Stadtmission Kirn lud auf Kyrau zum Autogottesdienst - Premiere

Kategorie: Kirn, Kreis KH, Nachbarschaft, Lokale News an Nahe und Glan, Personenportrait, Lifestyle, Tipps im Alltag, Highlights

 

Fotos am Textende anklicken-Kirn. Fast 80 Autos standen im weiten Rund auf der Kyrau. Die Fahrzeuginsassen verfolgten gestern die Premiere des Mut machenden Autogottesdienstes der Stadtmission Kirn. „Diese Art gottesdienstliche Minimalversion an Gemeinschaft mit ganz viel Blechumhüllung war nach diesen Wochen der Entbehrung wieder etwas sehr Schönes!“, resümierten die beiden Pastoren Dirk Kunz und Michael Steinke: „So viele kommen gewöhnlich nicht“, strahlte Steinke, und war von der Resonanz angenehm überrascht.

Einige Presbyter/Innen oder quasi „Abtrünnige“ anderer Kirchengemeinden aus Bergen, Bärenbach oder Kirn wollten namentlich nicht genannt werden; - Bärweilers früherer „Ob“ Horst Scherer in der ersten Reihe und seine Frau freuten sich, wieder einen „schönen und gesegneten Sonntagmorgen erleben zu dürfen“. Auch das Ehepaar Berthold Görner und Gisela Feyand aus Kirn-Sulzbach strahlte. Er katholisch, sie evangelisch – „es ist beschämend, das die Katholiken so gar nichts hinbekommen“, echauffierte sich Berthold Görner.

Mit Abstand musizierten auf der Bühne die beiden Pastorenfamilien von der Kirner Stadtmission um Dirk Kunz und Michael Steinke. Obwohl Proben im Vorfeld nicht möglich waren, wurde schon beim „Soundcheck“ eine überaus gekonnte und harmonische Instrumentalführung samt Gesang deutlich – unter den textstarken Liedern befand auch das Motto-Lied der Jahreslosung 2020: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben“ sowie der Chorus „Ein jeder trage die Last des andern“.

Es seien schon ganz besondere Umstände, auf Kyrau Auto-Gottesdient zu feiern: „Ihr sitzt im Auto, und man darf sich nicht einmal die Hand geben“, so begrüßte Dirk Kunz und dankte dem Beschallungsunternehmen „Top Sound“, der Stadt und den Stadtwerken Kirn. „Auch heute Morgen hat Gott in seinem Wort versprochen, da gegenwärtig zu sein, wo sich Menschen in seinem Namen versammeln, auch wenn sie im Auto sitzen!“, rief Pfarrer Dirk Kunz zur Aufmunterung und Erquickung in dieser Situation aus. Sinnbildlich zeigte er einen handgeknüpften Teppich, der auf der einen Seite ein kostbarer Hingucker ist, während eher chaotisch auf der Rückseite alle Fäden zusammenlaufen.

Die Predigt unter dem Leitsatz, die „Krise als Chance“ zu meistern und zu verstehen, hielt der Merxheimer Pastor Michael Steinke. In brillanter und lebensbejahender Rhetorik hinterfragte er und zitierte Wikipedia, und was zu einer Krise in der Bibel steht. „Oft lenken Krisen von dem ab, was wichtig ist“, sagte er. Andere Länder seien weitaus größer von der Coronakrise und der Arbeitslosigkeit betroffen als wir, konstatierte er und nannte Zahlen. Die erste anhaltende Krise als Sündenfall und erste Regelübertretung von Adam und Eva stehe in der Bibel, Moses 1, Kapitel 3, und die Folgen hätten bis heute Bestand.

In der Bibel jage eine Krise die nächste, auch Noah und der Bau seiner Arche waren Vorbereitungen auf eine solche. In allen Lebenslagen verlaufe sie in zwei Ausdehnungen, Rettung oder Untergang; - viele seien selbstgemacht, „aber alle Krisen, die die Menschheit erlebt, kommen von Gott - oder er lässt sie zu!“, sagte der Pastor, der die Verse 6 bis 12 aus dem ersten Kapitel von Hiob las, oder aus den Epheserbriefen rezitierte und interpretierte.

Die Menschen drängten ins Freie - erstaunlich viele spazierten oder joggten an diesem Sonntagmorgen über den Hahnenbachdamm. Da wo sonst das Oktoberfest gefeiert wird oder fröhliches Kinderlachen auf dem Kerwe-Karussell ertönt, hallten jetzt Musik und Reden von den Berger Felsen wider. In die Fürbitten schloss Pastor Dirk Kunz auch Andreas Steinke und seine Mutter Christiane ein, die zeitgleich im Krankenhaus weilten, weil der Bub, der eigentlich am Klavier begleiten sollte, eine Platzwunde genäht bekommen musste. Als Dankeschön hupten nach 65 Minuten die Autofahrer – und begaben sich „geistlich gestärkt und ermutigt“, wie die Pfarrer wünschten, geordnet im Autokorso vom Parkplatz Kyrau aus in alle Himmelsrichtungen nach Hause.