Naheland-Tourismus auf Tiefpunkt: Früher war alles besser...

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Fotos Unten- TEXTende. Kirn/Monzingen/Naheregion. In Sachen „Tourismus“ ist das Naheland Schlusslicht – trotz seiner überaus positiven Sichtweise konnte Kirns Stadtbürgermeister Martin Kilian beim Neujahrsempfang von Stadt und VG Kirn-Land, von der GewerbeInitiative Kirner Land (GIK) und der Werbegemeinschaft Kirn-aktiv nicht verhehlen dass „die struktur- und finanzschwache Region bei chronisch klammen Kassen“ einem Aufschwung förderlich sei. Die Reden waren offen und ehrlich – auch wenn die AZ Bad Kreuznach unredlicher Weise einen namenlosen Gast zitierte „Guck dich um, alles Freibiergesichter“.

Der Monzinger Verkehrsverein um Vorsitzende Marlene Reinhard lässt kein gutes Haar am Hildegardweg, Nahelandtouristik (NLT), KTI und Co. Der Hildegardweg sei in den Medien sehr gut platziert als wenn es sonst nichts gäbe, aber mit heißer Nadel gestrickt und hinke ein halbes Jahr hinterher - Klebebildchen auf Wingertspfosten sei wenig professionell. Und: zur NLT nach Kirn fahre niemand, erläuterte die Vorsitzende anhand von Beispielen – die Zusammenarbeit mit Nahelandtouristik und der KTI in Bad Sobernheim sei nicht traumhaft: „Die Verkehrsvereine in der VG sind alle gestorben“ – schuld daran sei die KTI. „Einladungen erfolgten teils schleppend und dann gar nicht mehr, in früheren Jahren war in jedem Ort ein Verkehrsverein. Weiterbildung und Seminare, alles ist eingeschlafen, es findet nichts mehr statt“, wetterte Marlene Reinhard. Mehrere Zimmervermieter ließen kein gutes Haar an der Chemie, an fehlenden Infos und zeigten sich enttäuscht: „Was KTI und Monzingen angeht - alles tot. Allein die Fremdenzimmer in Bad Sobernheim boomen und haben stark zugenommen. Da stimmt etwas nicht!“, wetterten mehrere und machten ihrem Unmut Luft.

Am 1.Februar 2018 schreibt K.H.Großmann, Windesheim im ÖA Seite 20, Kreis Bad Kreuznach von der Caravan, Motor, Touristik Messe (CMT) in Stattgart, wo die KTI einen Stand betrieb - Zitat: „…hinter dem kleinen Tresen saßen zwei lustlose Damen, die mit ihren iPhones spielten. Die Krönung war, als eine der Damen sitzend vor den Besuchern Wasser aus einer 1,5 Liter –PET-Flasche trank. Unmöglich! Der Stand war genauso tot, wie der Tourismus an der Nahe. Dieser lebt nur von Hoffesten…“ Zitatende. Man muss nicht alles schwarz malen, aber der Leserbriefschreiber hat sich etwas dabei gedacht! Und "nur" mit einem Gläschen Wein flanieren, reicht längst nicht mehr.

Führung und Zuständigkeit fehlt. Vorbilder und Aufklärung. Solide Mitarbeiterschulung gegen Kaugummikauen, Handyspielen, Haare kratzen. Mehr Grips im Kopf, weniger Muckibude. Durch Motivation und Aufstiegschancen Spaß an der Arbeit vermitteln. Der richtige Mann am richtigen Platz. Kreative Macher, Netzwerker und eine regionale Identifikation müssen wiederbelebt werden.

Das Klein-Klein denken, nicht über Tellerrand und Kirchturm hinausblicken, rächt sich (keine Floskel) – ist aber von den handelnden Protagonisten so gewollt. Warum etwas tun, wovon man selbst keinen Gewinn und ein anderer Nutzen haben könnte?

Die Kunden in der Komfort-Zone einer Wegwerfgesellschaft „bespaßen“ sich selbst beim „Geiz ist geil“ Einkauf mit Garantie und Rückgaberecht. Apropos geändertes Kaufverhalten: Der Globus-Baumarkt hat schon kaputte Schubkarren erstattet, nachdem der Rohbau und die Zufahrt fertig waren und das Rad nicht mehr rund ging!

Alle Blicke sind nach Kirn gerichtet, wenn erstmals die beiden Kreistage BIR und KH am 5. März im Kirner Gesellschaftshaus nur das Thema Touristik auf ihrer Agenda haben. Das Tischtuch ist zerrissen, es ist zu spät, seit der Birkenfelder VG-Chef Bernhard Alscher die in Kirn angesiedelte Naheland-Touristik und deren Geschäftsführerin Ute Meinhard als „Fehlbesetzung“ titulierte und zum Ende 2015 ausgetreten ist. Immerhin steuerte BIR mit etwa 134.000 Euro neben dem Kreis KH (176.000 Euro) den Löwenanteil zu dem 610.000 Euro Etat mit 4,5 Stellen der NLT bei.

Übrigens: Im November 1993, vor 25 Jahren, wurde die „Initiative Soonwald“ gegründet: Damals GEGEN die geplante Mülldeponie, GEGEN Plutoniumtransporte ab Pferdsfeld, GEGEN einen Sportflugplatz und GEGEN den Pro-Welt Park - FÜR umweltverträglich Gewerbebetriebe, FÜR einen Naturpark Soonwald und FÜR die Pflege der Tradition und Geschichte unserer Region. Daraus entwickelte sich die Regionalinitiative und SooNahe. Solche Visionen fehlen, Aufbruchsstimmung, anknüpfend an die damalige Soonwaldkonferenz, damit das einstige Prestigeprojekt „Tourismus hat Zukunft“ nicht in der Nahe absäuft!


Monzingen: Verkehrsverein redet Tacheles

Kirn auch: Neujahrsempfang

Da muss mehr Fleisch an die Knochen

Nur Weinfeste und Hoffeste???