Kirn-Sulzbach. Die Tage von Collets-Saal "Bei Micha" sind gezählt. 120.000€

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Fotos unten -Textende.Kirn-Sulzbach. Immer mehr Gasthäuser schließen: Vor sechs Jahren feierte das Gasthaus Collet im 950-Seelen Stadtteil Kirn-Sulzbach 100. Geburtstag – im 107.ten Jahr geht jetzt diese lange Ära in der vierten Generation zu Ende: Am 1. August hat sich die aus Merxheim stammende Geschäftsfrau Hedi Collet an einen Bad Kreuznacher Makler gewandt, gesundheitliche Gründe hätten den Ausschlag gegeben, außerdem fehle ein Nachfolger, antwortete die 66-jährige auf Nachfrage. Die Gaststätte mit Saal am Bahnhof ist Ortsbildprägend und eine Institution im Dorf.

Der Preis liegt im Internet bei rund 120 000 Euro. Die örtliche SPD-Sektion schlug dem Ortsbeirat und dem Stadtrat bei der jüngsten und einzigen Sitzung im Jahr vor, das Anwesen zu kaufen und hatte das Thema samt Abstimmung auf die Tagesordnung im Bürgerhaus gebracht.

Grund: Die Sozialdemokraten wollen die Gaststätte in eine Stätte für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen – die in Kirn-Sulzbach fehle – umwandeln. Zuschüsse müssten für dieses Projekt nach ihrer Ansicht zu generieren sein. In vielen kleinen Hunsrückgemeinden werden alte Dorfsäle einer kulturellen Nutzung zugeführt, und ein Teil der Dorfgeschichte bleibt erhalten, argumentierten die Genossen um Sektionsvorsitzenden Michael Kloos ihren Antrag – dem im nichtöffentlichen Teil mangels defizitärem Haushalt wenig Aussicht auf Erfolg eingeräumt wurde. Trotzdem: Die SPD würde sehr bedauern, wenn „unser Collet`s Saal mit seinem legendären Tanzambiente“ fehlen würde. Früher war hier das Epizentrum, zentraler Dorfmittelpunkt, da waren Tanzveranstaltungen an der Tagesordnung, hier sangen Chöre, trat der Kinderchor „Kunterbunt“ auf, hier wurde Kerb gefeiert, tagte die SPD-Sektion, der Angelsportverein, oder war Prämierung des örtlichen Hegerings.

Wir fragten an einem Mittwochabend bei Hedi Collet nach. Die Hütte ist voll.

Eingetretene Pfade: schmerzt da nicht die Aufgabe solch einer gut gehenden Kultkneipe?

Hedi Collet: Na klar, sehr! Solange nix verkauft ist, mache ich ja weiter. Familien- und Geburtstagsfeste, Vereins-, und Weihnachtsfeiern und der Bündelchestag sind terminiert und stehen fest. Mittwochsabends ist Stammtisch der Wanderfreunde Kirn-Sulzbach und auch die Turnerfrauen um Vorsitzende Helma Klein füllen mittwochs den Saal. Es ist das Vereinslokal der beiden Vereine.

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an…

Hedi Collet: „Ja - Arbeit ist genug da– ich bin seit der Heirat am 1. Dezember 1972 jetzt 45 Jahre hier im Haus, werde in wenigen Tagen 67. Wenn ich wie jüngst am Wochenende ein großes Beerdigungs-Imbs im Saal und tags darauf einen italienischen Abend der Gymnastikfrauen und die Gaststätte geöffnet habe, dann denke ich, eine Dampfwalze wär über mich gefahren. Das wird mir alles zu viel, ich bin gesundheitlich nicht fit und habe es an den Bandscheiben.

Schwingt da auch viel Wehmut mit?

Hedi Collet: Natürlich. Das Haus hat zu allen Zeiten seine Wirtschaftlichkeit unter Beweis gestellt. 120.000 Euro für das Etablissement eines gut gehenden Speiselokals sind ein fairer Preis im unteren Segment für 1000 Quadratmeter umbauter Raum. Ja, es herrscht Sanierungsstau, aber der neue Eigentümer kann sich frei entfalten, denke ich. Mein größter Wunsch ist es, das es brummt und weiter geht, das Leben im Haus ist. Es geht immer weiter – an meinem 50. Geburtstag im Jahr 2000 trugen wir meinen Mann Michael zu Grabe. Die Zeit vergeht.


Hedi Collet

Mit Saal - "Bei Micha"