Auen & Bärweiler: Offene Ateliers - Corona ist Künstlerfeind. Spagat zwischen brotloser Kunst & fehlendem Applaus, der auch in guten Zeiten nicht satt macht!

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Fotos am textende anklicken. Auen./Bärweiler. Im September 2020 hatten landesweit die Ateliers der bildenden Kunst geöffnet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ - dieses Sprichwort aus der Bibel stellte der rheinland-pfälzische Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Konrad Wolf, in seinem Grußwort obenan, um einen Absatz weiter zu folgern: „…umgekehrt ist festzuhalten, dass die wenigsten der professionellen bildenden Künstler von ihrer Kunst allein nicht leben können“, so Konrad. Wertschätzung ist wichtig, Existenzen dürfen nicht zerstört werden; - Corona ist schuld, dass aus der Kunst der Künstler „brotlose Kunst“ werde und man vom Applaus allein nicht leben könne, mahnten die Besucher in Auen und Bärweiler. Jedenfalls braucht es „direkte Begegnungen mit dem Publikum im Raum, damit die unverschuldet in Not geratenen Künstler ihre Arbeiten präsentieren können“, wünschte sich die Erste Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstler, e.V. (BBK), Sylvia Richter-Kundel. Die „Offenen Ateliers“ gibt es seit 1993 – in Auen in der Hauptstraße 2 öffnete Mathias Graffe`, der 2009/2010 Landes-Vorsitzender der Gilde der BBK war.

Mathias Graffe` ist in Mainz geboren, Jahrgang 1959. Nach dem Besuch der Freien Kunstschule in Wiesbaden und drei Jahre Studium im Fachbereich Kunsterziehung an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ist er seit 35 Jahren als freiberuflicher Maler, Illustrator und Mediengestalter tätig; - seine Referenzen mit Ausstellungen, Öffentlichen Ankäufen und Auszeichnungen von Arbeiten „Kunst am Bau“ füllen ganze Bände. In seiner Vita haben sich Essays und Reportagen angesammelt: „Von Beruf Maler: Arm, aber frei und glücklich“ lautete die Überschrift einer Journal-Seite vom 31. August 1996, die heute aktueller denn je ist. Seit neun Jahren renoviert das Ehepaar Mathias Graffe` und Elke Mörlein die frühere katholische Schule am Ortseingang von Auen, wo der Künstler seit zwei Jahren lebt – die Ehefrau ist im Schuldienst in Wiesbaden tätig. Auen sei ein wunderschöner und inspirativer Ort – entsprechend ist die Landschaftsmalerei und Stillleben ein Schwerpunkt. Auf drei Ebenen nennt der Künstler bis zu 400 Werke sein eigen – am vergangenen Wochenende kamen viele Besucher aus der Region, aber auch Bekannte aus dem Rhein-Main Gebiet angereist und gaben sich die peinlichst desinfizierte Türklinke unter den AHA und Coronaregeln in die Hand. Graffe`s Arbeiten konnten einst vor Corona in Budenheim und in der Schweiz erworben werden. Bernd Hey.

Rinaldo Greco residiert in Bärweiler. Treffender lässt sich seine Arbeit und sein Atelier, die „galleria-greco“ in der Hauptstraße 1, nicht beschreiben. „Meisterliche Bilder, wunderschön, akkurat und ausdrucksstark mit kräftigen  Farben“, so schreiben es Besucher ins Gästebuch. Der gebürtige Italiener ist zeitlebens Kunstschaffender. Er lebt seit 40 Jahren in Deutschland und seit 20 Jahren in Bärweiler, den Künstler, Maler, Bildhauer und Grafiker kennt man von seinen Seminaren oder Kursen und als Lehrer in Realschulen oder Gymnasien an Nahe und Glan. In Bärweiler hat er den früheren Saalbau Schwedt komplett zu einem gediegenen Kunsttempel zum sattsehen arrangiert. Der gläubige Katholik hat den Missbrauch in der katholischen Kirche durchgängig, wie ein roter Faden, mit über 20 Werken thematisiert: „Das hat mir nicht gepasst – ich kann es nicht beschreiben, deshalb versuche ich das, was nicht sein soll und nicht sein darf und mit dem Glauben nichts zu tun hat, zu malen“, sagte er. Ein brisantes Problem, das erschreckt – wo man einem Eyecatcher gleich zweimal hinschauen muss, wo das Auge gefesselt und wo Kopfkino projiziert wird.

Aber darauf allein lässt sich seine künstlerische Schaffenskraft nicht reduzieren: Rinaldo Greco bildet sowohl das realistische Stillleben, wie die ganze, breite Palette der Metamorphose in der Botanik oder Geologie, die Umwandlung und die evolutionäre Anpassung wie das Vergängliche, wie beim Menschen von der Geburt bis zum Tod, von der Wiege bis zur Bahre ab. Großformatige Werke entstehen. Bevorzugte Techniken sind Öl auf Leinwand, Bleistift auf Papier oder Mischtechniken, in der Bildhauerei sind Bronze und Terrakotta (gebrannter Ton) oder Alabaster (Gips) verwendete Materialien.

Zu den Fotos: Mathias Graffe` und seine Frau Elke Mörlein in Auen am Diptychon (zwei Bilder) zum Thema Yellowstone Nationalpark. Die Caldera des schlummernden Vulkans in den Rocky Mountains hebt sich und dies wurde vor 150 Jahren entdeckt. Das Kunstwerk ist mit sandigen Naturalien in Acryltechnik auf Leinwand gemalt. Über der Lavablase ist in barocker Monstranzform Raum und Platz für die eigenen Überlegungen der Verkündigung des Jüngsten Gerichts gegeben.

Und in Bätweiler: Ein nachdenklicher Rinaldo Greco hat sein ganzes Leben der Malerei, Plastiken und der Kunst am Bau gewidmet. Der Kunstschaffende unterrichtet an Schulen und öffnet sehr gern sein Atelier in Bärweiler – die Resonanz am Wochenende war wie seit Jahren ungebrochen groß.