Aus für den Windpark bei Simmertal - Ratsentscheid

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Fotos "txt"-Ende. Anklicken. Simmertal. Aus für den geplanten Windpark nördlich von Simmertal zwischen Horbach und dem Habichtskopf beiderseits der L 230: Mit 8:5 Stimmen sprach sich der Ortsgemeinderat dafür aus, das Thema ad Acta zu legen und die Verbandsgemeinde Kirn-Land nicht mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes (FNP) für Windräder zu beauftragen. 25 Bürger verfolgten gebannt die einzelnen Statements und die Abstimmung und standen nach der Ratssitzung noch lange beisammen und sendeten Handybotschaften: „Gottseidank“ oder „Ich bin überglücklich“ waren die ersten Reaktionen, oder wie es ein Seesbacher Bürger formulierte: „Eine weise und kluge Entscheidung“. Jedenfalls waren alle Besucher erfreut und erleichtert.

Ortsbürgermeister Werner Speh ließ noch einmal die zurückliegenden Jahre Revue passieren: „Als Ortsbürgermeister hat man das zu tun, was der Rat beschließt“, sagte er und wehrte sich gegen Anfeindungen. Vor Jahrzehnten schon und 2012 erneut habe sich der Gemeinderat für Windräder ausgesprochen; - vor zwei Jahren kam dann ein weiterer Interessent (Gaia, Lambsheim) hinzu. „Es ist legitim, dass jeder Bürger und jedes  Ratsmitglied seine eigene Meinung vertritt – in den zurückliegenden Terminen wurde transparent alles detailliert erörtert“, und vor genau vier Wochen zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Speh sprach sich für die Anlagen aus. Die Energiewende sei politisch gewollt und eingeläutet. Unausweichlich seien damit Eingriffe in die Natur verbunden, der Tageabbau, wo ganze Dörfer verschwinden sei ebenso wie das Faktum Atomkraft bekannt. Und als defizitäre Kommune müsse man eine freie Spitze und Einnahmen generieren, um Gestaltungsspielraum haben, um Investitionen in Kita und Schule und die örtliche Infrastruktur verbessern zu können.

Beigeordnete Christina Bleisinger nannte den Co² Ausstoß, Wind als Energiequelle sowie „die Verknappung der Ressourcen in unserem rohstoffarmen Land“ und plädierte für ja, durfte aber nicht abstimmen. Andreas Heinrich (SPD) wollte „de facto in dieser relativ frühen Phase eines Grundsatzbeschlusses“ quasi den Schwarzen Peter auf die VG übertragen: „Das Genehmigungsverfahren über den FNP entscheiden andere“ – seine Ratskollegin Kerstin Holländer stimmte gegen Windräder: „Um die Einnahmeseite der Gemeinde zu verbessern, muss es andere Möglichkeiten geben. Wir dürfen nicht Aufgaben verlagern – wir können nicht einen Förderverein gründen, damit die Schule gestrichen wird“, echauffierte sie sich.

Der Wind habe sich gedreht, und sie ihre Meinung geändert, sagten Helmut Hein und Marcus Ulrich von der FWG, die geschlossen zu siebt im Rat gegen Windräder votierte. Helmut Hein zählte acht Punkte von der größeren Nabenhöhe der Anlagen über mangelnde Windhöfigkeit, geringere Rentabilität und negative Auswirkungen bei Grundstücken und dem Tourismus auf. Marcus Ulrich habe vor Jahren noch die Einnahmen für die Gemeinde gesehen, aber: „Wir können Seesbach und Weitersborn nicht die Dinger mit ihrem Schattenwurf vor die Haustür setzen“. Werner Töppe und Thomas Lorenz stimmten den Argumenten zu: „Energiewende ja, aber nicht im Kirner Land. Den Soonwald freihalten – keinen Streit im Dorf. Außerdem war die Akzeptanz vor Jahren in der Bevölkerung viel größer“, sagte Thomas Lorenz. Stefan Rodenbusch will keine Windräder um die Gemeindeschatulle aufzubessern- „dafür ist unsere Regierung zuständig“ und Heiko Selwitschka sei nach langem abwägen aufgrund der Problematik „grundsätzlich und für immer“ gegen solche Anlagen.

Staatsbeauftragter Werner Müller erläuterte das Prozedere, nachdem das Land die Planungshoheit über den FNP in die Kommune (VG und Kreis) übertragen habe. Aber: Nicht erst seit Thomas Lorenz (FWG) im VG-Rat öffentlich seine ablehnende Haltung gegen den Windpark bei Simmertal kundtat, gebe es „in Kirn-Land keine Mehrheit dafür“, prognostizierte Müller, die Projektierer und Betreiber könnten dagegen klagen.

Die Planungen von Gaia aus Lambsheim waren mit genauem Bauleitplan weit fortgeschritten: Vor drei Jahren noch waren acht Windenergieanlagen (WEA) geplant, dann sechs und aktuell sind es drei WEA, je nach Windparkkonfiguration plus einer weiteren Anlage, maximal also vier WEA. Folien zeigten beiderseits der L 230 Abstände zu den Wohngebieten, die Strom-Kabeltrasse nach Monzingen, die Zuwegung über die A 61, B 41, K 20, L 229/L230. Seit Montagabend ist alles Makulatur – aus, Feierabend, Thema beendet. „Die Welt geht nicht unter – Klagen ist nicht in unserem Sinne. Wir wollten mit den Bürgern gemeinsam etwas Sinnvolles bauen, Windräder sind wegen der Energiewende privilegierte Bauvorhaben“, sagte Vladimir Radik auf Nachfrage.

 

Zum Foto mit vier Personen: Roberto Andreula (Leiter Windenergie, von links),  Gaia-Gründer Torsten Szielasko, Vladimir Radik (Projektleiter Simmertal) und Simmertals Ortsbürgermeister Werner Speh. Damals war das Quartett über den „Windpark Simmertal“ noch relativ optimistisch.


Reges Bürgerinteresse

Planung auf allen Ebenen

FFH, Zuwegung, Bauleitplan

Siehe Text.