-Piloten und Väter Helmut Brodam & Kampfbeobachter Erich Wiessler - Die Beinahe Katastrophe von Mörzheim nahe Landau im Gedenken

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Fotos UNTEN / Textende. Weinfest-Umzug 1979 in Meddersheim. Erinnerungen & Memoriam: >>Rückblick 40 Jahre (Dez.1979): Fleischermeister Bernd Hey machte sich in der Metzgerei Gilcher am 2. Dezember 1979 Selbstständig. Besonders tragisch: F4 Pilot Major Helmut Brodam (43 Jahre) und Leutnant Erich Wiessler (32) vom JaBoG 35 Pferdsfeld stürzen am 20. Dezember 1979 nahe Landau ab und starben den heldenhaften Fliegertod.

Der Reihe nach: >>Der damals 23-jährige Fleischermeister Bernd Hey besuchte Ende August 1979 das Meddersheimer Weinfest mit dem ersten legendären Umzug neuester Zeitrechnung und wurde gewahr, dass die Metzgerei von Karl Gilcher zu pachten wäre – Michael Heinig wollte seinen Vertrag auflösen. Am 2. Dezember 1979 eröffneten Ulrike Köhler aus Heimweiler und Bernd Hey aus Otzweiler in der Naheweinstraße 41. Das Paar heiratete später am 18.Oktober 1980.

Frau Brodam war in den ersten 14 Tagen eine der ersten Kundinnen. Ihr Vertrauen in die jungen Pächter mit dem beschäftigten „Altmeister“ Karl Gilcher und in einen selbstständig-geführten Inhaberbetrieb war grenzenlos, wie es sein sollte und wurde es wurde nie enttäuscht – Frau Brodam war Anfang der 1980-er Jahre Ideengeberin der „Original Meddersheimer Flöten“, einem kulinarischen Baquette-Renner auf dem Meddersheimer Weinfest.

Es war eine andere Zeit vor 40 Jahren- in Alt-Meddersheim standen viel Vieh und Schweine in den Ställen, der Ort und Neubaugebiete boomten. Bei Hahne, Post-Otto Hexamer, Grammes`e Rheinhold, Bernhard Grabosch in der Meisenheimer Straße, bei Kurti Hexamer, Wilfried Scharb, Günter Horstmann, Alfred Hahn, Grammes´s Fritzje - überall warteten heimische Schweine -. Hausschlachtungen (legendäre Hausmetzger: Kurt Kistner und Helmut Weingarth aus Kirschroth) waren an der Tagesordnung. Übrigens für Chronisten: Bei Karl und Sohn Frank Mohr in der Naheweinstraße ging im Spätsommer 2019 das „letzte Hörnervieh“ der Gemeinde aus dem Stall.

Der Bundeswehrstandort Dörndich und Pferdsfeld sorgten für Lohn und Brot tausender Beschäftigter, weit über 100 Millionen D-Mark an Wertschöpfung flossen jährlich in die Region – die Soldaten mussten Sprit-Tanken und Essen. Beispielsweise. Qualität mit Brief und Siegel und aus Meisterhand zählte. Die ab 1979 fortan als Fleischerfachgeschäft geführte Metzgerei mit eigener Schlachtung und Herstellung von 100 Sorten florierte – hinzu kamen Filialen im Hochstetter Spar-Supermarkt Baum und im Sparmarkt Klotz in Waldböckelheim, Bernd Hey war Lieferant vieler Vereine, der Unteroffizierskameradschaft (UKS) und der Offiziersheimgesellschaft (OHG).

Der einzige Absturz einer Phantombesatzung beim Pferdsfelder JaBoG 35 von den beiden verheirateten Vätern Helmut Brodam und Kampfbeobachter Erich Wiessler wenige Minuten vor seinem allerletzten Flug am 20. Dezember 1979 ging als „Beinahe Katastrophe von Mörzheim“ in die Annalen ein. Soldaten und Weggefährte waren gelähmt-schockiert und sehr traurig. „Es kann jeden Flieger in der ersten wie in der letzten Minute treffen“, sagte der damalige Zeitzeige und Simmertaler "Brunkensteiner" Tuba-Bläser Jochen Dellweg.

Folgend berichtet (mit freundlicher Genehmigung für www.heylive.de) der Reservistenverband der Landesgruppe RLP, die Kreisgruppe Vorderpfalz: >>>

"Gulasch und Grumbeerknepp sollte es bei Familie Sponheimer im pfälzischen Weindorf Mörzheim nahe Landau am 20. Dezember 1979 zum Mittagstisch geben, doch nach einem lauten Knall war alles anders. Damals war es ein trockener und sonniger Tag gewesen, als um 11:15 Uhr eine Phantom F4F des Jagdbombergeschwaders 35 vom Flugplatz Pferdsfeld aus direkt vor ihrem Haus aufschlug und zerbarst. Eine 200meter hohe Rauchwolke stand über den rauchenden Trümmern der einst so beeindruckenden Maschine und überall lagen Wrackteile herum. Ruth Sponheimer und ihr Mann Ewald Sponheimer erinnern sich noch genau an diesen Tag. Doch was war genau passiert? Die F4 aus Pferdsfeld hatte an diesem Tag eine Trainingsmission und drehte am strahlend blauen Pfalzhimmel ihre Übungsrunden zusammen mit einem kanadischen Starfighter, wie sich Hauptfeldwebel d.R. Bärwinkel erinnert. Er war damals mit seinem Tankzug in einer Nachbargemeinde unterwegs und hatte nach dem Absturz noch den Starfighter über der Unglücksstelle kreisen sehen. Die genaue Ursache des Absturzes wird wohl nie geklärt werden aber es ist klar, daß der Pilot um die ausweglose Situation der Maschine wusste und diese in die Weinberge vor Mörzheim drückte um nicht direkt in das Dorf zu stürzen, was geschehen wäre wenn er und sein Kampfbeobachter die Schleudersitze betätigt hätten. Major Helmut Brodam (43) und Leutnant Erich Wiessler (32), beide verheiratet und Väter waren nicht „ausgestiegen“ und fanden in den Trümmern ihrer Maschine den heldenhaften Fliegertod. Sofort nach der Katastrophe waren amerikanische Soldaten der Landauer Nike Batterie (B Battery 2nd Bn 56th ADA) als erste zur Stelle um zu helfen, bevor Landauer Feuerwehr eintraf um das brennende Kerosin und vereinzelte Brandherde zu löschen. Die danach eintreffenden Bergungskräfte der Bundeswehr bezogen Quartier im Hof der Familie Sponheimer und bargen die sterblichen Überreste der Besatzung.

Am 20. Dezember 2010, anders als vor 31 Jahren fällt Schnee vom Himmel (Fotos) und bedeckt die damalige Unglücksstelle, an der ein Sandsteinfindling die Namen von Major Brodam und Leutnant Wiessler trägt. Erinnern wollen sich an diesem Tag die Vertreter der Reservistenkameradschaft Landau, die zur Unglückszeit ein Gesteck niederlegen und den beiden verunglückten Kameraden einen stillen Gruß senden. Oberstabsfeldwebel d.R. Thomaschewski, der selbst bis vor einigen Jahren beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage eingeplant war, ist die Erinnerung ein besonderes Anliegen. Das ehemalige Jagdbombergeschwader 35 ist 1993 in das JG73 übergegangen, das die Tradition aufrecht erhält<<<. Bericht-Ende.

Zu den Fotos: Text/Bilder: SG d.R. Galle und Bernd Hey: Eine Kerze brennt – die letzte Ruhestätte auf dem Meddersheimer Friedhof erinnert an den einzigen tödlichen F4-Phantom-Flugzeugunfall des JaBoG 35 am 20.12 1979. Beim 18 Jahre später, 1997 war "Fly-Out" des Jagdgeschwaders 73 nach Laage bei Rostock/Ostsee. Zur weiteren Erklärung: 1979 war erster Umzug in der Weinbaugemeinde neuester Zeitrechnung zu Ehren der ein Jahr zuvor gewählten Meddersheimer Naheweinkönigin Karina I. Beck. Übrigens war Helma Reidenbach ebenfalls Naheweinkönigin beim "Fest rund um die Naheweinstraße".

 


2010 zu Gedenken

nahe Landau.

Friedhof in Meddersheim

Umzug im Weindorf

1979 war Premiere für Karina I.