Urgestein und Arbeiter im Weinberg des Herrn: Karl-Heinz Schneider

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Fotos Textende anklicken: Bad Sobernheim. „Karl-Heinz Schneider rief, und alle kamen“, fasste Stadtbürgermeister Michael Greiner bei der Laudatio anlässlich einer Feierstunde seines 86. Geburtstages und der ersten Fasstaufe an der Westtangente zusammen: „Respekt für dich und diese enorme Wertschätzung“, rief Greiner aus und erinnerte an den guten Jahrgang 1934, worüber in der Weinchronik steht: „ Es ist ein besonderer und robuster Jahrgang“ – Schneider sei Winzer aus Passion und voller Leidenschaft. „Die Stadt ist stolz auf das Weingut Schneider in dritter Generation, das uns daran erinnert, welche Perlen wir hier haben“, sagte Greiner.

Das Geburtstagskind begrüßte jeden Besucher einzeln, plauderte heiter aus dem Stehgreif - seine Gäste lachten mehrfach Tränen: „Wir Sobernheimer halten zusammen“, rief er aus. Beispielsweise habe Michael Greiners Mutter mit seiner Frau Berta auf der Schulbank gesessen. Seine beiden jüngeren „Heddesheimer“ Brüder Willi und Friedhelm waren da, der Vorsitzende der Gebietsweinwerbung Weinland Nahe Wolfgang Eckes aus Windesheim, Landrätin Bettina Dickes, Nahe-Glan VG Bürgermeister Uwe Engelmann und die Stadtkapelle unter Ingo Mastronardi spielte auf - der Gabentisch mit Rosen, Präsenten, Soo-Nahe Beziehungskisten und persönlichen Geschenken bog sich – der Kulturschaffende und Bluesikant Gerhard Engbarth überraschte mit einer von Doro Betz gestalteten Gravur auf einem Welt-Pokal „für den nettesten Winzer der Welt“ – Engbarth überbrachte die Glückwünsche von dem früheren Museumsleiter Klaus Freckmann aus Berlin.

Dem rüstigen Rentner Karl-Heinz mit verschmitztem Lächeln und spitzbübischem Blick saß der Schalk im Nacken, als er aus dem Nähkästchen über sich und Papst Bendedikt XVI. „als einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“, über Bibelsprüche oder felkestädtische Originale plauderte und scherzte: Wenn im Wingert einmal „Not am Mann“ sei, komme Michael Greiner mit dem Stadtrat aushelfen - und die Landrätin höchst selbst habe ihn angerufen: „Da liegen wieder zwei deiner Mitarbeiter unter dem Rebstock im Schatten“ – Narhallamarsch!

Bettina Dickes herzte ihn, die Chemie stimme. Sie sprach von zwei Gewächsen, die in die Felkestadt umgepflanzt wurden und Wurzeln geschlagen haben. Das Attribut „Urgestein“ erweiterte sie in einen „Rolling Stone“, der immer neue Ideen hat und der in der Kernstadt ein Alleinstellungsmerkmal genieße. Ausdrücklich betreibe das Weingut Schneider mit dieser Taufe zum „Bad Sobernheimer Weinfass“ am Einfallstor der Stadt keine Eigenwerbung, diese Tatsache war dem Senior schon wichtig: Als er am 17. Januar 2004 seinen 70. Geburtstag feierte, überraschte ihn der damalige und vor zwei Jahren verstorbene Stadtbürgermeister Hans-Georg Janneck mit der Steinkelter und lotste ihn unter einem Vorwand zu diesem, seinem Geburtstagsgeschenk samt Stadtkapelle an die Westtangente. Das knapp 5000 Liter-Fass, die schützende und massive Dachkonstruktion sowie Gott Bacchus aus Polen kamen hinzu.

Anekdoten fehlten nicht, wie er als junger und prämierter Pferdeliebhaber aus Heddesheim die in Neustadt an der Weinstraße gekrönte erste Deutsche Weinkönigin Mathilde Machwirth auf dem Kreiswinzerfest in Meddersheim mit einem Sechser-Pferdegespann fahren durfte: „Ich wusste nicht wo Meddersheim liegt – wir hatten ein Fahrrad und das war meistens platt“, garnierte er seine Erzählung. Mit dem prachtvollen Gespann übte er auf abgeernteten Getreidefeldern. Abends im Festzelt an der Meddersheimer Winzergenossenschaft traf er „ein Sobernheimer Mädchen“, mit dem er ein Tänzchen wagte. In Sobernheimer Platt erzählte sie ihm damals, „mer han dehäm aach zwä Geil“, und das sei besser gewesen als drei Klaviere, rief er schelmisch aus. Mit knapp 22 Jahren kam er „ohne eine Rebe und ohne einen Quadratmeter Boden“ in die Felkestadt, bis er von der Landmaschinen- und Baumaterialen-Firma Kessel im Marbach einen Wingert kaufen konnte und mit Ehefrau Berta den Grundstock für ein weit über Kreisgrenzen hinaus florierendes Weingut in dritter Generation legte. Karl-Heinz Schneider war am Freitag nach eigenen Worten „der glücklichste und zufriedenste Mensch in der Felkestadt“ und das durften alle wissen….


An der Westtangente

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