Nahelandtouristik in heftigen Turbulenzen - keine Erfolgsstory

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Fotos -textende- anklicken: Die Nahelandtouristik (NLT) am Scheideweg – „Spannende Kontraste“ zwischen  Nationalpark, Hildegardweg, Wein und Wellness sind zu groß! Erstmals tagten im Kirner Gesellschaftshaus am 5.März 2018 die beiden Kreistage BIR und KH zum Thema NLT: Die Öffentlichkeit war kaum interessiert - Fragen blieben unbeantwortet; - es war eine werbelastige, sich selbst beweihräuchernde und nicht zuletzt deshalb dem Niedergang preisgegebene Veranstaltung mit einem teuren wie völlig deplatziertem Südtiroler Werbe-Strategen Christoph Engl. Die AZ, Redakteur Wolfgang Bartels, schrieb über einen „Tourismus-Guru“ und einer „Alibi-Veranstaltung“, Engl wusste sich mit einem für die Naheregion weltfremden Impulsreferat über Tirol gut zu verkaufen. Chance vertan, aber, da gab’s schon nichts mehr zu kitten: Nachdem die VG Birkenfeld aus der NLT austrat, wäre „eine offenen Diskussion sinnvoller gewesen“ klagten viele im Nachgang, die sich mit Redebeiträgen vorbereitet hatten. FDP-Mitglied Thomas Bursian (Kirn): „ Der Tourismus dümpelt vor sich hin“. Bursian kritisiert vor allem, dass die beiden CDU BIR und KH Landräte nichts diskutieren wollten, was sich konkret auf die Region bezieht. Dabei fordere die FDP seit Jahren drastische Veränderungen. Carsten Pörksen (SPD/KH) bedauert, dass ein ausführliches Papier der SPD-Fraktion zum Tourismus auf der Veranstaltung gar nicht erst erwähnt wurde. Uwe Anhäuser aus Bundenbach, Autor, und für die „Liste Unabhängiger Bürger“ im Birkenfelder Kreistag, wird zitiert: „Die machen sich selber froh. Das bringt gar nichts“. Plädoyers der CDU-Landräte Matthias Schneider (BIR) und Bettina Dickes (KH) pro NLT waren ein missglückter Rettungsversuch.

Die allererste Sitzung war vergeudete Zeit. Reden um den heißen Brei. Relevante Teilnehmer wie etwa die Bürgermeister Uwe Weber (Herrstein) oder Georg Dräger (Rhaunen) hatten im Foyer Wichtigeres zu bereden. Dr. Denise Alt (MdL) ging wie ein Dutzend vorzeitig. Für die ohnehin sich eher fremde Gesellschaft der Naheländer gab es mehr Trennendes als Verbindendes: Folglich ließ der NLT-Bruch nicht lange auf sich warten, Mitte März 2018 forderten fünf Kommunalchefs (Bernhard Alscher, Bernd Alsfasser, Uwe Weber, Georg Dräger und Frank Frühauf) von der oberen Nahe Landrat Dr. Matthias Schneider sinngemäß auf, finanzielle und personelle Ressourcen vor Ort, explizit nicht in die NLT, einzubringen. Sie forderten in einem „Brandbrief“, dass der Kreis BIR (Edelstein, Nationalpark, Wandern und Biken) eine positive wirtschaftliche Entwicklung nimmt und Priorität genießt - die NLT als Dachmarke sei absolut out – Schnittmengen gleich null.

Die „Wirtschaftskraft“ der unteren Nahe beginnt ab Waldböckelheim, die mittlere Nahe ist struktur- und finanzschwach – die große Musik mit Nationalpark spiele eben mehr Richtung Nohfelden und Bostalsee. Die NLT müsse sich selbstkritisch fragen, warum die Region noch immer so unbekannt, kleinteilig und kleingeistig sei wie vor 50 Jahren, so öffentliche Kritik. Statistisch werden 942 Millionen Euro Wertschöpfung im Jahr 2017 bei 87 Millionen Euro Steuereinnahmen generiert- 24.500 Arbeitsplätze werden von der NLT im Tourismus genannt. Insofern stehe die Naheland-Touristik in dieser ursprünglichen Form seit 1991 mit etwa 20 Gesellschaftern und Institutionen und einem Budget von 600.000 Euro unmittelbar vor dem Aus - habe lediglich für den Landkreis KH eine Zukunft.

Zu den Fotos: „Spannende Kontraste“ fehlten in Kirn gänzlich. Ein „Weiter so“ ist unproduktiv. Die NLT muss sich neu erfinden und aufstellen. Aktuell wird der Hildegardweg beworben!