Waldbegehung über Stock & Stein - Nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen

Kategorie: Bad Sobernheim, Kirschroth, Meddersheim, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Nachbarschaft, Politik, Highlights

 

Fotos unten -Textende- Meddersheim. Bei der Wandbegehung am 1.11.2020 ging es unter dem Schützenhaus über die Römerstraße von der zweiten bis zur zehnten Gewanne zu den Weisergattern auf der Gemarkungsgrenze Kirschroth parallel zum Waldgebiet Donnershall entlang der K 62 durch wertvolle Eichen- und Douglasienbestände. Weisergatter sind Vorzeigegatter, quasi wilddicht umzäunte Flächen, wo das Anpflanzen von Eichen oder eine Naturverjüngung anschaulich dargestellt wird und nicht unter dem Wildverbiss leidet.

Es ging querfeldein über nasse Äcker und Wiesen, wo die Feldwege sich längst als landwitschaftliche Nutzfläche einverleibt wurde. Zurück zur L 376, die im Hottenbachtal überquert wurde am Beilstein entlang Richtung Nahe und an der Abzweigung zum Freilichtmuseum entgegengesetzt Richtung Meddersheim. Hier sieht man schwere Ketten und Vorhängeschlösser. Unterwegs informierte Revierförster Stefan Gesse über den Waldumbau, über Wasserreißer und Maserungen im Holz und den eigentlichen Beruf des Försters mit dem Spiel von Licht und Schatten, alles was Wachstum und Leben beeinflusst. Auch wenn alle durch den Borkenkäfer befallenen Fichtenbestände entnommen sind, bleibt dennoch das Augenmerk auf den Kahlflächen dem Rüsselkäfer oder metallisch grüne Eichenprachtkäfer erhalten – weiteres interessantes Anschauungsobjekt aufgrund einer biologisch-pflanzlichen Reaktion war die Eichengallwespe, deren Larvenkammer im Innern einer kugeligen Gestalt zu finden ist.

Die Wasserrückhaltung und Versickerung in der Fläche war ebenfalls Thema – der Wald mit seiner volkswirtschaftlichen als Nutz-, Schutz und Erholungsfunktion sowie Flora und Fauna, Naturschutz und Artenvielfalt konnte von Förster Stefan Gesse anschaulich dargestellt werden – würde man die Natur sich selbst überlassen, dauere es mehrere Generationen. Dies wurde nach Windwurf in einem Privatwald in einem Seitental sichtbar, wo Chaos herrschte und kaum eine Aufarbeitung möglich ist. Übrigens, ganz wichtig: Längerfristig können die künftigen Mischwaldbestände mit dem Harvester nicht mehr so ohne weiteres abgeerntet werden, andererseits seien die Erntemaschinen Effektiv und besser als ihr Ruf. Grundsätzlich darf jeder Forstbetrieb oder Waldbesitzer Saatgut nur in seinem eigenen Wald einsetzen, es sei denn, die Samen stammen aus einem zertifizierten Betrieb. Saatgut als Einnahmequelle wurde thematisiert; - in der Region stehen Eichelhähertische, wo Eichelhäher die Samen abgreifen und vergraben und dann wachsen Bäume aus Kernwuchs nach.

Bei der abschließenden Ortsgemeinderatssitzung verlas die „OB“ Renate Weingarth-Schenk im Gemeindesaal ein Schreiben, wonach der „Revierbeamte Herr Gesse aufgrund der finanziell angespannten Wirtschaftslage der Ortsgemeinde Fehlbeträge im Forst gering halten soll“. Die Kommunalaufsicht forderte stringent, das Kosten im Wald- wie im Wirtschaftswegebau über die  Jagdpachteinnahmen der Jagdgenossenschaft zu finanzieren sind.  Dies begrüßte die Ortsbürgermeisterin, sprach von einem „Trauma“ und wetterte, denn: „Vieles was von der Ortsgemeinde seit Jahren vorgeschlagen wird, wird blockiert und das bin ich künftig nicht mehr gewillt, hinnehmen“, drohte sie mit der Kommunalaufsicht und dem Gemeinde-und Städtebund. „Es kann nicht sein, dass elementare Arbeiten wie Weinbergsentwässerung, Regenrückhaltebecken oder Wegebau, die alle Bürger einer Gemeinde betreffen, nur von einer bestimmte Interessengruppe begründet werden und die Ortsgemeinde bleibt außen vor“. Das koste viel Kraft und Ärger, „ein paar Baggerstunden wären ein Klacks, kosteten wenig“.

In Sachen Kita „Rasselbande“ Erweiterung oder Neubau liege eine Machbarkeitsstudie vor, nichtsdestotrotz votierte der Rat einstimmig für eine Brandschutztür im Untergeschoss. Kosten 5.566 Euro. Derzeit wird im Ort der Kanal von der Firma Herrmann aus Schlierschied mit Kamera befahren. Autofahrer Achtung: Es kommt zu Verkehrsbehinderungen. Bernd Hey.

IM DETAIL: Die guten Jahre in punkto Ertrag sind vorerst vorbei: Während der Waldbegehung informierte Förster Stefan Gesse über paradoxe Entwicklungen: So ist Schadholz in rauen Mengen da, aber in Baumärkten Bauholz Mangelware. 333,2 Hektar der Gesamtfläche von 1314 Hektar der Weinbaugemeinde sind Waldboden; - 2019 schloss mit einem Gewinn von 13.000 Euro ab, der Waldetat 2020 ist ausgeglichen. Klimabedingte Maßnahmen und die Verkehrssicherungspflicht entlang der L 376 haben Priorität. Im einstimmig beschlossenen Forstwirtschaftsplan 2021 stehen bei geringerem Einschlag von 440 Festmeter (möglich wären 997 Festmeter) wegen Durchforstung überwiegend im Blocher Berg, im Präsent, Leiberstich und am Beilstein trotz Erträgen von gesamt 32.600 Euro inklusive 2.000 Euro Jagdpacht und Wildschadenspauschale (1.100 Euro) unterm Strich ein Minus von 3.300 Euro beim Betriebsergebnis.


Über "tiefe" Felder

im Süden Meddersheim

Förster Stefan Gesse

zeigt Samenkörner

der Fels Beilstein