Kirner Brauerei ehrt Mitarbeiter- Im 215.Jahr lernt Anke Fries Brauerin

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Fotos unten-Kirn. Erstmals in der über 215-jährigen Geschichte der Kirner Brauerei wurde mit der 18-jährigen „Azubine“ Anke Fries aus Hoppstädten bei Sien der Ausbildungsberuf Brauer und Mälzer weiblich besetzt. Die Kirner Privatbrauerei als regionale und handwerkliche Braumanufaktur legt größten Wert auf fundierte Ausbildung und Mitarbeiterrekrutierung, Schulung und Weiterbildung in den eigenen Reihen und hat in jedem Jahr die Ausbildung zum Brauer und Mälzer besetzt. Im Lauterecker Veldenz-Gymnasium legte Anke Fries ihr Abitur als Reifezeugnis ab, wodurch sich ihre seit 1. August beginnende „Lehrzeit“ auf zwei Jahre verkürzte. Ein Studium sei nicht ihr Ding gewesen und nur in Berlin, München und bei der bayrischen Staatsbrauerei Weihenstephan möglich. „Zu weit weg, außerdem ist Kirner ist mein Lieblingsbier“, sagte sie zu ihrer Entscheidung, und so freute sich der Teenager auch ganz besonders, als sie am Montag mit der gesamten Brauerei-Belegschaft in stahlblauen T-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin Kirner“ zum Kerwe-Frühschoppen auf die Kyrau pilgerte und Arbeit Arbeit sein lassen durfte. Der Erste Braumeister Ulrich Lamberth ist in der Privatbrauerei Ausbilder und erste Anlaufstation, ein Ausbildungsrahmenplan sowie Blockschulunterricht in Ulm stehen künftig auf der Agenda von Anke Fries. Schwimmen im Grumbacher Schwimmbad Rüllberg und Trompete spielen im Musikverein Hinzweiler sind ihre Hobbys. Deutsches Bier ist weltweit ein fester Begriff: für Tradition, für Qualität und für eine Vielfalt, die es sonst nirgendwo gibt. Die über 1.300 deutschen Brauereien produzieren pro Jahr rund 100 Millionen Hektoliter Bier. Der Löwenanteil davon wird hier getrunken, aber auch im Ausland weiß man aufgrund des Reinheitsgebotes deutsches Bier zu schätzen. Über 15 Millionen Hektoliter werden jedes Jahr in mehr als 150 Länder der Welt exportiert und der Beruf Brauer und Mälzer habe Zukunft, sagte Marketingleiter, und Brau-Experte Friedrich Wilhelm.

Dem 54-jährigen gebürtigen Kirner Wolfgang Bickler wurde für seine 4o-jährige Betriebszugehörigkeit gedankt. Der gelernte Brauer und Mälzer begann am 1. August 1973 seine dreijährige Ausbildung, zu dem auch ein längeres Praktikum in der Pfalz gehörte, und auch er besuchte die Blockschule in Ulm. Bickler sei ein verlässlicher Mitarbeiter, lobten seine Vorgesetzten in höchsten Tönen. Angelernt als „Spätschichtler“ im Sudhaus sei er mittlerweile „Allrounder“ und könne, wenn „Not am Mann“ ist, überall eingesetzt werden. Derlei lange Betriebszugehörigkeit sei nicht selten, die Brauerei sei froh und stolz, auf erfahrene Mitarbeiter zurückgreifen zu können. In den vier Jahrzehnten hat Bickler den Wandel der Technik hautnah erlebt. So einfach sei es auch damals nicht mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Kirn gewesen, erinnerte er sich. Lederwarenimporte aus Fernost bedrohten die hiesige Existenz massiv, die Simona sei im Umbruch gewesen und der Vater habe gesagt, „Bub, du gehst in die Brauerei. Basta!“. Viel Handarbeit war gefragt, 50 Liter Fässer mussten noch von Hand gestemmt werden: Eine Reihe unten, die andere drauf und die dritte obendrauf, das sei schon körperlich anstrengender als heute, und ein harter Job gewesen, erinnerte sich die geehrte Frohnatur. Aber er würde es immer wieder tun.


Anke Fries aus Hoppstädten bei Sien- Erste Brauer-"Azubine"

Wolfgang Bickler aus Kirn ist seit 40 Jahren Mädchen für Alles