Monzinger Martinskirche bebte in seinen Grundfesten, als der weltberühmte Donkosaken-Chor von Gründer Serge Jaroff unter Dirigent Wanja Hlibka gastierte

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Fotos UNTEN-TEXTende. Monzingen. Zwischen Lüneburg am Freitag und Eitorf bei Bonn gastierte am Samstag, 25. November, der Don Kosaken Chor Serge Jaroff mit seinem legendären Nachfolgedirigenten Wanja Hlibka auf Einladung des Gesangvereins Sängerlust erstmals in der voll besetzten Monzinger Martinskirche.

Die stimmgewaltigen und akademisch ausgebildeten A-Cappella-Ausnahmesolisten wurden allen Vorschusslorbeeren als „russisches Stimmwunder“ gerecht: „Wir sind sehr froh und stolz, dass dieser absolute Weltklasse-Chor bei uns in Monzingen singt“, begrüßte die Erste Vorsitzende Jutta Behn Fans und Gäste, die mit lauten Beifallsstürmen nicht geizten. Sängerlustsänger sprachen im 90.ten Vereinsjahr von einem absoluten Dekaden-Highlight; – 79-Jährig und über 60 Jahre Chorsingen hat der Erste Tenor Günter Kaufmann schon zahlreiche russische Chöre, jedoch noch nie solch ein voluminöses Klangerlebnis gehört. „Unbeschreiblich. Sie singen die höchsten und die tiefsten Töne, was ein Mensch zu singen im Stande ist“, so das Fazit von Jürgen Disselhoff.

„Countertenöre singen Sopran. Ihre konzentrierte Kraft und Dynamik vom leisesten Pianissimo bis zum stärksten Pforte, das ist unglaublich - ich bin von der disziplinierten Klangfülle überwältigt“, erklärte der renommierte Musikdirektor und Monzinger Chorleiter Heinz-Gunther Ackva in der kurzen Pause auf Nachfragen aus dem Chor- die Gastgeber eröffneten die festliche Konzert-Gala mit den Liedern „Ich schenk dir einen Schutzengel“ sowie den sakramentalen uralten Segensliedern „Ubi Caritas“ und „Panis Angelicus“ und sangen mit dem Donkosaken Chor ganz zum Schluss Brahms Schlaflied „Guten Abend, gut Nacht“.

Epochale Klangfülle und hierzulande sehr selten gehörte herrlich kraftvoll-timbrierte Stimmen füllten akustisch bei festlichen russisch-orthodoxen sakralen Gesängen wie der „Großen Litanei“, „Gott sei mit uns“ oder dem „Vater unser“ die Martinskirche eingangs voll aus – bei Volksliedern auf Ansage wie etwa „Die 12 Räuber“ brillierten mehrere Solisten unter dem Dirigat von Wanja Hlibka, der vor 50 Jahren in den Chor aufgenommen wurde und Bühnenjubiläum feiert.

Nach der Pause leitete Daniil Jurilof den Don Kosaken Chor, und als vor dem Altar dramatisches „Schneegestöber“ besungen wurde, fielen tatsächlich Schneeflocken auf die Martinskirche. Im zweiten Teil waren solistisch glockenhelle Männerstimmen und tiefste Bässe bei ganz beliebten Melodien wie „Die Glocken von St. Petersburg“, „Die Abendglocken“ oder „Kalinka“ zu hören, ausgereift bis in kleinste Nuancen, eingebunden in einen Background-Chorklang wie aus einem Guss. Ganz dezent zelebriert wurde das Lied „Eintönig klingt das Glöckchen“ in der Interpretation von Serge Jaroff, sowie die atemberaubend vorgetragene, ergreifend-majestätische Zugabe „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Dimitri Bortniansky. Da waren Tränen der Rührung zu sehen – das textstarke Abendgebet zählt seit Mai 1838 zum Zeremoniell des Großen Zapfenstreiches. Stehende Ovationen und langanhaltender Beifall waren verdienter Lohn für einen grandiosen Hörgenuss par Exzellent. Im Anschluss waren die Sängerlust-Vorstandsdamen und das Helferteam gute Gastgeber im proppenvollen evangelischen Gemeindehaus nebenan, und ließen einen denkwürdigen Abend mit einem Weltklasse-Chor und außergewöhnlichem Repertoire ausklingen.

Zu den Fotos: Ganz starke Frauen hat der GV Sängerlust 1927 um Musikdirektor Heinz-Gunther Ackva in seinen Reihen und sang mit dem weltberühmten Donkosaken-Chor in der Monzinger Martinskirche - die Zuhörer waren fasziniert von einem epochalen Klangerlebnis und dankten mit stehenden Ovationen.