Wiedersehen mit Peterchen vom Nachbarszaun: Berlin ist eine Reise wert

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Fotos unten: Otzweiler / Meddersheim / Berlin. Kurz vor dem 40.Trampclub Vereins-Geburtstag und dem Tag der Deutschen Einheit fuhren zwölf Freunde nach Berlin und trafen dort mit Angelika und Peter Burmeister frühere Weggefährten und alte Bekannte. Das Ehepaar kam einst aus München nach Otzweiler – 25 Jahre lang lebten sie in Otzweiler im Unterdorf, kauften Hey´e Haus in der Brückenstraße 7 und bauten es um. Angelikas Eltern kamen nach, ihr Vater Gerd Zimmermann war bis zu seinem Tod Vorsitzender im Sportverein Otzweiler.

Peter Burmeister war Elektro-Entwicklungsingenieur bei Siemens, sie Kindergärtnerin im Waldorfkindergarten, später in Becherbach bei Kirn und in Becherbach bei Meisenheim in den Kitas tätig. Ende 2012 erwarben Angelika und Peter Burmeister für ihren neuen Lebensabschnitt ein Kanonenboot im Scharmützelsee bei Bad Saarow für 16.900 Euro. Das 12,5 Meter lange und neun Tonnen schwere Stahlschiff wurde als Patrouillen-Boot für die russische Armee gebaut. Nach der Wende holte diese ihre Bestellung nicht mehr von der Warnow-Werft ab. Jetzt leben Burmeisters darauf, züchten Blumen, Petersilie, Tomaten - auch ein Kräutergarten hat nicht jeder auf einem Kanonen-Boot: Im Internet ist ihre Story und ihr erfülltes Leben als Patchworkfamilie mit fünf erwachsenen Kindern in vielen Publikationen nachzulesen, die „Märkische-Oder-Online-Zeitung“ berichtet vom Vor-Leben auf einem alten Bauernhof im Hunsrück-„Gebirge“. Marina Neu und ihr Mann in Otzweiler „Auf der Platt“ waren direkte Nachbarn. Entsprechend groß und intensiv waren das „Hallo“ und die Wiedersehensfreude mit „Peterchen vom Nachbarszaun“. Montags kamen Burmeisters zu den Otzweilerern in den Deutschen Bundestag und in die Reichtagskuppel, mittwochs traf man sich zu Fuß querfeldein durch Kreuzberg mit seinen Mega- Plattenbauten und antiquierten Mietskasernen, wo die Zeit stehen geblieben scheint und die Gebrüder Blattschuss noch immer kult und lebendig sind. Es ging zum Hähnchen-Essen ins Alt-Berliner Wirtshaus „Henne“ mit Kultstatus am Leuschnerdamm – wo einst mittendurch die Mauer verlief. Quartier bezog das Dutzend an der Konstanzer Straße, fünf Gehminuten vom Kurfürstendamm entfernt. Von morgens zehn bis Mitternacht waren die Otzweiler unterwegs, Türöffner mit Rabatten in Museen war die „Welcome Card“. Interessant: Abends von 21 Uhr bis Mitternacht sind die U-und S-Bahn Züge am vollsten. Kurz vor seiner Schließung wurde der epochale Berlin Story Bunker besucht, es ging ins Hard-Rock-Cafe, das Currywurst-Museum, Regierungs- und  Nicolaiviertel, KaDeWe und ins Nobelrestaurant Borcherts, wo TV-Sternchen gesehen werden wollen und 007 Filmstars der rote Teppich ausgerollt wurde. Mittendrin die Otzweilerer Freunde. Egal, wo wer war, über Apps wusste jeder sofort, was auf dem Teller lag und wo der nächste Treff ist.

Nicht sehen dagegen wollten die Zoobewohner die Besucher: Elefanten, Affen und Primaten zeigten auffällig ihren Hintern - der Zoo war im Preis-Leistungs-Verhältnis sehr schwach. Auch von der Stippvisite im Rathaus Schöneberg, Partnergemeinde des Kreises Bad Kreuznach und Ort, wo einst US-Präsident John F-Kennedy seine Rede "Ich bin ein Berliner" hielt und dem Weinberg, waren die Otzweilerer enttäuscht: „Da muss icke wohl wat verpennt haben, woll?“ meinten sowohl die Pförtnerdamen wie gleich drei Frauenzimmer in ihren Amtsstuben. Trotz Internet blieben Bad Kreuznach und "Freundschafts-Antriebsmotor" Rainer Jäck oder Meddersheim, wo jährlich der Wein aus der Gartenbauschule für Repräsentationszwecke ausgebaut wird, eher „Böhmische Dörfer“.

Reisen bildet, und „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…“, mit dem Alter gewinnt das Gedicht von Matthias Claudius zunehmend an Bedeutung.

Nirgendwo in Europa stand eine Stadt jahrzehntelang mehr im Fokus als Berlin: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, schwadronierte Walter Ulbricht vor 55 Jahren, um keine zwei Monate später damit zu beginnen. Heute sorgt in abgewandelter Form die gleiche schwarz-weiß Postkarte mit folgendem Text in Berlin ironisch für Furore: „Niemand hat die Absicht einen Flughafen zu eröffnen“.

Für den TCO-Vorsitzenden Norbert Gehres und seine Frau Sabine, Petra Henrich, Stefanie Müller, Marina Neu, Ulrike Hey, aus Meddersheim und Mareike Porr aus Heimweiler waren Sightseeing Bus- und Spree-Schifffahrt eindrucksvolle Erlebnisse. Beim Checkpoint Charly scheint die Zeit stehen geblieben, auch wenn der Grenzübergang heute mehr und mehr zu einer Abkassier-Fotostation wird. Der legendäre Brennpunkt des kalten Krieges, dort, wo die Weltenteilung begann, hat seinen Pathos ins Medienzeitalter gerettet. Imposant die Pracht und Fülle des preußischen Baumeisters Karl-Friedrich Schinkel und das Machtzentrum der Deutschen Regierung, beklemmend und erdrückend dagegen die 2711 Stelen des Holocaust Mahnmal hinter dem Hotel Adlon und vis-a-vis der streng bewachten US-Botschaft.

„Was heute in Afrika, Aleppo und Syrien sehenden Auges geschieht, ist gleiches Verbrechen. Die Welt schaut hin und zerbombt mit Raketen Hilfsgüter. Das erschreckt mich, deshalb leben wir zurückgezogen“, sagte Peter Burmeister tief bewegt. Das Erste, was viele zurück zu Hause an der Nahe machten: Ein Sparschwein wurde aufgestellt für 2017 nach Berlin!


14 Freunde im Reichstag

Berlin - immer eine Reise wert

Burmeisters Boot im Scharmützelsee