Meddersheim -Region: Hagelschäden-Experte haben Hochkonjunktur

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Fotos txtEnde -anklicken. Meddersheim. Mehrfach waren Mitte Juli 2018 Hagelschätzer in der Weinbaugemeinde: „Wir wollen Hagelschäden sehen, nicht suchen gehen müssen“ – ist klare Ansage des Flonheimer Duos Hanspeter Kampf und dem Weinbautechniker und Chemiker Dieter W. Schnell, die für die Vereinigte Hagel-Versicherung unterwegs waren. Hier war quasi das Epizentrum des gefürchteten Hagelschlags am 4. Juli. Der Spezialversicherer ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und wurde vor 25 Jahren wurde durch Fusion der beiden größten Marktführer gegründet.

Wetterkapriolen wie Starkregen mit Hochwasser, Hagel- und Frostschäden „kommen immer intensiver und früher“, wissen die Experten. Vor einem Jahr, am 27. April 2017, wurden Frostschäden mit 95 Prozent, fast Totalausfall, dokumentiert, im Mai 2018 ebenfalls in der Weinbaugemeinde Meddersheim im Dornfelder-Weinberg ein 62-protentiger Frostschaden. Dabei haben die Prüfer einen geschulten Blick für versicherte Schäden oder für die seitens des Winzers verursachten Laubschneider, wenn der „Eisenwurm“ zu nahe an die Stöcke kommt und die Trauben häckselt. Die werden ebenso wenig reguliert wie frühere, sichtbare Schäden. Des Öfteren wird eine Stockzählung der beschädigten Pergel durchgeführt – damit das Feilschen wie auf einem orientalischen Basar nach der prozentualen Entschädigung beide Seiten, Versicherer und Versicherungsnehmer, zufriedenstellt.

Übrigens schwärmen für den Versicherer in diesen Tagen 15 Trupps mit jeweils zwei Personen aus – 5.000 Parzellen müssen aktuell an der Nahe und im Rheinhessischen auf Hagelschlag begutachtet werden. In Bad Kreuznach, Steinhardt, Schlossböckelheim, Meddersheim, Monzingen und Weiler haben 18 Betriebe Schäden gemeldet. Bei Markus Hexamer in Meddersheim und Kirschroth waren es 21 Standorte – Grauburgunder Kirschrother Lump hatte 20 Prozent, Regent auf der Kirschrother Höhe 25 Prozent, die Weinlage Edelberg oberhalb des Hottenbachs ist mit bis zu 35 Prozent Ausfall am stärksten betroffen.

Ähnlich wie bei der Kfz-Versicherung sind die Beiträge abhängig von eingeteilten Gefahrenzonen – „manche Winzer versichern einen Hektar mit 8.000 Euro, andere mit 20.000 Euro“, weiß Hanspeter Kampf. Das Prozedere einer Schätzung orientiert sich am Reifezustand und hört sich für den Laien wie ein Buch mit sieben Siegeln an – vom Hagelschlag am 4. Juli 2018 gehen die Experten aktuell vom „Traubenschluss der Entwicklungsphase“ und der Numero 77 aus. Null wäre Vegetationsruhe, Neun, wenn die Knospen aufgehen. Beim ersten Blatt ist es Nummer 11, ist das dritte Blatt entfaltet die 13, beim fünften die Nr.15. Wenn die Pergel sichtbar werden; - sprich: „wenn die Gescheine kommen“, findet die registrierte Nummer 55 Anwendung, wenn sich die Fruchtknoten zu Beeren entwickeln ist das Stadium 71 erreicht, bei Schrotkorngröße 73 und wenn sie Erbsengroß sind und hängen 75 – und jetzt bei 77 ist im Vegetationsprozess der Traubenschluss erreicht.

Die erste Station in den Meddersheimer Weinbergen bei Hexamers war hinter dem Wellness-Vitalresort Menschel im Rheingrafenberg, wo sich beim anwesenden Rentner, Winzer- und Landwirtschaftsmeister Wilfried Hexamer, die Schäden in Grenzen hielten. Hagelschäden sind deutlich an der Blattmasse erkennbar, entsprechend waren beim Hagel am 4. Juli später reifende Riesling Trauben besser geschützt als beispielsweise Müller-Thurgau. Zudem ist jede Parzelle individuell einzeln zu schätzen und zu bewerten.

Das Menge-Güte Gesetz im Weinbau ruht auf einem biologischen Faktum und besagt, dass die Qualität des Weines steigt, je weniger Reben am Rebstock hängen – und wenn die Natur nicht die Quantität begrenzt, muss der Mensch dafür sorgen, erläutert Hanspeter Kampf. Die Reben dürfen quasi ein bestimmtes Quantum an Trauben pro Hektar Weinberg nicht überschreiten, sonst läuft der Weinbau Gefahr, dass der Wein seine Anerkennung an Qualitätswein verliert und durch die nationalen Weinbaubehörden als Tafelwein deklassiert wird. Das alles entscheidende sei die Qualität in der Flasche und noch längst sei die Ernte nicht im Fass und in trockenen Tüchern, da könne noch so viel passieren.

Ist die Menge in diesem so genannten „Mastjahr“ der proppenvoll hängenden Rebstöcke ein Kriterium für die Schätzer vor dem Hintergrund der Mengenregulierung und späteren Selection? „Nein, wir haben nur den Hagelschaden zu begutachten und das korrekt“, sagen die beiden aus dem Rheinhessischen.

Zu den Fotos:  Stockzählung und prüfender Blick bei Wilfried Hexamer (erstes Foto rechts) Im Juli 2018 waren die Prüfer Dieter Schnell (mitte) und Hanspeter Kampf aus dem rheinhessischen Flonheim in Meddersheim unterwegs. Deutlich sichtbar sind verhagelte Blätter und die getroffenen Pergel – bis 35 Prozent Ausfall durch Hagelschaden im Weinberg „Edelberg“….


Zählung am Stock

Wilfried Hexamer (rechts)

Meddersheim Juli 2018

35% Hagelschaden

Wingertslage "Edelberg"