Limbach: Bürgerhausbau wäre heute nicht mehr möglich! Tolle Zeit gelebt

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Fotos TEXTENDE - Limbach. 20 Jahre nach dem 19.November 1997 feierten die Bürger mit einem bunten Rahmenprogramm ein Dorffest: „20 Jahre Bürgerhaus Alte Schule“. Kirn-Lands VG-Bauhof brachte das Haus mit einem neuen Komplettanstrich samt Treppenhaus auf Vordermann gebracht – und Gemeinde und Kultur- und Verschönerungsverein um Vorsitzende Iris Ingenhaag waren mit über zwei Dutzend Helfern gute Gastgeber. Der gemischte Chor unter Viola Drusenheimer sang die beiden Lieder „O Herr, welch ein Morgen“ und „Zeit ist ein Geschenk“. VG-Beigeordneter Hans Helmut Döbell kam mit Ortsbürgermeistern und beglückwünschte die Limbacher zu ihrem Bürgerhaus, das unter dem damaligen VG-Chef Günther Schwenk und dem Kirner Architekturbüro Kuhn und Dehrmann gebaut wurde. Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit Rotkohl, Klößen und Wildgulasch wurde ein Film über den Bau gezeigt, Fotos hingen aus. Ein absolutes Highlight war echtes Bauerntheater in Mundart: Eine Gruppe aus Woppenroth („Schabbach“) um Edith Neef, Helma Hammen, Karl-Heinz Kaiser und Ernst Hammen aus Schlierschied verstand es superprächtig, das begeisterte Publikum mit mehreren Sketchen zu unterhalten und entführte die Limbacher noch vor der berühmten und reichhaltigen Kuchentafel an den Golf von Biskaya und auf den Jakobsweg.

Unsere Zeitung begleitete den Bau über Jahre, unser Redakteur Rainer Gräff titelte aktuell in der Samstagsausgabe am 15. November 1997 vom Festakt am Freitagabend: „Ein Dorf packte an: Eigenleistungs-Rekord“. In der Tat leistete der heute 63-Jährige „Polier und Bauleiter“ Arno Schupp weit über 2.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit in verantwortlicher Position und wurde in Anerkennung für starken Bürgersinn vom damaligen Innenminister Walter Zuber und Ortschef Peter Steffens zum Ehrenbürger ernannt. Weitere 40 Bürger leisteten über 50 Stunden, acht über 1.500 Stunden Eigenleistung, namentlich wurden Klaus Herrmann, Peter Steffens, Werner Schlarb, Gerhard Preßnick, Siegmund Matzke, Freddy Schäfer, Peter Herrmann und Werner Eifler genannt. Landfrauen bekochten die Helfer, damit niemand nach Hause gehen musste. „Ihr habt eine ganz besondere Seite im Limbacher Geschichtsbuch aufgeschlagen. Chapeau – alle Achtung!“, lobte Landrat Karl-Otto Velten und wollte in punkto Eigenleistung 1997 Limbach fürs Guinness-Buch der Rekorde vorschlagen. Die kollektive Muskelhypothek schlug mit 750.000 D-Mark zu Buche. Samstags spielte der Dhauner Michael Klostermann mit seinen Musikanten auf – sein Onkel Franz betrieb in Limbach Jahrzehnte eine gutbürgerliche Gaststätte.

Genau 20 Jahre später schwärmten „Alt-OB“ Peter Steffens und Klaus Herrmann von einer tollen Zeit mit positiven Erinnerungen, die niemand missen möchte, weil Alt und Jung felsenfest zusammenstanden: „Das Schönste war der Zusammenhalt, die Kameradschaft und entstandene Freundschaften. Wir haben mit einem Kraftakt die  alte Schule zukunftsfit gemacht. Sonst hätten wir heute nix und wären um ein vielfaches ärmer, denn trotz sprudelnder Steuer- und Staatseinnahmen werden die Gemeindesäckel immer leerer. Beschämend!“, sagte beide. In der Folge des Bürgerhausbaus erreichte die 1997 so viele Seelen zählende Gemeinde wie das Jahr zählt Tage (365) in der Hauptklasse beim Wettbewerb „Unser Dorf…“ den 1. Preis und belegte landesweit den 6. Platz, 1998 wurde ein Sonderpreis für „Vorbildliche ökologische Leistungen“ verliehen, 2003 belegte Limbach im Kreisentscheid den 3. Platz. Weiter im Kontext positiver Erinnerung waren am Sonntag grandiose und detailverliebte  Erntedankfestumzüge im ländlichen Jahreszyklus samt Sauers  Kuhgespann, wie man sie heutzutage nicht mehr sieht. Bernd Hey.

>>>Das 1997 erbaute Bürgerhaus umfasst 3000 Kubikmeter umbauter Raum - plus 1650 Kubikmeter Wohnungen im alten angrenzenden Schulhaus. Das Bürgerhaus hat 300 Quadratmeter Saal, 60 Quadratmeter Bühne, 65 Quadratmeter Jugendraum im Keller, Kühlräume und Zerlegeraum mit Wurstküche. Darlehnsaufnahme: 440.000 D-Mark (DM) bei 1,4 Millionen DM Gesamtkosten. 23.000 DM kam vom RWE, 32.000 DM von der Brauerei, 490.000 DM war Landeszuschuss. Die Kirchengemeinde gab 15.000 DM, für 50.000 DM wurden im „Sonderhieb Wald“ Bäume gefällt und etwa 170.000 DM stammten aus Rücklagen.

Zu den Fotos: Christel, Willi und Werner Sauer mit Enkelin Kora --Bauerntheater 2017 im Bürgerhaus. Siegmnund Matzke, OB Alfons Ingenhaag, Klaus Herrmann und Alt-OB Peter Steffens an der Bildwand --+ Michal Klostermann vor genau 20 Jahren bei der Einweihung.