Lidl ist platt - Real macht dicht: Bald nur noch Grundnahrungsmittel ???

Kategorie: Bad Sobernheim, VG Sobernheim, Kreis KH, Allgemein, Nachbarschaft, Lokale News an Nahe und Glan, Firmenportrait, Essen & Trinken

 

Bad Sobernheim. Am 26. September endet eine lange Ära, dann schließt der Real an der Westtangente. Schon jetzt fehlen die wöchentlichen Angebotszettel, die Regale leeren sich, der Kundenstrom verebbt zusehends. „Keine Werbung - keine Kundschaft. Nicht umsonst wird einem ein dicker Packen an die Haustür gebracht“, bringt es Erika Haubert aus Otzweiler auf den Punkt.

Und weil der Lidl obendrüber in der Monzinger Straße plattgemacht wurde und zu einem bundesweiten Vorzeigemarkt und Sahnehäubchen in der Felkestadt ausgebaut und am 3. Dezember um 7 Uhr neu eröffnet wird, werden jedenfalls bis dahin die Kunden quasi zum Fachmarktzentrum an die Denkmalz Brauerei oder aus der Stadt hinaus komplimentiert. Sukzessive werden Real-Abteilungen wie Elektro oder Haushaltswaren zurückgefahren. „An uns liegt es nicht. Wir sind sehr bemüht, unseren Standard aufrecht zu erhalten. Das Trocken- und Frischesortiment, Obst, Gemüse und Getränke bleiben bis zum Schluss“, informierte auf Nachfrage Betriebsratsvorsitzende und Real-Kassenleiterin Steffi Hohneck aus Lauschied. Die 59-jährige begann hier am 17. Oktober 1983 beim Warenhaus Schmidt&Breug. So wie ihr geht es vielen: „Wir gehen alle ungern, für jeden ist es schlimm, es flossen viele Tränen. Ich freue mich sehr, wenn alle wieder Arbeit finden, wir haben bei unseren 70 Beschäftigten teils jahrzehntelang beschäftigte Mitarbeiter und prekäre Situationen in Sachen Mobilität“, sagt sie.

Die Hiobsbotschaften in den Medien überschlagen sich: „Real wird platt gemacht. Der russische Investor SCP übernimmt 270 Märkte des SB Warenhauses von der Metro. Die Gewerkschaften, allen voran Verdi, fürchten sich vor Lohndumping und Entlassungen“. Solche Meldungen tickern im Stundentakt über die Nachrichtensender. „Wir müssen letztlich zufrieden sein“, es sei alles fair gelaufen mit dem Real-Betriebsrat in Bad Sobernheim, den Personalleitern und den Anwälten der Real-Konzernleitung. Ab 5. Oktober sind die Mitarbeiter freigestellt, neben einer Abfindung laufen die Arbeitsverträge am 31. Dezember 2020 aus.

Ob, wie und wann Nachfolger Edeka eröffnet, steht noch in den Sternen. Gut informierte Kreise twittern das Jahr 2022. Im Gespräch sind ein Drogeriemarkt, (möglicherweise dm) und der Umzug von Aldi vom Johannisplatz an die Westtangente. Insider und Kenner sehen dann in der Felkestadt ein Überangebot am täglichen Grundnahrungsbedarf – aber eine mangelhafte Auswahl an Stoffen, Kleidung und Elektrobedarf, beispielsweise Druckerpatronen und Co.

Dass es diese Sachen teils in Bad Soberheim, beispielsweise bei Stefan Klußmeier im Nahe-IT gibt, wäre Sache der Werbegemeinschaft, in Coronazeiten besonders auf das breite Warensortiment (bestes Beispiel ist Scheib mitten in der Stadt/Saarstraße) darauf hinzuweisen, dass nimand "Über Feld" oder nach Waldböckelheim muss. Aber solange die Geschäfte mittags (Mittagsruhe) und um 18 Uhr schließen, wird die Einkaufssituation immer prekärer. "Leider" sagen Kunden.

Zum Foto. Kassenleiterin Steffi Hohneck aus Lauschied (links) arbeitet seit 1983 an der Westtangente, Erika Haubert aus Otzweiler ist seit 21 Jahren im Real-Markt.