Nachtwächter gesucht, Bürger beschweren sich: Im Kirner-Land gehen die Lichter aus - Stromkonzernmonopolisten fehlt Input, Ersatzteile & Know-how

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Kirn-Land. / Region. Jahreswechsel 2013 / 2014: In Becherbach gehen die Straßen-Lichter aus. Bürger rufen an --"Nicht wegsehen - hinsehen"-- und beschweren sich. In Heinzenberg waren 17 von 18 LED-Straßenlampen betroffen und wurden nach fast vier Monaten „endlich ausgetauscht“, wie Ortsbürgermeister Walter Rockenbach erleichtert  berichtete. In Schneppenbach fallen beleuchtungstechnisch seit Monaten ganze Straßenzüge aus. In Weitersborn geht kein Telefon, Handys in Limbach und Kirschroth auch nicht, Bürgermeister klagen über die weißen Flecken in der Breitbandversorgung. Das Turbo-Internet von LTE / 4G (Vodafone) stagniert deutschlandweit. Die Grundversorgung flächendeckend umfasse nur eine Datenkapazität von bis zu zwei Megabit pro Sekunde (Mbit/s), so Experte Bernd Holter. „Wenn wir auf 16 Mbit/s gehen, sind die weißen Flecken deutlich größer". Bei 50 Mbit/s - wie von der Bundesregierung bis 2018 vollmundig propagiert - seien nur die größeren Städte versorgt, so Holter weiter. „Das alles passt überhaupt nicht in unsere Zeit“- wetterte Bärenbachs Bürgermeister Jürgen Schmidt. Als die FWG Simmertal tatsächlich für nachvollziehbaren Ökostrom stimmte, wurde sie mit dem Argument „kein Geld im Haushalt“ im Rat „glattgebügelt“.  Bürgermeister halten sich bedeckt. „Bitte keine Namen“. Sie kuschen- Ratsmitglieder sind frustriert. Niemand will sich vor den Kommunalwahlen unbeliebt machen. Und: Was können sie schon ausrichten? Zu den Gemeinderatssitzungen geht niemand mehr. Lethargie herrscht.

Die RWE war „much clever - bearbeitete und beackerte“ die Kommunen, knüpfte Netzwerke, bringt auf Kundenkosten Reklameschriften heraus, bis sie die neuen  Stromlieferverträge unter Dach und Fach hatten, die komplette Umstellung der Straßenlampen auch, ein lukrativer Wartungsvertrag dazu ebenfalls, und, und, und… Und jetzt? Jetzt gehen die Lichter aus- fehlt Input, Kompetenz, Ersatzteile. Ein Armutszeugnis hoch zehn im Quadrat. „In Europa wird geschmiert, was das Zeug hält“ meldet die Wirtschaftswoche am 5. Dezember 2012 und ganz aktuell.

Bürgermeister, Altvordere wie der Bad Sobernheimer Kaufmann Alfred Peeters (CDU) fordern seit Jahren investigativen Journalismus. Nachhaken. Öffentlich machen. Kein blabla:   „Die RWE- Schleimspur sieht man doch, das mit dem Monopolisten kann doch nicht gut gehen“ ruft ein VG-Ratsmitglied an und wettert gegen Vetternwirtschaft. Niemand dürfe gegen Gazprom, Schröder und Konsorten, Russland oder Rumänien, Kolumbien und Schwarzafrika schimpfen. Deutschland sei eine Bananenrepublik. Basta.

Und wer dem LED-Experten und Unternehmer Rüdiger Lanz aus Simmertal zuhört, wie er in einem Rüdesheimer Saal voller Kommunalvertreter, Bürgermeister, Kreistagsmitglieder und RWE Lobbyisten ausgebootet und gelinkt wurde- wie sein Produkt „als Bestes“ gegen Billigimporte (Philips) und Globalplayer (Osram), Monopolisten und Platzhirsche niedergemacht wurde und unter die Räder kam, kennt die Marschrichtung. „Der RWE-Konzern schmiert werbewirksam im Rahmen seiner `Mitarbeiter vor Ort-Aktion`, stellt sich hin als Wohltäter und heiliger Samariter und die Zeche zahlen immer am Schluss wir alle“, klagen  Simmertaler laut. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Wer wirklich wissen will, was LED und lichttechnisch möglich ist, der müsse sich das neue Simmertaler Bürgerhaus ansehen, erklären lassen, und „staune danach Bauklötzer“. Simmertal ist eine Enklave, Rüdiger Lanz-Terrain, und nicht wie Kirn-Land vom Stromausfall, von Überspannung und monatelangem Lichtausfall betroffen.

Dieses Strom-Missmanagement im Kirner-Land sei „längst nicht das Ende der Fahnenstange und erst der Anfang noch größerer Manipulationen“ sagt ein Elektromeister aus Becherbach, was osteuropäischen Dieben ihr Handwerk erleichtere. Die Lampenumstellung sei eine einzigartige Farce. Osram und Philips hätten Leuchtmittelpreise teils weit über 300 Prozent erhöht und würden allein den deutschen Markt ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Kein Wunder: Osram macht „wieder Gewinn- die Osram Aktie erreicht an der Börse neuen Kontakt“ meldet die „Frankfurter Allgemeine FINANZEN“ am 12.11.2013.  Die neue Lampengeneration sei viel teurer, schlechter und Umweltbelastender, sagen Verbraucherzentralen. Zufall? Nein. Die EU-Lampen- und Leuchtmittelumstellung war ein EU-Lobbyismus-Clou wie aus dem Lehrbuch, ein Griff ins Portemonnaie der Bürger. Über 360 LED-Straßen-Lampen sind 2012 in zwölf Gemeinden im Kirner Land installiert worden. „Wir haben als einzige Gemeinde in Kirn-Land vor einem Jahr das gesamte Dorf umgerüstet und haben nun seit zirka zwei Monaten sowohl im Wiesengrund wie auch im Birkenweg kein Licht mehr“, wird Schneppenbachs Ortsbürgermeister Thomas Geib öffentlich zitiert und vom Gemeinderat befehligt, härter gegen Kirn-Land und die Verursacher, und besser für den Schutz der Bürger einzutreten..

„Woran es genau liegt, konnten wir definitiv nicht herausfinden“, wird Kirn-Lands Werkleiter Oliver Kohl in der AZ Anfang November ratlos zitiert. Kernproblem seien aber die langen Zeiten bis zu einer Ersatzteillieferung. Zwei Lampentypen der Firma Indal (Natürlich: eine RWE- Philips-Tochter- wer sonst?) sind betroffen.

Unter der Decke halten lässt sich das Problem nicht, wenn wieder Kerzen, Stecklampen und die alten Petroleumslampen hervorgekramt und der Nachtwächter seine Runden drehen müsste. „Es passt einfach nicht in diese Zeit“. Dabei meint Bärenbachs Ob sicherlich nicht die Weihnachtszeit- sondern vielmehr die Auswirkungen von Profit-Gier, hohen Dividenden-Zahlungen und Geiz-ist-geil Mentalität der Energieversorger. Wie erwähnt: Gewinne werden angeschöpft- Verluste zahlen wir alle über den Bezug. ….


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