Kostbare Wasserverschwendung: Limbacher gehen auf die Barrikaden!

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Fotos am Textende anklicken. Limbach. / Kirner-Land. Die Trinkwasserproblematik und das extreme Absinken des Grundwasserspiegels nach drei Jahren Trockenheit in Folge sind in aller Munde. Auch im Limbacher Tal, das mit dem Großbachtal das größte Wasserreservoire für 21 Orte in der VG Kirner Land bildet: „Wanderer und Radfahrer sind außer sich, berichten kopfschüttelnd von einem Rohrbruch, denn das Wasserrauschen, wo kostbares Wasser ungenutzt in den Bach gepumpt wird, ist auf dem Radweg und der K71 laut zu hören“, berichtete „Ob“ Thorsten Pröschel. Ist das Wasser bakteriell verseucht und warum passiert hier seit Jahren absolut nix? – fragt er.

Nach Worten der VG-Werke werde von der Limbachquelle 1 „kontaminiertes und keimbelastetes“ Wasser in den Bach gepumpt: „Pumpenkram ist Lumpenkram“ - sagt ein altes Sprichwort. „Ein Irrsinn. Durch das Abpumpen von kostbarem Grundwasser wird die Neubildung extrem reduziert“, weiß Ratsmann Christoph Schupp. Von Dilettantismus und Gleichgültigkeit ist mehrfach die Rede: „Wir werden über den Tisch gezogen. Wir fordern die sofortige Einstellung des sinnlosen Abpumpens, die Offenlage aller Fakten, eine Bestandsaufnahme der Wasserentnahme im Tal samt der gemessenen Niederschlagsmenge“, echauffierten sich Ortsbürgermeister Thorsten Pröschel und Landwirt Peter Steffens. Denn letzterer Niederschlag werde irgendwo anders pro forma ermittelt – jedenfalls nicht im Einzugsgebiet Limbach erhoben - ein Skandal, das Tal sei in größter Not, wettern die Ratsleute. Normalerweise sollte die „alte“ Limbachquelle geschlossen werden, aber sie liefert das meiste Wasser, die Bohrung 25 Meter nebenan war nicht vom Erfolg gekrönt, was die komplexen Zusammenhänge untermauern.

Jahrzehntelang haben sich im Limbacher Tal Umweltschützer wie Friedel Barth oder Limbachs Alt-Ob Willi Baus für Nachhaltigkeit und Sparsamkeit dieses sensiblen Ökokreislaufes stark gemacht – momentan hört man aus der Heimweiler „BI Limbacher Tal“ nichts. Absolute Funkstille. Und das hat womöglich einen Grund: Der vom Schwarzenberg kommende Bach fällt in der Ortslage Limbach trocken – und wird plötzlich ein Kilometer weiter auf der Gemarkungsgrenze Heimweiler mit viel Wasser aus der Limbachquelle 1 (frühere Stadtquelle) durch Abpumpen für die Heimweiler Gärten gespeist….und paradoxerweise steht hier eine Messstelle. „Augenwischerei, Volksverdummung, keine Heile Welt“, klagen die Limbacher.

Zwingende Amtshandlung des neu-konstituierenden Ortsgemeinderates war im September 2019 die Beschlussfassung zur Sanierung des Brunnens Limbach I durch den Zweckverband Gruppenwasserwerk Krebsweiler – seit der Unterschrift sei rein gar nichts passiert. Den VG-Werken dürfe solch Frevel nicht egal sein – überall brüste man sich mit Neubaugebieten. „Wo soll denn das Trinkwasser herkommen?“, schlagen die Limbacher Alarm. Mit Abdichtung des Oberflächenwassers, einer Entkeimungsanlage, Infrarot oder wie früher gechlort, dürfe das Wasser niemals ungenutzt weglaufen – dies werde sich bitter rächen. Derweil zeitgleich auf dem Hunsrück in Simmern und Rheinböllen die Hähne wegen Wasserknappheit zugedreht werden. Ein beherrschendes Thema in Limbach, solche Situationen gab es auch in Kirn-Land öfters. Sparen sei das Gebot der Stunde, nicht Verschwendung! Aber: Nichts tut sich im Limbacher Tal.

 

Schilf ist eine „Zeiger-“ und Indikatorpflanze – aber das Wasserschutzgebiet im Tal schrumpft extrem. Bereits 1914 wurde eine Quelle im ersten Bauabschnitt bis 31 Meter als Tiefbrunnen erschlossen und selbiger 1956 auf 46 Meter Tiefe gebohrt. In den 1960-er Jahren sind Fotos von einem hochwasserführenden Limbach dokumentiert - 1978 forderten 930 Bürger nach Wasser-Raubabbau eine detaillierte Stellungnahme vom damaligen Amtsbürgermeister Adolf Schwenk. Schon vor 40 Jahren, am 29. Februar 1980, lautete die Schlagzeile der Kirner Zeitung „Schilf gesetzlich schützen“. Die Wasserausbeutung ist bestens dokumentiert – im November 1990 listete die Kirner Zeitung die von Menschen gemachten negativen Einflüsse und Sprüche im Stadtrat Kirn wie „Wasser ist genug da“ auf: So sorgten nach Kanalbau rund 7.000 Meter Drainagen zusätzlich bei Regenfällen für rauschende Rohre, obwohl dies seitens des Wasserwirtschaftsamtes völlig unzulässig sei! Diese fehlende Grundwassersperre sorgte in Limbach im Bereich Dorfanger bis heute für gravierende Risse in Häusern und Straßen. Am 12. Dezember 1990 forderte die Kirner Zeitung eine „Entlastung der Auenzone“ - immer kamen über 100 Bürger zu Versammlungen. Über das Gruppenwasserwerk Krebsweiler war das Wasserreservoire bislang mit Argusaugen über Jahrzehnte dokumentiert; - die Förderung und der Verbrauch sanken in Stadt und Kirn-Land kontinuierlich (1984: 1,124 Millionen, 2004: 961.844 Kubikmeter) Aber: Zu allen Zeiten galten die Bürger, Anwohner und Umweltschützer als Querulanten, obwohl ausgewiesene Experten und Geologen permanent ein Absinken des Grundwasserspiegels bestätigten und warnten.

„Wo kein Wasser ist, zieht kein Wasser hin“, sinniert Landwirt Peter Steffens den Volksmund, und über meteorologisch-physikalische Vorgänge in der Atmosphäre, ein Dilemma. Steffens ist Erster Beigeordneter seiner Gemeinde und war Ortsbürgermeister von 1989 bis 2009. Der Untergrund des Bodens ist das ganze Jahr über tief knochentrocken. Ertrag und Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind aufgrund der Trockenheit geschrumpft. Braugerste kann in der Region Limbach, einem der niederschlagsärmsten Gebiete landesweit, gar nicht mehr angebaut werden. Und der Mais bildete zwar Kolben, aber keine Körner aus. Und noch etwas brennt den Ratsmitgliedern unter den Nägeln: Unter dem Deckmäntelchen der Verkehrssicherungspflicht entfernte der Landesforst Richtung Hundsbach zur L 182 Bäume, jetzt erleiden bloßgestellte stattliche Buchen im Dieler Wald Sonnenbrand und Hitzestress – flächendeckend ist Waldsterben zu beklagen und zwingend Handlungsbedarf angesagt.

Zu den Fotos: Das Tal kommt seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Wie aus einem B-Schlauch der Feuerwehr schießt seit über einem Jahr mehrmals am Tag kostbares Grundwasser der Limbachquelle I auf der Gemarkungsgrenze zu Heimweiler in den Limbach. Mehrere Tausend Liter in einer Viertelstunde wurden gemessen, über 30 Kubikmeter in einer Stunde – eine Verschwendung von kostbarem Grundwasser sondergleichen. Der Gemeinderat fordert einen sofortigen Stopp und Tätigkeit der VG-Werke.


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