Nußbaumer Projektchor entzaubert Katholische Simultankirche

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UnschuldigÜberraschtNußbaum. Zu einem imponierenden Konzert lud der Projektchor des gemischten Chores unter Leitung von Margarete Weyand in die katholische Kirche ein. „Als wir für unser geplantes Adventskonzert in der evangelischen Kirche nebenan probten, hatten wir die Partituren dabei und erkundeten die Simultankirche“, begrüßte Karin Tullius vor vollen Kirchenbänken in der katholischen Schwesterkirche. Bekanntlich ist der katholische Teil der Nußbaumer Simultankirche dem heiligen St.Martin geweiht, unter einem Dach samt Schutzturm durch dicke Mauern von der doppelt so großen Kirche der Evangelen hermetisch getrennt.

Wolfgang Amadeus Mozarts himmlische (Feier-) „Abendruhe“ war musikalischer Einstieg. Eine fabelhafte Akustik beflügelte feierlich-harmonischen Chorgesang auf höchstem Niveau und wie aus einem Guss – da wurde viel Probenfleiß hörbar. Die Zuhörer honorierten mit langanhaltendem Applaus ein sportliches Pensum; - dem eigens gegründeten Projektchor stand die pure Freude ins Gesicht geschrieben. In fünf Liedblöcke mit geistlichen und weltlichen Songs, Spirituals, sowie lebensbejahender Chorliteratur („Glaube, Hoffnung, Liebe“, „Die Rose“, „Ich glaube“ oder „Halleluja“ von Leonard Cohen) war das zweistündige Konzert unterteilt, Sahnehäubchen zum Schluss war gemeinsam gesungenes Gotteslob aus dem Taize, der „Zauber der Nacht“ von Manfred Bühler, „Ich bete an die Macht der Liebe“ (Dimitrij Bortnjanski) und das „Vater unser“ – eine Hommage an Hanne Haller und an täglich gelebte Ökumene.

In den Pausen erläuterte die Nußbaumer Schlossherrin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Patricia Sensch anhand von vier Flurnamen Wissenswertes und Spannendes mit Tiefgang über Nußbaum ab dem Jahre 1280, informierte über Geschlechter, Ahnen, Sitten und Bräuche – Kunsthistorikerin Anke Wiechert ging auf die Besonderheiten der Simultankirche im Laufe der Jahrhunderte, auf Streit und Zwist ein. Der barocke Hochaltar wurde aus der Bad Sobernheimer Malteserkapelle transloziert – im Geist des zweiten Vatikanischen Konzils zusätzlich ein Volksaltar in Auftrag gegeben, der  vor dem Altar seinen Platz fand, berichtete die Expertin. Vor genau 50 Jahren wurde die katholische Kirche mit der 14-teiligen Kreuzweg-Serie an den Wänden saniert.

Stolz und Freude schwang beim Kinderprojektchor mit, der dezimiert auftrat. Das Schülertrio bot souverän eine astreine Performance, erntete Bravorufe, und war selbst Konzertführer ihrer makellos interpretierten Spirituals wie „Amen“, „He´s got the whole World“, „Kumbayah my Lord“ oder „We shall overcome“ – der Nachwuchs wird von Karin Tullius, Katja Jaborek und Ina Martin gecoacht und betreut.

Ortsbürgermeister Kai Wiechert und Kirchmeister Thorsten Franzmann erklärten auf Nachfrage beim Smalltalk im Freien, dass bereits seitens der Gemeinde 10.000 Euro zur Außensanierung der Kirche eingestellt sind, weil der Hildegardweg die Gemeinde Nußbaum tangiert. Übrigens ist das Glockengeläut bis ins Jahr 2035 vorprogrammiert und die Eigentumsverhältnisse und der Dreiklang mit der Gemeinde und beiden Konfessionen in dieser Konstellation weit und breit einmalig.

Weitere Mitwirkende: Mit Dirigentin Margarete Weyand hatte eine Kulturschaffende Institution im Ort die Gesamtleitung übernommen. Seit 28 Jahren gibt sie im gemischten Chor in Nußbaum den Ton an – ihre Tochter Vera Filomela begleitete am Klavier. Die Schüler Emma und Lina Franzmann und Janne Kinast gaben sich keine Blöße und überraschten ihre Zuhörer. Dankeschön und eine beitragsfreie Jahresmitgliedschaft im Gemischten Chor erhielten die Projektchorsolisten Dr. Patricia Sensch, Dietmar Schneider, Sophia Dietz und Carmen Khourny. Vielfach geäußerter Wunsch: Gleiches Konzert nebenan in der evangelischen Kirche aufführen.


Der Projektchor

Prächtiger Hochaltar

Taffer Nachwuchs