Lauschieder feiern Schappert-Auswanderer - Back to the Roots auf Judenkopf

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Fotos Textende. Lauschied. „Back to the Roots“ – zurück zu den Wurzeln, so war eine Zusammenkunft auf dem Hochplateau „Judenkopf“ an der Lauschieder Römerstraße nahe den Windrädern umschrieben. Hier ist die Aussicht bis in den Rheingau, zu Rotenfels und Lemberg, ins Nordpfälzer Bergland und im Westen bis auf die saarländische Höhe bei Freisen phänomenal – und hier wurde auf Privatgrund für alle Lauschieder Bürger ein Meeting-Point namens „Checkpoint Charlie“ in Erinnerung an die 1875 nach den USA ausgewanderte Familie Schappert enthüllt. Die exquisite Feier bei Kaiserwetter an einem goldenen Oktobertag ließ von Steaks über Hot Dogs bis Rinderfilet-Carpaccio vom Feinsten unter der Nationalflagge keine Wünsche offen. Ein Grillplatz ist angelegt, Bänke stehen, Birkenbäume sind gepflanzt und zu den 40 Gästen zählten die „Fröhlichen“ Lauschieder rüstigen Rentner, die diesen Platz pflegen.

Die Laudatio hielt Heinrich Wahl. Einst hatte Lauschied über 700 Einwohner, heute 556 - Wahl erinnerte, dass auch die Urgroßmutter der Deutschen Weinkönigin Katharina Staab aus Lauschied stammt. Motto: „Freundschaften pflegen - etwas Positives der Gemeinschaft zurückgeben von dem, was wir in unserer Kindheit erleben durften“. Heini Wahl holte über die Lauschieder Geschichte ganz weit aus; - man habe zwar kein Grand-Canyon, aber auch Nationalparks und stehe da, wo vor 250 Millionen Jahren Meereswellen rauschten. Die Region sei arm gewesen und wurde zu allen Zeiten ausgebeutet – und plötzlich stand wie aus dem Nichts der Räuberhauptmann „Schinderhannes“ in Person von Rainer Geiss mitten im Geschehen. Auf Hildegards heiligen Spuren pilgerte er auf dem Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela. Ein Clou, ein touristischer Gag, der ankam und ins Schema passte – „wenn die Gäste aus Amerika hier sind, geben wir alles“, war allgemeiner Tenor. Echte Lauschieder Reiserbesen duften als Souvenir nicht fehlen.

Rückblick: Die Lauschieder Familie Schappert hatte sieben Kinder, zwei starben. Einer namens Karl wurde durch eine Senf-Manufaktur in Gelsenkirchen bekannt. Weitere „zwei sind weggeschickt worden und mussten 1875 über Bremerhaven in die USA auswandern“, erzählte der gebürtige Lauschieder Allrounder und Kaufmann Karl-Otto Geiß im Beisein seines Bruders Bernd. Beide wohnen im Rheingau. Ihr Opa war ein Bruder der Auswanderer. Das sei damals Usus gewesen – weg aus der kargen Region – weg vom Tisch, auf zu neuen Ufern: Aus Lauschied und Nachbarorten wanderten mehr als drei Dutzend überwiegend nach Nordamerika in die USA  aus.

In Coney-Island vor New York ging der Lauschieder 1875 an Land und fand eine Anstellung im Holland-Hotel gegenüber dem Plaza-Hotel nahe den Tennisplätzen Flashing Medews. „Sein Sohn und unser Großcousin Charles Gilbert Schappert arbeitete sich quasi hoch vom Tellerwäscher zum Millionär“, erzählt Karl-Otto Geiß. Er sei der schnellste 100 Meterläufer an der Westküste gewesen, befreundet mit New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani und ein stolzer Verkäufer in New York City geworden - „Charly“ Schappert baute ab 1975 sein millionenumsatzschweres Unternehmen mit 70 Mitarbeitern auf. Unter dem Firmennamen „HPS International“ kam der Weltmarktführer mit patentierten Hydraulik-Dichtungen für Baumaschinen für Liebherr-, Komatsu- oder Caterpillar- Maschinen sowie für schweres Gerät in amerikanischen Mienen zu Weltruhm.

Diese Firma ist im Internet omnipräsent, jährliche fünfstellige Dollar-Zuwendungen an die Republikaner und deren Präsident Donald Trump und als Mitglied in elitären Clubs sind nachzulesen.

Ab 1998 besuchten sich die Familien hüben wie drüben im Wechsel; - alle zwei Jahre kam „Charly“ mit Freunden, besuchte Schloss Neuschwanstein, Heidelberg, das Mittelrheintal oder Rothenburg und ging mehrere Tage voller Stolz in Lauschied, „Back to the Roots“, auf Spurensuche. Vor drei Jahren verstarb Charles Gilbert Schappert 78-jährig - aus dieser tiefen Verbundenheit heraus wurde bereits auf eigenem Grund und Boden auf dem Lauschieder Judenkopf eine einbetonierte Zeitkapsel für die Nachwelt versenkt.

Seine Tochter Carolyn kam mit ihrem Sohn Robert angereist. Sie ist weltweit tätige Geschäftsführerin, ihr Bruder Jack leitet das Inlandsgeschäft. Das Zehnjährige wurde im Hyatt-Hotel in Mainz gefeiert, 2018 trifft sich die Familiensippe in Florida und Philadelphia (New Jersey). Man darf gespannt sein, was die Sippschaft für 2019 Neues ausheckt – jedenfalls waren die Gäste begeistert – „Back tot he Roots“ sei „great“ und habe im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen ganz hohen Stellenwert.

 

Zu den Fotos: Auf dem Hochplateau Judenkopf nahe den Windrädern wurde der Freizeitplatz als „Checkpoint-Charlie“ in Erinnerung an die 1875 ausgewanderten Lauschieder namens Schappert feierlich für alle Bürger der Höhengemeinde eingeweiht und wird von den „lustigen wie rüstigen“ Lauschieder Rentnern in Schuss gehalten.