Heimweiler -Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung liegt voll im flow

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Fotos am Textende - machKLICK: Heimweiler. Ortsbürgermeister Andreas Setz sowie die Beigeordneten Klaus Wöllstein und Klaus Stibitz luden zum Pressegespräch ein. Grund: Wegen Corona fielen Gemeinderatssitungen aus - Weihnachtsfeiern oder der Neujahrsempfang der Gemeinde wurden gecancelt, und trotzdem gibt es nach vielen Arbeitstreffen Neuigkeiten.

Schließlich ist der 420-Seelen-Ort seit 2018 Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung und seitdem sind Ortsgemeinderat und Arbeitsgruppen sehr rege. Am 30. September kam es auf Einladung von Thomas Kruse vom Bauamt der Kreisverwaltung KH mit Vertretern von Kreis, der VG Kirner Land, ADD und dem zuständigen Mainzer Ministerium an Ort und Stelle zu einem Treffen. Grundlage war ein 15-seitiges Arbeitspapier zum Projekt „Modernisierung Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Heimweiler“. Anfänglich kamen Fragen auf wegen dem defizitären Haushalt, man wolle seitens des Ministeriums keinen Leerstand fördern, war klare Ansage. Aber da hatte die Delegation die Rechnung ohne die Heimweilerer gemacht, die sie top-vorbereitet zwei Stunden lang ins Gebet nahmen und erklärte, wie das Leben im Dorf mit bescheidenen Mitteln läuft und dass jeder mitanpackt. Die Gastgeber wucherten bei ihrer Präsentation mit wahren Pfründen - am Ende des Tages signalisierten alle Anwesenden breite Zustimmung und positive Signale der Förderfähigkeit und würdigten in höchsten Tönen urbanes Leben. Ihr Vorschlag, Experten-Rat, das DGH „abreißen und neu bauen“ lief indes komplett fehl und ins Leere, denn man habe in das DGH als Bürgerzentrum über sechs Jahrzehnte ganz viel Schweiß und Herzblut eingebracht. Alle Vereine und Gruppierungen haben alle Gelder und Gewinne sowohl in Mobiliar, sanitäre Anlagen, Küchen- und Sportgeräte sowie in die Gebäude investiert und die Gemeinschaft gefördert.

Der TuS Heimweiler kratzte vor Jahren an der 500-er Mitgliedermarke mit einem wahnsinnig attraktiven Breitensportangebot – und nach wie vor steht das Haus mitten im Ort wie ein Fels in der Brandung, verbindet die einstigen Orte Krebsweiler und Heimberg, die 1960 das Haus bauten und 1969 zum Ort Heimweiler wurden. „Hier brennt jeden Tag Licht, hier ist Dreh- und Angelpunkt, hier kommt das Dorf und Nachbargemeinden beisammen: Saal, Kegelbahn, Feuerwehrhaus, Spiel-, Sport- und Mehrgenerationenplatz, hier treffen sich Generationen, hier trifft sich die Jugend und hier wird die Kerb gefeiert“, zählte Erster Beigeordneter und Schreinermeister Klaus Wöllstein auf: Es gibt Spielenachmittage, Feste, Basare, Konzerte und Podiumsdiskussionen, der rumänische Abend, das Wahllokal und bis zu 70 Bürger kommen einmal im Monat zum Mittagstisch – außerdem war der Abschluss zum Ehrenamtstag hier geplant, hätte Corona nicht dazwischengefunkt. Jetzt gelte es, im Rahmen der seit 2018 laufenden Schwerpunktgemeinde Dorferneuerung der Jugend Platz und Raum zu schaffen, das Haus in einer grundlegenden Generalsanierung energetisch und bedarfsgerecht zukunftsfit und barrierefrei für die nächsten 60 Jahre zu gestalten – baulich wurde vieles „seit meinem Amtsantritt 2014 geschoben, es gibt einen Sanierungsstau, und ein Luftschloss oder gar Palast ist nicht geplant, aber es besteht in neun Ebenen und Gewerken akut Handlungsbedarf für ein ganzheitliches Sanierungskonzept “, informierte Ortsbürgermeister Andreas Setz.

Wir brauchen eine funktionelle, klimaneutrale und wirtschaftliche Heizung, keine Öl-, Gas- und Elektroheizung-Kombination, brachte er die Situation auf den Punkt. Auszüge aus der Planung: Die alte Schule zwischen DGH und dem Glockenturm ist in das Gesamtkonzept integriert. Im ersten Obergeschoß des DGH (frühere Hausmeisterwohnung) besteht bereits ein Besprechungsraum für alle Arbeitsgruppen, nebenan hat die „Junior“-Gruppe Räumlichkeiten. Im Keller soll ein ständiger „Kiosk“ als Dorftreff etabliert werden. Vieles sei bereits erprobt und habe sich bewährt, sagte Andreas Setz. Ganz wichtig sei, das bestehende weiterzuentwickeln, Abhilfe der unbeheizten Herrentoilette zu schaffen. Die Kegelbahn soll natürlich bleiben.

Dieses Projekt sei ein Baustein der Dorfentwicklung neben dem Wohnmobilstellplatz, Neubaugebiet, Radweg und dem Mehrgenerationenprojekt „Alt werden in Heimweiler“. Mittlerweile gibt es detaillierte Entwürfe, Grundrisse und Skizzen vom 29. April und 30. September 2020. Über die VG Kirner Land wurde fachlicher Rat und Beistand hinzugezogen, denn bis Oktober müssen baureife Pläne und belastungsfähige Kosten für alle Gewerke eingereicht sein. Erste Kostenschätzungen belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro. Bernd Hey.

RÜCKBLICK: Das Heimweiler DGH Am 24. Juli 1955 beschlossen die damaligen Ortsbürgermeister Ludwig Jakoby in Heimberg und Rudolf Horbach (Krebsweiler) die Errichtung dieses DGH quasi mittig beider Orte als Turnhalle und Duschbad für die benachbarte Schule und als Kindergartenhort mit Toiletten und mit weiteren funktionalen Einrichtungen wie Schlachtraum, Gefrieranlage, Saal und Sanitären Anlagen. Die Einweihungsfeier fand am 10. Juli 1960 statt. Kosten 270.000 D-Mark. Am 7. Juni 1969 besiegelten die beiden Orte ihren Zusammenschluss – dieses Ereignis wurde 50 Jahre danach Mitte Juli 2019 während der Heimweiler Bauernkerb gefeiert. Am 4. Dezember 1970 fand im DGH Heimweiler die konstituierende Sitzung des Rates zur neuen Verbandsgemeinde Kirn-Land statt. 1976 gründete sich hier als erster autarker Verein der Jugend im Kirner Land der „Jugendtreff Heimweiler“ und der MGV Krebsweiler-Heimberg feierte hier und im Festzelt sein 100-Jähriges. Es folgte im Ort die Infrastruktur, Kanal-, Wasser- und Straßenbau – und als alle Bürgersteige fertig waren kam eine Panzerkolonne –ein Schock: Diese Schäden sind bis heute sichtbar. Ein Kegelbahnanbau an das DGH mit fünf Gasthermen folgte 1981 unter „OB“ Otto Stenshorn. Am 18. Oktober 2010 wurde der 50.te Geburtstag mit einer grandiosen Modenschau unter dem Motto „Mode anno 1960“ gefeiert. Fotoapparate klickten, leider waren Dessous und Miederwaren aus jener Zeit im ganzen Dorf nicht mehr aufzutreiben, berichtete die Kirner Zeitung, und weiter; „Das Gemeinschaftshaus ist zum Symbol des lebendigen Zusammenwachsens beider Orte geworden“, so die Laudatoren, VG-Bürgermeister Werner Müller und Landrat Franz-Josef Diel, aus. Rudolf Horbach, Otto Stenshorn, Wilfried Schlarb und seit 2014 Andreas Setz hießen die Bürgermeister seit 1969.

Zu den Fotos: Gesamtansicht mit VIER Ratsmitgliedern, von links: Klaus Stiwitz, Klaus Wöllstein, OB Andreas Setz und Michael Jacoby (rechts) - außerdem: Feier 2010 - 50 Jahre Dorfgemeinschaftshaus.