Andre Stilz als Vorbild in der Lützelsoonschule: "Die Schule rollt"

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Hennweiler. „Die Schule rollt“, so heißt ein Integrationsprojekt, mit dem das Selbstbewusstsein bei rollifahrenden Kindern gestärkt, und Hemmschwellen bei Schülern und Lehrern abgebaut werden sollen. Mit elf  Kinderrollstühlen besuchten Mitglieder des TV Mainz-Laubenheim die beiden vierten Klassen der Lützelsoon- Grundschule in Hennweiler. Ein speziell aufgebauter Hindernisparcours aus Rampen, Stufen und Lochplatten, die unregelmäßiges Kopfsteinpflaster simulierten, forderte dabei alle Akteure und offenbarte, mit welchen Schwierigkeiten Kinder im Rollstuhl im Alltag zu kämpfen haben. Weitere Tipps und Informationen gab es aus erster Hand von Andre Stilz. Niemand dazu ist prädestinierter als ein Rollstuhlfahrer selbst: Der Oberhauser Andre Stilz (22) ist von Geburt an querschnittsgelähmt. Er besuchte die Hennweiler Grundschule und die Kirner Hauptschule. Heute studiert der 22-jährige an der Uni Mainz Soziologie und Wirtschaftswissenschaften und betreibt beim TV Laubenheim mit bis zu 60 Aktiven Rollstuhlsport wie etwa Basketball. Seine Vereinskameradinnen Anna Schad und Carolin Dinter standen mit ihm den Schülern Rede und Antwort. Der mitgliederstarke TV Laubenheim hat dieses Projekt selbst entwickelt und auf die Beine gestellt, finanziell gefördert wurde es 2010 vom rheinland-pfälzischen Innenministerium, und in diesem Jahr von der Sparda Bank Mainz. Aktuell wird die Herausgabe einer Lehrerbroschüre vorbereitet. Denn die gleichberechtigte Teilnahme eines rollstuhlfahrenden Kindes am regulären Sportunterricht sei nicht einfach, und erfordere viel Fachkompetenz und Einfallsreichtum. Diese Info-Veranstaltung an Regelschulen mit Parallelangeboten erfreue sich größter Beliebtheit und habe sich zu einem „echten Herzensprojekt“ entwickelt, schwärmte Andre Stilz, gerne sei er an seine frühere Schule gekommen. Kinder seien von Haus aus neugierig: „Man muss sie darauf ansprechen,  dass man sich ganz normal begegnet“, und dann würden ganz schnell Hemmschwellen, Barrieren und Vorurteile abgebaut, sagt er. Die beiden vierten Klassen mit Lehrerin Sina Herzog (4a) und Rektorin Nicole Rothenberger (4b) waren ebenfalls von der Offenheit und der Motivation hinter der Aktion positiv überrascht, die Kinder hätten bei diesem erlebnisorientierten Projekt ganz viel gelernt und aus dem aktiven Unterricht und der Fragestunde mitgenommen. Alle Finger gingen in der Turnhalle hoch, die Schüler kannten emotional keine Hemmungen und freuten sich mit Andre Stilz, dass er ein dufter Typ sei, Spaß hat, und seinen Lebensalltag meistert. „Mein Gehirn kann den Beinen nicht sagen, was sie machen sollen“ erklärte er sein Handicap: Er habe die Situation nie anders erlebt, es fehle ihm an Nichts. Wie fährst du Auto?, Was, wenn du aus dem Bett fällst? Kannst du dich paaren? Und wie kommst du eine Treppe hoch?, wollten die Kinder wissen. Letzteres bekamen sie zum Abschluss anschaulich demonstriert, wie man dabei helfen kann, denn alleine kommt ein Rollstuhlfahrer nicht die Treppe hoch. Andre Stilz ist beim SV Oberhausen im Vorstand aktiv, sein jüngerer Bruder Marco jagt dem runden Leder nach. Würde er auch gerne mal Fußball spielen? „Fußballspielen wär schon cool“, sagt er, aber er spiele Rollstuhlbasketball und engagiere sich in Vereinen. Und eine Freundin bekomme er sicher auch noch, meinte er voller Zuversicht. Rektorin Rothenberger plauderte aus dem Nähkästchen, dass sie mit Andre Stilz die schönsten Klassenfahrten und supertolle Wandertage unternommen hat.


Die Schule rollt

gastierte in Hennweiler

Hindernisse bewältigen,

Ängste überwinden

und geballte Infos