Merxheim-Monzingen-Meddersheim-L 232: Viehbetrieb will expandieren!

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Fotos UNTEN anklicken--- Merxheim. Der Ortsgemeinderat hatte über eine nicht alltägliche Bauvoranfrage zu befinden: Es ging um die Aussiedlung eines Monzinger Michviehbetriebes auf die Merxheimer Gemarkungsgrenze an der L 232 Richtung Meddersheim. Im Betriebsbestand sind 300 Hektar Acker- und Grünland samt Milchviehherde von 90 Tieren mit Nachzucht vorhanden. Innerhalb der Ortslage Monzingen sei keine Weiterentwicklung oder  Expansion möglich. Im Kern sieht die Aussiedlung eine Milchviehherde von 160 Milchkühen mit der weiteren Nachzucht von 160 Stück Kälbern und Jungvieh vor. In zwei Bauabschnitten sind hier Ställe, Fahrsilos, Dunglager und Güllelager sowie Lagerhalle und Wohnhaus sowie eine Kleinkläranlage geplant. Viele Fragen blieben in diesem frühen Stadium offen. Warum kann sie der Antragsteller nicht persönlich im Merxheimer Gemeinderat vortragen? wurde gefragt. Vier komplexe Themen trug die FWG in einem Fragenkatalog vor: „Ja, wir alle brauchen Milch und Fleisch“, sagte Stefan Ottenbreit - aber an dieser exponierten Lage? Ist das Bauvorhaben im Flur 57, Flurstück 46/3 mit dem Erschließungsträger des Merxheimer Neubaugebietes abgestimmt - wie tangiert der Betrieb dies bei einer Ausweitung des geplanten Baugebietes? Und wie sind 300 Tiere und die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zum Kurhaus Menschel in Sachen Immissionsschutzrichtlinien genehmigungsfähig? Günter und Matthias Menschel vom Vitalresort verfolgten gespannt als Zuhörer die Debatte.

Hintergrund: Ein Betrieb in dieser Größe existiere wirtschaftlich letztlich nur mit einer Biogasanlage, war im Vorfeld mehrfach zu hören, und dagegen liefen bekanntlich auf Nußbaumer Gemarkung auf der anderen Naheseite die Kurhäuser und Hunderte Gegner 2013 Sturm. Diesem Antrag auf Bauvorbescheid folgt der Bauantrag, das Sagen habe letztlich die Kreisverwaltung, informierte Ortsbürgermeister Egon Eckhardt das weitere Prozedere, man habe keinen Kenntnisstand über Lärm-, Geruchs- und Umweltbeeinträchtigungen und wie die Anlage konzipiert sei, deshalb sehe er sich einer Zustimmung außerstande, sagte Eckhardt. Mit einer Enthaltung stimmte der Rat gegen die Voranfrage, die Gemeinde befürchtet eine Beeinträchtigung öffentlicher Belange, Begründung nach § 35 Baugesetzbuch: „Entlang der L 232 verläuft der Nahe-Radweg; - dieser dient zur Erholung. Durch die Ansiedlung eines Milchviehbetriebes wird der Erholungswert beeinträchtigt und das Landschaftsbild verunstaltet“.

Solch einen Betrieb hier ins kurschattig-touristisch-verträumte Nahe-Weinanbau-Schaufenster zu stellen und ihm die Expansion zu versagen, birgt eine mega-Brisanz. Wenn nämlich "Wiesenhof" oder holländische Hähnchen und billiges Schweinefleisch aus Dänemark und den Niederlanden an der Nahe im Supermarkt verkauft und hier verzehrt werden, müssen auch die „Hähnchen-Beenchen“, Knöchelchen, Gülle, Innereien und die Exkremente hier ausgebracht werden. Hier auf die Fläche. So jedenfalls ist es EU-weit manifestiert - und auch hierzulande ist das Gülle ausbringen ein lukratives Geschäft für die Landwirte und ein Problem. "Scheiße im Grundwasser" titelte die taz mehrfach. Wo kein Kläger, da kein Richter; - mittlerweile ziehen alle Umweltverbände bei Bauernprotesten und privilegierten Bauvorhaben den Kürzeren und bringen ihre eigenen Schäfchen ins Trockene oder Kröten sicher über die Straße.

In diesem Zusammenhang erinnerte der Merxheimer OB Egon Eckhardt daran, dass die Verbringung des Klärschlammes auf landwirtschaftlichen Flächen zwar genehmigt sei, die VG Nahe-Glan dies zur thermischen Verwertung (Mainz) transportiere und die Geruchsbelästigungen auf Merxheimer und Meddersheimer Äckern von anderen VG´s herkommt und schamlos ausgebreitet werde.

N.B. Ebenfalls Thema: In der Region gibt es vielzuviel Wild und Jäger aus Holland, dem Rheinland, Ruhrgebiet oder Rhein-Main. Grund (sinngemäß): Günstigere Pacht und Rahmenbedingungen. RLP, Saarland und Hessen haben am meisten Wald, über 40 Prozent. Jäger aus den Niederlanden zahlen hier mehr und überbieten die flächenmäßig geringeren Waldgebiete vor ihrer Haustür am Niederrhein oder in NRW. Geld ist genug da, kein Thema.


Direkt an der L 232

Metzger + Jäger

nostalgische Kulisse

was gehört ins Schaufenster

...an der mittleren Nahe?