Museumswingert im rheinland-pfälzischen Freilichtmuseum in Bad Sobernheim: Die Gescheine sind erfroren - es gibt erneut keinen Cuvee

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Fotos Textende anklicken: Bad Sobernheim. Im dritten Jahr in Folge wird es aus dem felkestädtischen Museumsweinberg keinen original „2020-er Cuve`e-Schoppen“ im Museumslädchen zu kaufen geben. In den zurückliegenden Jahren waren Rehe, Vögel und Wildschweine Nutznießer über ein bestelltes Feld und eine prächtige  Traubenvielfalt mit den acht Sorten Riesling, Elbling, Silvaner, Ruländer, Müller-Thurgau, Portugieser, Grüner Veltliner und Traminer. In diesem Jahr sorgten die Eisheiligen quasi für einen Totalausfall, ein Großteil ist erfroren.

„Solch einen kapitalen Schaden sieht ein erfahrener Winzer nur alle 25 bis 30 Jahre“, erzählte der Vorstandsvorsitzende der Meddersheimer Winzergenossenschaft Rheingrafenberg (WZG), der Nußbaumer Jürgen Sponheimer, selbst vereidigter Gutachter einer großen Hagelversicherung. In den niedrigeren Lagen, beispielsweise nahe dem Erdbeerfeld im Westen Bad Sobernheims an der B 41, sind ebenfalls Schäden sichtbar, weiß Sponheimer. Nach Rücksprache mit Experten des Dienstleistungszentrum ländlicher Raum haben die für den Museumsweinberg empfohlen, den Pflanzen Zeit zu lassen, nicht in Aktionismus zu verfallen und der Erhaltung der Jahrzehnte alten Rebstöcke höchste Priorität zu schenken – „Blätter und Gescheine sind erfroren, an eine große Ernte ist dieses Jahr nicht zu denken“, schiebt Sponheimer nach. Viele Gescheine sind schwarz wie verbrannt. Schon öfters sollte der Museumsweinberg neu bestockt werden, andererseits sollen das Urwüchsige und das Natürliche unter dem Slogan „Weinbau zwischen Gestern und Heute“ bewahrt bleiben. Und gegen die zunehmenden Wetterkapriolen können sich selbst alteingesessene, gut betuchte Winzerbetriebe nicht komplett und „rundum-sorglos“ versichern, plauderte Sponheimer aus dem Nähkästchen.

Der museale Vorzeige-Weinberg wurde durch den ersten Museumsdirektor Dr. Klaus Freckmann und dem damaligen Meddersheimer Geschäftsführer der WZG, Helmut Reidenbach, angelegt, und er wird seitdem von den knapp ein Dutzend Mitgliedern der WZG bewirtschaftet. „Eine Heidenarbeit, ein Knochenjob“, lobte Marketingstrategin Monika Theobald, im Freilichtmuseum quasi „Mädchen für alles“. Das um 1841 komplett aus Sandsteinen erbaute und majestätisch im Wingert thronende Weinbergshäuschen aus Rehborn dominiert in der gut ein Viertel Hektar „großen“ Steillage und ist ihr absoluter Lieblingsplatz. Oft war Ende September beim Museumsfest zeitgleich Weinlese, und da durften auch Gäste, Freundeskreis und Museumsbesucher mithelfen. Damit wird nun nichts.

Am Mittwoch, 3. Juni 2020, läuteten punkt 11 Uhr die Glocken im Nachtigallental, Ingrid Gräff aus Meddersheim ist Patin in der Post, im Haus Rapperath, droben in der Baugruppe Hunsrück/Nahe und kümmert sich. Langsam erwacht das Museum aus der Coronakrise und seinem Dornröschenschlaf, bricht sich die Normalität Bahn, sinniert Monika Theobald. Seit dem 11. Mai ist das Museum für Spaziergänger geöffnet, Ausstellungen sind noch geschlossen und Mitmachangebote fallen aus. Aber jetzt drängen die Menschen ins Freie, jetzt gibt es in Kürze massiv Lockerungen. „An den Pfingsttagen war der Besuch sehr gut und von den Zahlen her kein Unterschied zu den Vorjahren erkennbar“, freute sich Monika Theobald. Bernd Hey.

Zum Foto: Die Eisheiligen machten ihrem Namen alle Ehre: Frostgeschädigte Blätter und schwarze Gescheine sind in diesem Jahr der Grund dafür, dass im dritten Jahr in Folge im Herbst eine ertragreiche Weinlese im Museumsweinberg ausfällt, bedauerten Monika Theobald und Jürgen Sponheimer.