Beliebter Meddersheimer Fahrlehrer Riek will endlich wieder Gas geben...

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LachendMeddersheim. Fahrschullehrer Wolfgang Riek ist sauer auf die Landesregierung und scharrt mit den Hufen: Den rast- und ruhelosen 72-Jährigen kennt man als Tausendsassa, er ist voller Tatendrang, immer für seine Schüler da und sagt: „Nie zuvor wurde ich dermaßen ausgebremst und war es mir so langweilig!“. Ein Grund für seinen Unmut liegt darin, dass seit Anfang der Woche (4. Mai 2020) die Fahrschulen im Saarland, Hessen und NRW wieder mit der Ausbildung in Theorie und Praxis starten - in Rheinland-Pfalz nicht. Riek sieht Abwanderungen und spricht dies auch aus. Er pocht schnellstens auf theoretischen Unterricht, will Gas geben, da sonst der Andrang zu groß werde.

Joachim Einig, Erster Vorsitzender des Fahrlehrer-Fachverbandes Rheinland mit Sitz in Koblenz vertritt 782 Mitglieder. Er sagte gestern Morgen: „Es ist ein Blick in die Glaskugel“ und zitierte Staatssekretär Andy Becht: „Wenn uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt, sprich, wenn sich Corona nicht ausbreitet“, könnte die Ausbildung am 11. Mai beginnen. Die Gesundheit sei das höchste Gut. „Wir wollen arbeiten, denn am 1. August gehen die Ausbildungsberufe an den Start“. Dies sei nur ein Beispiel von vielen, sagte Einig.

Die Anfragen häufen sich - gerade der Traktorführerschein Klasse L werde dringend in der Landwirtschaft gebraucht, weiß Riek. „Wir stehen in den Startlöchern“, ist sich der Meddersheimer mit seinen Kollegen an Nahe und Glan einig; - das kollegiale und die Chemie untereinander stimmen. sagt er. Selbst hätten alle Mitbewerber ausreichend Vorkehrungen getroffen und ihre Schulungsräume und Autos so aufgerüstet, dass alle gesetzlichen Bestimmungen erfüllt sind. Riek war Vorreiter, der TüV strahlte und gab sein okay! Michaela Hartmann aus Odernheim hat Mundschutz für Riek genäht, das Merxheimer Unternehmen Lerch-Kessel besorgte Schutzhelme und rüstete das Fahrschulauto so um, dass der Prüfer auf dem Rücksitz durch bruchsicheres Plexiglas geschützt ist.

Renate Riek hat einen Terminplaner ausgearbeitet, damit keine Wartezeiten entstehen und alle hygienischen Anforderungen wie Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel, Abstandsregeln und Fahrlehrer-Helme ausreichend zur Verfügung stehen. Man habe selbst die Initiative ergriffen, denn was aus Lehrmittelverlagen oder auf dem Markt käuflich ist, sei zu wenig oder nicht lieferbar. Nach jeder Stunde muss das Auto desinfiziert werden. Sieben Mal in der Woche (samstags zweimal) will er seinen Schülern Unterricht anbieten; - das Angebot wurde extrem ausgeweitet, Fahrschüler können zwei Mal in der Woche ihren Unterricht auswählen. „Man muss ihnen jetzt helfen und individuell entgegenkommen, damit sie diese Situation meistern“, sagt Riek. Mit dem Ordnungsamt Bad Sobernheim stehe er in Kontakt, der Schulungsraum ist für maximal fünf Personen ausgelegt.

Seit 12. März ruhen alle Aktivitäten. Damals waren 16 Fahrschüler (jetzt fast 40!) in der Ausbildung, die abrupt endete, und jetzt eine schulische Auffrischung nötig macht. Seitdem fehlen die Einnahmen, die Kosten laufen weiter – Stundungen der Krankenkassen helfen nicht wirklich und haben nur aufschiebende Wirkung, weil sie zurückgezahlt werden müssten. Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Gesundheitsdienst, Finanzamt und Kfz-Werkstattkosten für vier stehende Motorräder laufen weiter, Riek zählt eine lange Liste auf. Er war in Facebook schwer aktiv und hat von Fahrschülern und Eltern sehr positive und aufbauende Rückmeldungen („…du schaffst das!…“).

Die Fahrschule Riek besteht seit April 1982, nach Unterricht in Wallhausen und Waldböckelheim kam die Familie am 5. Dezember 1985 in die Weinbaugemeinde Meddersheim. Derweil existieren die Fahrschule von Wolfgang Riek (überwiegend Motorradausbildung und Aufbauseminare, beispielsweise Führerschein auf Probe) sowie eine vermietete GmbH mit dem Besitzer Björn Pleines.