Lauschieder OB fordert 1.500 Meter Abstand - "Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Planungsgemeinschaft die Kommune bevormundet" - kritisiert Marx

Kategorie: Bärweiler, Lauschied, Kreis KH, VG Meisenheim, Lokale News an Nahe und Glan

 

Lauschied / Meisenheim / Region. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Planungsgemeinschaft  Rheinhessen willkürlich in die Selbstverwaltung der Kommunen eingreift. Die Politik sollte die Rahmenbedingungen festlegen, den Rest den Kommunen und dem Markt überlassen“ schreibt Lauschieds Ortsbürgermeister und fährt schweres Geschütz auf. Er will wegen der neueren und viel höheren und lauteren Windräder mit Nabenhöhe von 150 Meter, die mehr als doppelt so hoch wie die jetzigen sind, 1.500 Meter Abstand von jedem Dorf, wenigstens zu „seinem“ Dorf Lauschied. Die Windvorranggebiete, die die Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe-Hunsrück vorgeschlagen hat, bleiben heiße Eisen. Auch bei der zweiten Version, für die Betroffene bis 31. August Einwendungen vorbringen können, gibt es viel Kritik. Lauschieds Ortsbürgermeister Willi Marx will sich nicht darauf verlassen, was die Einzelfallprüfungen zu den neuen geplanten Windrädern bei Desloch erbringt. Schon die bestehenden Anlagen seien vielen Bürgern lästig. Willi Marx plädiert für einen gerechten Ausgleich für jene Bürger, die Schlagschatten und Lärm ohne Gegenleistung erdulden sollen. Daher ist er für einen landesweiten Mindestabstand zu Dörfern von 1500 Metern. Wer die Räder näher haben wolle, könne das freiwillig immer noch zulassen. Die Windvorrangfläche zwischen Bärweiler, Lauschied, Desloch, Jeckenbach und Hundsbach liegt überwiegend auf dem Gebiet der VG Meisenheim, die vehement eine Vergrößerung der Fläche gefordert hatte. Die Regionalplaner trugen dem Rechnung und legten über 175 Hektar drauf. Zum Leidwesen der Lauschieder. „Wir liegen genau in der Windrichtung und sehen auch die Schlagschatten“, sagt Marx. Er habe ein flaues Gefühl im Magen gehabt, als er sich die vergleichbar großen Anlagen auf dem Schneeberger Hof in der Pfalz angesehen und angehört habe. Das decke sich mit den Erfahrungen mit den vorhandenen vier Anlagen bei Lauschied auf Privatgrund, die 1000 Meter von Bärweiler und 1500 von Lauschied entfernt sind. Marx: „In Bärweiler gibt es Proteste, bei uns wird es als erträglich empfunden.“

Dem mit einer Million Euro hochverschuldeten Lauschied hatten die Regionalplaner angeboten, auf dem 800 Meter vom Dorf entfernten Judenköpfchen ein Windrad zu genehmigen. Damit könnte auf Gemeindeland jährlich 30 000 Euro erwirtschaftet werden, kalkuliert Marx. Ein Strohhalm zur Entschuldung im Dorf, das nicht mehr die laufenden Ausgaben decken kann. Doch das Windrad sei den Anwohnern nicht zuzumuten: „Da ziehen die Leute weg aus dem Ort!“ Im Norden von Lauschied sieht Marx Potenzial. Dort könnte der 1500-Meter-Abstand eingehalten werden. Besser wäre ein finanzieller Ausgleich mit den Nachbardörfern in der Nachbar-VG, die vor weniger Lärm zu befürchten haben. Dazu müsse das Land das Baurecht entsprechend ändern. Die Optik störe ihn nicht einmal mehr, denn – so Marx: „Wir brauchen diese Energie.“ Den Ortsbürgermeister ärgert, dass bei einer Infoveranstaltung in Merxheim nach Vorlage der ersten Planung eine Ausweitung der Fläche in Abrede gestellt worden sei. Und nun komme sie doch. Ob es da Absprachen im Vorfeld gegeben habe? Bitter sei auch, dass die Gemeinde selbst kaum Möglichkeiten habe, gegen die Pläne vorzugehen. Das könnten nur Anlieger, erfuhr Marx von der Planungsgemeinschaft. Dann sei es aber wohl zu spät, und die Räder auf Meisenheimer Gemarkung würden gebaut, ohne die Nachbarn fragen zu müssen. Die Einspruchszeit sei im übrigen viel zu kurz und durch die Sommerferien ohnehin problematisch. Marx will deshalb jetzt die Landtagsabgeordneten einschalten, um Druck zu machen. Auf die Sobernheimer Verbandsgemeindeverwaltung als Einspruchsinstanz will er jedenfalls nicht alleine setzen. Zum Schneeberger Hof will er aber noch einmal fahren und viele Augen- und Ohrenzeugen mitnehmen. Niemand sei quasi gegen Windräder, aber alle sollten einen Nutzen davon haben, sagt Willi Marx.


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