Julia Klöckner las den Verbrauchern die Leviten - 14. Event Bibel & Wein

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Fotos unten am Textende: Kirn. Die 14. Biblisch-musikalische Brot-und Weinprobe im evangelischen Gemeindezentrum vom Förderverein „Hilfe für Kinder in Not“ am Samstagabend war ein gesellschaftliches Ereignis. Eine spontane Sammlung für den verunfallten Leon erbrachte 1136,37 Euro, und aus der Vielzahl der Termine und Aktivitäten, die der nimmermüde Herbert Wirzius vortrug, wurde eindrucksvoll die vielfältige und segensreiche Arbeit manifestiert – biblisch gesprochen: „Die Liebe höret nimmer auf“ - 2020 ist großes Jubiläumsjahr vom Förderverein und der Soonwaldstiftung in Hennweiler.

Am Vorabend des Ewigkeitssonntages fand Gastgeber Michael Zeh passende und mahnende Worte: „Was sie heute Abend hier in großer Fülle erwartet, wärmt das Herz und alle Sinne“, stimmte er ein. Wer die Zeitung liest, weiß, wieviel Not in der Region herrscht, und wie unermüdlich Herbert Wirzius schnell und unbürokratisch helfen kann, lobte der Pfarrer und wurde vom Beifall unterbrochen. Aber: „Der Umgangston, Fake-News, Shit-Storm und Hatespeech ist rauer geworden“ – Michael Zeh forderte eine andere Art des Miteinanders, viel mehr „Achtung und Respekt für die Region und die Menschen, die sich mit harter und ehrlicher Arbeit für andere engagieren“.

Direkt vom CDU-Bundesparteitag aus Leipzig kam Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und wurde in Kirn von protestierenden Landwirten mit PS-starken Schleppern erwartet. (Wir berichten gesondert). Dass sie kam und die Veranstaltung nur einmal, 2018, versäumte, war den Gästen im ausverkauften Gemeindezentrum Extraapplaus wert. Ihr Fokus lag am Samstagabend auf dem Brot – dass 350 Mal in der Bibel als Grundnahrungsmittel geschrieben steht und was man selbst seinen Feinden nicht verwehrte. Heute in einer To-Go-Wegwerfgesellschaft sei Brot mehr Unterlage  für Wurst und Käse. Immer dann erhielt die Ministerin den meisten Applaus, wenn sie dem Volk aufs Maul schaute oder ihm bei seinem Einkaufsverhalten die Leviten las, an regionale Qualität zu einem vernünftigen Preis samt Wertschätzung seiner Erzeuger appellierte und erinnerte.

Im Geburtsjahr von Julia Klöckner hieß die Deutsche Weinqueen 1972/73 Ulrike Neradt – die studierte Theologin aus Guldental eroberte 1995 den Thron und war fortan Neradt`s „Weintöchterchen“, plauderten beide aus dem Nähkästchen. Mit gleich zwei Deutschen Weinmajestäten, die sich eloquent, humorvoll-tiefgründig und höchst unterhaltsam quasi die Moderatoren-Bälle zuwarfen, Neues und Interessantes über die Philosophie der Winzerbetriebe herauskitzelten, gelang dem nimmermüden Herbert Wirzius ein Clou. Überrascht von einer gebildeten und hochmotivierten Jungwinzergeneration zeigte sich Ulrike Nerath, fragte nach über Kork oder Schraubverschluss, Selektion, Permakultur oder Minimalschnitt – Julia Klöckner zitierte geistreich Bibeltexte wie die Brotvermehrung, „Unser täglich Brot“ oder Sprüche, und lobte Bäcker und Winzer als „absolut systemrelevant. Heimat kann man schmecken!“.

Mit einem Chardonnay trocken und einem 2016-er Frühburgunder aus dem Weingut Weber in Monzingen informierte deren Repräsentant Heinrich Wahl aus Lauschied über eines der ältesten Monzinger Winzerhäuser aus dem Jahr 1574 und dem Haus der Naheweinkönigin Laura Weber 2014/2015. Die junge Generation vertrat der erst 21-jährige Alexander Barth aus Kirschroth: „Klar habe er Spaß, aber Hallo!“, sonst würde er den Job nicht machen wollen, sagte der „Pfiffikus“. So hieß auch der weiße Perlwein von Vater Holger Barth, der beim Empfang kredenzt wurde – Gaumenkitzel war ein roter Cabernet Dorsa aus dem Eichenfass.

„Ja, erneut Staatsehrenpreis bei ganz starker Konkurrenz – das sei ein starkes Stück und etwas ganz Besonders“, betonte Petra Hexamer vom gleichnamigen Meddersheimer Vorzeige-Weingut. Die Lagenweine Riesling vom Rheingrafenberg „Eisendell auf der Südseite“ und ein Riesling „vom roten Sandstein“ mit der Goldenen Kammerpreismünze erfreuten sich größter Beliebtheit.

Seniorchef Gregor Forster vom gleichnamigen 25 Hektar Betrieb aus Rümmelsheim überzeugte mit Gold-prämiertem Weißburgunder Bio-Wein sowie einer Riesling Spätlese. Last but not least und zum „Bibel & Wein“-Inventar zählt Andreas Schmidt aus Obermoschel – auch hier ist der 19 Hektar Familienbetrieb seit 1753 durch Sohn Sebastian gesichert, der vor zwei Jahren mit der Übernahme des Weingutes Wolf und Guth expandierte.

Mit dem Brotbrechen sei Jesus der erste Bäcker gewesen, stand für den Obermeister der Bäckerinnung und mit dem Zacharias-Preis hoch geadelten und experimentierfreudigen Brot- und Stollenspezialisten, dem Obermeister der Bäckerinnung Alfred Wenz, felsenfest. Seine Statements mit den Weinmajestäten mitten aus dem Leben und der Backstube („Sauerteig anstatt Konservierungsmittel: Ich bin kein Tütchesbäcker“) waren exquisite Sahnehäubchen. 2018 spendeten Alfred Wenz und die Bäckerinnung 5.000 Euro - auch dieses Jahr will er mit der Aktion „Layenbrecher Brot“ die „Hilfe für Kinder in Not“ unterstützen - Wenz tischte neben Stollen auch ein Keltenbrot, Nußbrot und Riesling Brot auf – Extraapplaus gab es für den Spundekäs` von Ingrid Wirzius und das Helferteam.

Mittendrin in der illustren Gästeschar: Landrat a.D. Franz-Josef Diel, der 2016 bei der zehnten Veranstaltung das 600. Mitglied es Fördervereins Lützelsoon wurde. „Es geht Schlag aus Schlag: Die Veranstaltung hat informativ ein ganz hohes Niveau“, lobten ebenso wie der Kirner Altvordere und vorzeige-Liberale Hans Faber die „Ob“ aus Feilbingert, Andrea Silvestri: „Supertoll“. „Ein wunderschöner Abend“, schloss die TV-Moderatorin, Autorin und literarische Kabarettistin Ulrike Neradt, die ihre poetische Ader auslebte und mit Mundartgedichten oder Balladen wie etwa der nachdenklich-besinnlichen „Heimat“ viel Beifall einheimste.

Jeweils drei Auftritte hatten die beiden Musikformationen: Nach einem Jahr Abstinenz rockten „The Wonderfrolleins“ mit Isabelle Bodenseh aus Pleitersheim, Lexi Rumpel (Mainz) und Andrea Paredes Montes (Frankfurt) mit Pep und Esprit, fliegenden Petticoats und mit einer mitreißenden Performance im Stile der 1950-er Jahre die Bühne. Ihnen gelang mühelos der Spagat zwischen Schlagern wie „Motorbiene“, „My Boy Lollipop“ oder „Heißer Sand“ bis ins maritime Genre „Seemann, lass das Träumen“, wo das Auditorium in Erinnerungen schwelgend als Shanty-Chor einstimmte, bis hin zu Rock´n Roll Klassikern. Als Elternbeauftrage und „Lützelsoon-Botschafterin der guten Taten“ warb Isabelle Bodenseh für ihre Arbeit. Ebenso ein gefeiertes Heimspiel: „Duetto and Friends“ gastierten zum vierten Male - das Duo bilden die Merxheimer Musikpädagogin Ramona Wöllstein und ihr Gesangsschüler Stefan Marx, als Freunde begleiteten Sascha Marfilius, Marla und Oliver Wöllstein aus einem breiten Repertoire von Oliver Gies bis Udo Jürgens. Ihren ersten Soloauftritt legte bravourös die zehnjährige Marla auf die Bühnenbretter und sang atemberaubend schön und ohne Lampenfieber „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay. „Früh übt sich“ – der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm.


Petra Hexamer /Ulrike Nerath

Die treuen Helfer

OM Alfred Wenz & J.K.

The Wonderfrolleins

Schlussbild im Gemeindezentrum