FSV Kirn: Teuerstes Flaggschiff "DG 505" auf den Namen "Kirner Land" getauft - Feierstunde mit "OB´s" machte diesem Namen alle Ehre - Über den Wolken!

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Fotos am Textende anklicken - Hochstetten-Dhaun. / Merxheim. / Meckenbach. Die Fliegerei hat nichts von seiner Faszination verloren, seit 1505 Leonardo da Vinci weitgediehene Zeichnungen vorlegte und um 1810 die ersten Gleitflugzeuge durch die Lüfte segelten. Am Samstag war die Flugtaufe des leistungsfähigen doppelsitzigen Segelflugzeuges DG 505 auf den Namen „Kirner Land“ beim Flugsportverein Kirn (FSV) auf der Meckenbacher Höhe trotz Corona ein gesellschaftliches Ereignis: „Niemals zuvor hat der Verein so viel Geld investiert, dass wir uns solch ein Flaggschiff leisten konnten“, rief emotional und freudig bewegt Erster Vorsitzender Lutz Walldorf aus. „Das neue Flugzeug bringt uns voran“, sagte er und dankte der Bürkle-Stiftung um Gudrun Wiest und Geschäftsführer Jürgen Pickel, die 9.700 Euro beisteuerten. Die große Fliegerfamilie fand zusammen, und da durften auch Klänge von Reinhard Mey „Über den Wolken“ oder „Die heiße Schlacht am kalten Büfett“ nicht fehlen – auch die war ein appetitlich angerichteter Blickfang. Eigens aus der Eifel kam Paul Weiher angeflogen und lobte die „Kirner Kameradschaft und das atemberaubende, kontinuierlich weiterentwickelte Terrain“.

Seit Vereinsbestehen 1950 hat die Leumund-Pflege zu allen Anrainergemeinden und die tiefe Verbundenheit zur Region, die Dankbarkeit gegenüber Gönnern und Unterstützern und den 60 aktiven und ebenso vielen passiven Mitgliedern im FSV allerhöchste Priorität, begrüßte Lutz Walldorf – und alle Sponsoren, die geladenen Gäste und Bürgermeister folgten der Einladung und strahlten mit Kaiserwetter um die Wette. Walldorf nannte die drei Orte ein „segensreiches Triumvirat“, er erinnerte an „karge und staubige Zeiten der Zuwegung, als der Einzylinder Dieselgenerator mit Verdampfungskühler mit der Handkurbel gestartet wurde“ und die Segelflieger als Enthusiasten und Idealisten mehr in die Infrastruktur als in den Flugzeugpark investieren mussten.

VG-Bürgermeister Thomas Jung fand die passenden Worte der Wertschätzung. Er habe großen Respekt vor solch einer Anschaffung: „Dieser ehrenamtliche Einsatz hat einen großen Stellenwert und ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Gemeinsam Dinge entwickeln, sich gegenseitig unterstützen und weiter entwickeln“, dies sei das Gebot der Stunde. „Wir wollen und werden zusammenwachsen – und dabei helfen uns so tolle Projekte wie das Segelflugzeug Kirner Land, das uns in ungeahnte Höhen aufsteigen lässt“ – Thomas Jung wünschte nicht allein dem Segelflieger „Kirner Land“ die notwendige Thermik, viele schöne Flugstunden und allzeit sichere Landung.

„Da wo der geteerte Asphaltweg aufhört, endet unsere Gemarkungsgrenze“, scherzte Hochstettens „Ob“ Hans Helmut Döbell; - er hob die vielen Zeichen  tiefer Verbundenheit mit dem FSV Kirn hervor. Bekanntlich wohnen Vorsitzender Lutz Walldorf und der Geschäftsführer Cersten Milde im Ort. Humorvoll-heiter dankten und würdigten für die Stadt Kirn Frank Ensminger, für Merxheim Egon Eckhardt, und der ausgebildete Flieger und Beigeordnete Thomas Brumm für die Ortsgemeinde Meckenbach das ehrenamtliche Engagement und die gutnachbarschaftlichen Beziehungen. Chef-Fluglehrer Guido Wagner hielt ein flammendes Plädoyer über die Ausbildung: „Oft sind unsere FlugschülerInnen erst 14 Jahre alt. Wir bauen auf ihre Fähigkeiten und Verlässlichkeit, geben den Piloten Sportgerät von mehreren 10.000 Euro in die Hand. Dieses Vertrauen wurde ausnahmslos damit belohnt, dass wir zuschauen können, wie jungen Menschen Flügel wachsen“, sagte er. In der Ausbildung werde nach den Alleinstarts die neu erworbene DG 505 eingesetzt. Zwischen zehn und 20 Jugendliche waren in der Ausbildung, Tendenz rückläufig, konstatierte Guido Wagner, was der räumlichen Nähe zu strukturstärkeren Vereinen in Idar-Oberstein und Bad Sobernheim geschuldet sei. Die eigentliche Enthüllung des Namens und die Sekttaufe nahmen die Jugendleiterin Luisa Hartmann und Lutz Walldorf vor. Um 16.20 Uhr hob die DG 505 „Kirner Land“ im Schlepptau eines Motorflugzeuges mit VG-Bürgermeister Thomas Jung und Guido Wagner im Fond und mit Rettungsschirmen ab, besagte Region aus der Vogelperspektive zu erkunden. Bernd Hey.

>>>IM DETAIL: Der doppelsitzige Segelflieger DG 505: Für das Flugzeug wurde im Prinzip zehn Jahre lang gespart – Anfang September fielen  zudem das Quetschekuchenfest und der Flugtag als Haupteinnahmequelle aus. Die Anschaffung im hohen fünfstelligen Euro-Bereich und „die Investition an der Leistungsgrenze mit Grundsatzdiskussionen war umstritten“, plauderte Lutz Walldorf aus dem Nähkästchen und ließ Gedanken aus 45 Jahren Revue passieren, seit er als 1975 als 14-jähriger Lausbub mit dem Segelfliegen begann. Einen Tag vor Silvester 2019 stand die Annonce in der Zeitung, an Neujahr 2020 fuhren FSV-Mitglieder ins bayrische Dingolfing und kehrten mit dem Flaggschiff DG 505 im Anhänger heim, „es hat alles gepasst“, erzählten sie um ihren Geschäftsführer Cersten Milde voller Stolz und Freude am Samstag bei der Taufe. Benannt nach den Erbauer Glaser-Dirks zeichnet sich das Segelflugzeug DG 505 mit sehr guter aerodynamischer Gleitleistung und einer Gleitzahl von 1:44 aus, will heißen, dass es aus 1000 Meter Höhe noch 44 Kilometer weit fliegen kann, bis es am Boden ist. Die vier weiteren Segler haben eine wesentlich geringere Gleitzahl zwischen 1:25 bis 1:34. Sieben Flugzeuge nennt der FSV Kirn sein Eigentum.

>ZU den Fotos: Vor 70 Jahren stand die Wiege des FSV im Kirner Gasthaus Krone. Mitte der 1950-er Jahre wurden in Meckings-Saal zwei Segelschulflugzeuge, eine „Rhönlerche“ und ein „Bergfalke“ auf die Namen „Stadt Kirn“ und „Ferdi“ getauft; - bei Letzterem handelte es sich um FSV-Gründungsmitglied Ferdi Becker. Dazu waren die Segelflieger im Saal aufgebaut, erinnerten die Altvorderen Harro Schmidt und Horst Peitz und hatten ein Fotoalbum dabei. Vor Jahren wurde auf das Gründungsmitglied und den Hochstetten-Dhauner Alt-Ob ein 100 PS Ultra-Leicht Motorsegler auf seinen Namen „Heinz Emmel“ getauft. Im vergangenen Jahr war „Patenonkel“ der anwesende Wolf Sydow, auf dessen Namen eine ASK 13 getauft wurde – 2018 beendete er nach 45 Jahren seine Fluglehrertätigkeit und zählte über 8.500 Starts. Den Namen „Kirner Land“ erhielt das „Flaggschiff“ des FSV Kirn am Sa. 19.09.2020 , wie es Vorsitzender Lutz Walldorf nannte. Jugendreferentin Luisa Hartmann war quasi Taufpatin.