Altjahrsabend - Silvesterumtrunk in Kirn: Anders als sonst! Quo vadis?

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Neujahr 2020: Fotos unten am Textende: Der Altjahrsabend in Kirn: 2020 ist da – und jetzt? Weiter so? Was ist los in Kirn an der Nahe? Was passiert da gerade? Hat der Stadt-Kapitän übereilt das sinkende Schiff verlassen nach den Worten vom alten Sachsenkönig: „Wenn ihr mich nicht wollt…macht Euren Dreck alleene?!“ Eine Stadt mit über 8.000 Einwohner bleibt sich im schweren Fusions-Fahrwasser ab 1.1. 2020 über drei Monate mit neuem Personal selbst überlassen, („die Alten“ wurden geschasst!) Unglaublich!

Kirn hat ganz viele, große und großartige Menschen auf diese Welt gebracht, als es noch eine Geburtsstation in der Jahnstraße gab. 1956 den Autor dieser Zeilen höchstselbst. 1941 „Reuthers Fränzchen“ aus den Hedwigsgärten – besser bekannt als Popgigant Frank Farian, Wilhelm Dröscher, den „Guten Menschen von Kirn“, Herbert Wirzius vom Förderverein „Hilfe für Kinder in Not“ oder als 10.000 ! Einwohnerin Anfang der 1970-er Jahre die Tochter von Unternehmerfrau Gerlinde Ritter. Was waren das noch für Zeiten, als tausende Menschen bei Jakob Müller, in der Coca-Cola, Vitaborn oder bei Kirner Bier Feierabend hatten und die Kallenfelser Straße und der Steinweg, die City, schwarz voller Menschen war…

Und heute? „Was erlaube sich Kirner? Wer ist Kirner? Kirner sind wie Flasche Kirner Bier leer!“, so könnte man satirisch mit Giovanni Trapattonis Wutausbruch fragen, wenn die Lage nicht so bitterernst wäre. Was die Kirner am wenigsten wollen, ist Mitleid, Süssholz raspeln, Feierabendreden. Dies wurde offen beim 43. Silvesterumtrunk 2019/2020 auf dem Marktplatz am Altjahrsabend angesprochen, artikuliert, und dem einzig verbliebenen Reporter in den Block diktiert. Emotionale Resignation machte sich breit – keine Handvoll Stadtratsmitglieder oder kommunale Repräsentanten aus Kirn-Stadt, keine Handvoll aus den Orten waren da. Der Stachel als Verlust einer verbandsfreien Stadt sitzt tief, kein Wunder: Mainz wollte sich nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen. Nur Bares für Rares, für ein elitäres Parkdeck bei Kaufkraftverlust ans Internet, das muss fortan hinterfragt werden. Und dass die Simona oder das Krankenhaus mit Standortverlagerung drohen, hat eine katastrophale Außenwirkung und rein gar nichts mit der urbanen und positiven täglichen Berichterstattung gemein. Die Kirner sind viel zu lange „Gallionsfiguren“ gefolgt, sind an der Nahe mit dem Strom selbstgefällig den Bach runter gegangen und stehen jetzt da, wie der Kaiser ohne Kleider. Ein Beispiel von Hunderten: Fritz Wagner ist Ehrenbürger. Wilhelm Dröscher nicht. Es rumort. Als die Limbacher Feuerwehr Mitte der 1990-er Jahre im Internet ein Feuerwehrauto kaufte, dies selbst ehrenamtlich auf Vordermann brachte, lächelte ignorant die Kirner Stadtspitze: „Lass sie wurschteln, wir kriegen ein Neues!“. Bezeichnend. Selbst schuld, könnte man ihnen jetzt zurufen, und in gewisser Weise tragen sie Schuld. Alle. Viele gehen nicht mehr wählen, sie haben Angst vor dem Sprichwort „Die dümmsten Kälber, suchen sich ihren Metzger selber“. Oder warum sonst?

Zu Wilhelm Dröschers Zeiten wäre der mit dem Feuerwehrauto und Megafon durch die Stadt gefahren und hätte an den Geist, an die Bürgerpflicht und das Wahlrecht appelliert, hängt davon doch die Parteienfinanzierung ab. Und heute? Der Kirner Kommunalpolitiker wurde klein gehalten. Um es bildhaft auszudrücken: In allen Bereichen kommt es mir vor, wie wenn das Kaninchen auf die Schlange starrt. Als wenn der Patient Jahrzehnte auf der Intensivstation lag und plötzlich jeder erschrickt, wenn es dunkel wird und das Licht ausgeht.

Jetzt –mit der 20-20-er Dekade kommt es knüppeldick. In Kirn und darüber hinaus: Die Welt wird ihr blaues Wunder erleben! so warnen Wissenschaftler und Greta Thunberg. „Es kommen Revolten“ propagiert am 2. Januar 2020 in der Rhein-Zeitung Zukunftsforscher Matthias Horx, wer immer das sein mag – ich kenne ihn nicht. Und im Tages-Thema strahlt wie der Heiland höchstpersönlich in prachtvollem Talar mit Kreuz EKD Mann Heinrich Bedford-Strohm und fordert „Mehr soziale Gerechtigkeit“ als zentrale Herausforderung gegen die aggressive Stimmung in der Gesellschaft. Ubi eras? Wo war er, wo waren all jene Leute vorher, was haben sie getan, geleistet? Diese Frage muss in Tafel- und Mindestlohn-Zeiten erlaubt sein! Auch wenn der Staat bei der schwarzen Null und Milliarden Euro Mehreinnahmen „Peanuts“ in die Entschuldung steckt, (Konjunktiv: „stecken will/ würde“), kann sich kirn davon nichts kaufen, weil es genug davon hat. Die handelnden Personen sind nicht zu bedauern, ein gewählter und vereidigter Beigeordneter verließ ganz schnell das sinkende Schiff, bildlich gesprochen, und hat hingeworfen. „Es liegt ein sehr spannendes Jahr 2020 vor uns“, prophezeite Kirn-aktiv Vize Gunnar Venter.


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