IGM fährt schweres Geschütz auf: Mitarbeiter sollen für Strafen bluten

Kategorie: Bad Sobernheim, VG Sobernheim, Meddersheim, Staudernheim, Hochstetten-Dhaun, Kirn, Lokale News an Nahe und Glan, Leute nebenan, Beruf und Handwerk, Firmenportrait

 

Bad Sobernheim. Die Haystraße war am 10.März 2021 wegen eines Warnstreiks der IG Metall für mehrere Stunden voll gesperrt. Während einer einstündigen Protestkundgebung unterstützten mehr als 130 Beschäftigte mit einem Warnstreik die IG Metall im Rahmen der laufenden Tarifrunde und forderten vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Trillerpfeifen waren wegen der Aerosole verpönt, stattdessen sorgten "gefährliche" Rote Warnwesten, laute Popmusik, Fanfaren und Handsirenen für mächtig Rabatz, eine Nebelmaschine war im Einsatz, am Ende wurden Bengalos entzündet. Ordnungsamt und Polizei warfen ein Auge auf die angekündigte Kundgebung, die in soziale Medien übertragen wurde und wo vier Tage vor der Landtagswahl sich noch einmal jeder Kandidat profilieren wollte.

Der Erste Bevollmächtigte und Geschäftsführer der IG Metall Bad Kreuznach, Ingo Petzold, ging speziell auf die Standorte Bad Sobernheim und Bockenau ein und berichtete über ein gescheitertes Treffen mit Arbeitgebern vom Vortag in Bockenau. Die Chefetagen in Bad Sob. und Bockenau haben hohe Strafen ans die Kartellbehörden wg. Absprachen etc. zu zahlen. Die Auftragsbücher seien voll, 2018 habe es zuletzt eine Lohnerhöhung gegeben, „wir lassen uns nicht weiter in die Tasche greifen“, stimmte Ingo Petzold auf massive Proteste ein. Neben einem Rahmen für Zukunftstarifverträge zur Gestaltung der Transformation müsse auch die noch immer ausstehende Tarifbindung der Auszubildenden verhandelt werden, gerade die Automobilzulieferindustrie sei stark gebeutelt.

„Wir alle haben finanzielle und soziale Verpflichtungen unseren Familien gegenüber und fordern Standortsicherung für Jung und Alt“, rief der stellvertretende Musashi-Betriebsratsvorsitzende, Mario Gehres, in seinem umfassenden Statement aus. „Wir fordern die Übernahme aller Auszubildenden und der dual Studierenden. Die Ausbildung ist nicht verhandelbar, der Fachkräftemangel wird nach Corona bleiben. Und was macht unser Arbeitgeber? Er fordert unseren Verzicht von Weihnachts- und Urlaubsgeld, das ist völlig undiskutabel“, echauffierte er sich, man werde nicht im Kollektiv betteln, sondern hart kämpfen. Es wurde eine Stunde lang Tacheles und Klartext geredet.

Anfang März 2021 war die IG Metall Bad Kreuznach mit vier Terminen in der Metall- und Elektroindustrie gestartet, weitere Warnstreiks folgen in der 10.Kalenderwoche. Am „Equal Pay Day“ dem Tag gegen das Lohngefälle zwischen Mann und Frau wurde mit keiner Silbe erwähnt; Chance verpasst. Aber Hay und Musashi haben genug mit sich selbst zu kämpfen, während die Mitarbeiet mal wieder die Zeche zahlen und auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten sollen.