Becherbachs Alt-Ob Walter Schätzel 94-jährig gestorben

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Nachruf:  Becherbach. Am 14. November 2019 verstarb nach einem erfüllten und arbeitsreichen Leben, geistig topfit bis zum letzten Atemzug, nach einer  Lungenentzündung im Kirner Krankenhaus im Kreise seiner Familie 94-jährig der Becherbacher Alt-OB und Landwirtschaftsmeister Walter Schätzel.

Krieg und Nachkriegsjahre haben Walter Schätzel geprägt. Mit 17 Jahren im Arbeitsdienst, mit 18 in den Krieg, mit 19 in Kuibyschew am Großen Wolgabogen in russische Gefangenschaft und mit 20 gab „niemand mehr einen Pfifferling auf mich; - das war damals kein Leben mehr!“, sagte er in der Retroperspektive. Über Frankfurt/Oder kam er in die französische Zone - erst am 13. Dezember 1949 kam er heim nach Heimberg, dem heutigen Heimweiler. Walter Schätzel heiratete 1953 und bezog 1962 im Becherbacher Flurweg eine „Ortsrandsiedlung“ mit Ackerbau und Viehzucht und 50 Mutterkühen. Während einem Kuraufenthalt brannten am 8. September 1979 Stall und Scheune nieder, der damalige Becherbacher Pfarrer, direkter Nachbar und Ersthelfer, Friedrich Mayer, fuhr als Bote in den Kurort, die Nachricht zu überbringen. Mayer hält an diesem Dienstag, 19.11.2019 um 14 Uhr in Becherbach die Trauerfeier – Schätzel hinterlässt vier Kinder mit ihren Familien, sieben Enkel- und sieben Urenkelkinder.

Von 1974 bis 1999 war Walter Schätzel „OB“ der heute 400 Einwohner zählenden Ortsgemeinde, und 1997 Vorsitzender des wirtschaftlichen Betreibervereins des Dorfladens in der Hauptstraße 31, den er der Taufe hob. Walter Schätzel war in Becherbach eine Institution – eine seriöse Erscheinung. Seine Gelassenheit und sein freundliches Wesen zuhören zu können, gepaart mit seiner Courage und Charakter sowie seiner Schaffenskraft zum Wohle der Allgemeinschaft war jederzeit von Nachhaltigkeit geprägt und visionär in die Zukunft gerichtet. Sein kommunales Engagement für Land und Leute würde Bände füllen. Schätzel gehörte ab 1960 dem Ortsgemeinderat an – er ist Träger der Landesehrennadel, dem Goldenen Meisterbrief der Landwirtschaftskammer,  der Goldenen Verdienstplakette von Kirn-Land für 29-jährige Tätigkeit bis 1999 im VG-Rat Kirn Land. Als Mitbegründer der FWG saß er im Kreistag, er war 24 Jahre lang Presbyter der Kirchengemeinde Becherbach mit Heimweiler und Otzweiler und blickte weit über den eigenen Kirchturm hinaus: Walter Schätzel engagierte sich ab 1972 bei der Fischbacher „Nahe-Milch“ Genossenschaft, noch bevor diese durch die Hochwald Nahrungsmittelwerke in Thalfang übernommen wurde, und er war dort im Vorstand. Als Vereinsmensch und Kumpeltyp war er gerne überall dabei und sang 60 Jahre im MGV Becherbach.

88-jährig war es ihm am 16. Juli 2013 vergönnt, mit seiner Frau Hilde im Kreise seiner Familie das Fest der Diamantenen Hochzeit zu feiern. Auf Nachfrage dieser Zeitung zur Fusion ab 2020 zur VG Kirner-Land sah Walter Schätzel jüngst beim Zusammenrücken nur Vorteile: „Überall wohnen Menschen!“, sagte er. Während der Amtszeit in seiner Heimatgemeinde Becherbach wurden drei Neubaugebiete erschlossen, 70 Einzelmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro getätigt; - mehr als zwei weitere Millionen Euro standen für den Unterhalt gemeindlicher Einrichtungen in seiner Ära zu Buche. Die Tenne wurde gekauft, auf Vordermann gebracht, der TuS unterstützt, der Gemeindekindergarten etabliert und 1993 erstmals erweitert. Alte Schule, Kita „Regenbogen“, Dorfladen, ein modernisiertes Gemeindehaus und neues Feuerwehrhaus – „Becherbach steht sehr gut da!“ resümierte er jüngst voller Genugtuung.

Zu den Fotos:  Alt-Ortsbürgermeister und Landwirtschaftsmeister Walter Schätzel ist 94-jährig am Donnerstag nach kurzer schwerer Krankheit im Kirner Krankenhaus gestorben.