Simmertaler Bürgerhaus eingeweiht - Was lange währt - Lob für Werner Speh - Bei voller Beleuchtung nur 300 Watt Stromverbrauch! Aber: Wen jukt`s ?

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Fotos unten - Am Textende. Simmertal. Die Sonne strahlte übers Bürgerhaus am Dreieck, und das passte absolut ins Bild: Heiter, beschwingt und mit viel Musik weihten die Simmertaler im Beisein von 50 geladenen Gästen ihr neues Bürgerhaus ein. „Ein Feiertag, ein ganz großer Tag in ihrer Gemeinde. Ich beglückwünsche sie alle“- Laudatoren und Redner würdigten die erbrachte Leistung der Ortsgemeinde Simmertal in höchsten Tönen.

Bei aller Freude über das Erreichen des ersten Etappenziels auf dem langen Weg der Dorferneuerung schlich sich ein kleiner Wehrmutstropfen ein: „Die geplante Eigenleistung konnte nicht erfüllt werden und verteuerte das Bürgerhaus“, konstatierten die Bürgermeister Werner Speh und Werner Müller.

„Ich habe dieses Projekt gelebt und hier mehr gewohnt als zu Hause“, sagte Werner Speh. An ihm, dem umtriebigen Macher und Optimisten, der allein 1248 der 2500 Stunden Eigenleistung vorweisen kann, hat dies sicher nicht gelegen. Sein persönlicher und emotionaler Dank galt in erster Linie seiner ebenso starken Frau Marion. Das Dorfoberhaupt nannte 100 private Helfer und Unterstützer, es sei „das Bürgerhaus von uns allen“. Die 16.000 Euro aus der Bausteinaktion wurden für die Innenausstattung verwendet, „letztlich hat die Ortsgemeinde für 180.000 Euro Kreditaufnahme einen kompletten Ortskern saniert“, rief Speh stolz aus. (Wir berichteten). Landesweit sei es energetisch und lichttechnisch sparsam wie kein zweites: „Wenn alle Lichter brennen, werden keine 300 Watt verbraucht“, verblüffte Speh seine Zuhörer, jede LED- Leuchte kann farblich strahlen. Wenn die „Bayern ihren Pokalgewinn feiern“, könne es rot, wenn sein Lieblingsverein, die 1860-er gewinnen, blau angestrahlt werden.

Noch einmal ließ er nach Jahrzehnten der Stagnation rund ums Feuerwehrhaus am Dreieck, wo die Ortsgemeinde Grund und Boden als Parkplatz nutzte, das relativ kurze Zeitfenster Revue passieren, das er direkt nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister nutzte. Auslöser war der Verlust des Sitzungsraumes der Ortsgemeinde im Kindergarten, der zur Erweiterung einer weiteren Gruppe benötigt wurde und akuter Handlungsbedarf bestand. Im Januar 2010 begann die Planungsphase, am 28. Februar 2011 besiegelte der Ortsgemeinderat das Vorhaben, am 12. Oktober 2011 war Spatenstich und schon am 27. Januar 2012 Richtfest.

„Die Landesregierung sah diese Nöte und hat sehr schnell am 28. April 2011 eine 50-prozentige Förderung aus dem I-Stock, insgesamt 312.000 Euro, bewilligt, weil die Haushaltslage in Simmertal sehr schwierig ist“, sagte Staatssekretärin Heike Raab. Es sei sehr gut investiertes Steuergeld für eine solch starke Gemeinde: „Starke Kommune, starkes Land, starke Menschen“, rief sie aus – solche Menschen wie Werner Speh und Fritz Rudolf mit ihrer enormen Eigenleistung gebühre Dank und Respekt. Durch den Bau des Bürgerhauses werde im Rahmen der Dorferneuerung privates Engagement beflügelt. Als Jugendliche war sie erstmals als Kind auf einem Turnfest in Simmertal- sie vertrat ihren Vorgänger Roger Lewentz, der „im Weltmeisterschaftsjahr“ mit Horst Eckel beim Bundespräsident in Berlin weilte. Als Präsent überreichte sie eine neue Landesflagge.

Die Glückwünsche für Kirn-Land und ein 50-Liter-Bier-Fäßchen für die Helfer überbrachte VG-Bürgermeister Werner Müller. Innensanierung gehe vor Außensanierung; - dies sei optimal gelungen: „Machen sie das Bürgerhaus zu ihrem Mittelpunkt“ rief er den Simmertalern zu. Bei der Einweihungsfeier wurde dem 84-jährigen Ehrenbürger Willi Heß in einer Schweigeminute gedacht. Er war über drei Jahrzehnte Bürgermeister und wird am heutigen Montag beigesetzt.

Damals bei seinem ersten Besuch sei er von den unattraktiven, antiquierten Häusern überrascht gewesen; - aber da sei in Werner Spehs Augen „auch das Funkeln gewesen, und die Vision, hier etwas Grundlegendes verbessern zu wollen“, plauderte Landrat Franz Josef Diel aus dem Nähkästchen und blickte über den Tellerrand hinaus, wenn wir hierzulande vor dem demografischen Hintergrund schwarz sehen: „Viele andere Länder wären froh, sie hätten unsere Probleme“- meinte er. Diese gelebte gemeinsame Identität und den Weg einer Verbesserung der Infrastruktur gingen die Menschen mit, das Dorf sei lebens- und liebenswerter geworden. „Sie haben Werte für die Zukunft geschaffen“, sagte der Landrat unter lautem Applaus an die Adresse von Werner Speh gerichtet und lobte die modernste Energietechnik auf dem neuesten Stand.

Auch der Pastor, wie ihn Heike Raab nannte, war gut drauf: Gunter Braun beglückwünschte die Gemeinde zu dem schmucken Ensemble – der Pfarrer hat schon Angst, dass ihm nun in bester Lage das Landeskirchenamt den Mietwert höher setzt. Aus dem einstigen „Platz der Traktoren ist jetzt ein Platz der Generationen geworden“, konstatierte er. „Aber macht nachts net so lang- ich schlaf nebenan!“.

Simmertal. Mit einem Sektempfang und der Bilderausstellung des VBW im integrierten Feuerwehrhaus begann die Einweihungsfeier neuen Bürgerhauses am Dreieck. Halbstündig wechselten sich „Die Brunkensteiner“ unter Leitung von Daniel Schuhmacher mit dem extrovertierten Trio „Washet Too Hot“ ab, was übersetzt etwa bedeutet „zu heiß gewaschen“. Erstmals spielte das Trio um Rundfunkmoderator Wolfgang Röben, dem Engländer aus London, Eric Webster, und dem Künstler und Tausendsassa Peter Rudl zusammen auf der Gaß` und ging durch die Reihen. Letzterer wohnt schon „zu Lebzeiten im Bad Sobernheimer Museum“, scherzte der Klarinette und Saxofon spielende Röben mit seiner sonoren Stimme. Mit geschlossenen Augen zelebrierte er geradezu leidenschaftlich pfeifend, tanzend, singend und musizierend Melodien im Dixieland-Stil oder alten, klassischen New Orleans-Jazz. Kontrabass, Banjo, Gitarre und das Waschbrett wetteiferten mit Holz- und Blechblasinstrumenten wie Tuba, Trompete, Klarinette und Posaune, das Repertoire konnte kontrastreicher nicht sein: „Mackie Messer“, 100 Jahre alte Raritäten oder Ohrwürmer wie „Down by the Riverside“ zwischen alten Ernst Mosch und Egerländer Blasmusik Kompositionen wie „Kannst du Knödel kochen?“, „Slavonicka-Polka“, „Auf der Pfingstwiese“ oder „Die Vogelwiese“ aus der Feder des Simmertaler Komponisten und Bandleaders Timo Dellweg. Das hatte etwas. „So etwas fantastisch-uriges, brillant intoniert, wo alles mitwippt und mitgeht - das ist absolute Spitzenklasse“, lobte unter den Zuhörern der einstige „Plätschkappe“ Solist Uli Fritz.

Die Feierstunde im Bürgerhaus umrahmte die Flötengruppe des Volksbildungswerkes um ihre engagierte Leiterin und Koryphäe im 40. Jahr ihres musikalischen Schaffens, Margarethe Conradt. „An schönen Tagen“, aber auch klassische Werke kamen zur Feier des Tages zu Gehör und wurden mit viel Beifall bedacht. Sopranistin Sandra Weiss sang „Can you feel the Love tonight“ und „Was kann der Sigismund (-der Werner-) denn dafür, das er so schön ist…“, sie wurde am Piano von Marcus Gabriel begleitet.

Ständig musste Ortschef Werner Speh Glückwünsche und Präsente entgegen nehmen, etwa von den Brunkensteinern einen Wappenteller mit Gravur, von Harald und Steffi Krämer Serviertabletts, von VBW-Chefin Karin Emmert eine Bilder-Leiste oder von Ernst Oellig aus dem Fundus seines Vaters und einstigen Dorfchronisten, Ernst Oellig, ein gemaltes Bild, wie das Ensemble einmal aussah.


So sehen Helfer & Macher aus

Die Bauphase an der Bildwand

"Washet too hot"- Zu heiß gewaschen

Kuchenplatten waren schnell leer

Blick in den Saal von der Bühne aus