Heylive-Serie No.5: 40 intensiv gelebte Meddersheimer Weinfeste

Kategorie: Bad Sobernheim, Meddersheim, Lokale News an Nahe und Glan, Firmenportrait, Highlights, Einst & Heute, Bernd Hey: Meine Meinung

 

Fotos unten -textende-anklicken. Heylive.de Top-Serie Nr.3: Erinnerungen an 40 gelebte Meddersheimer Weinfeste: Der Autor ist Jahrgang 1956 und erzählt ohne Kommentierung aus der epischen Ich-Perspektive, denn er war als Zeitzeuge bei 40 Weinfesten live dabei.

>>Als meine damalige Freundin Ulrike Köhler aus Heimberg mit mir das erste Meddersheimer Weinfest im August 1979 besuchten, wurden wir gewahr, dass die Metzgerei von Karl und Meta Gilcher in der Nahweinstraße 41 einen neuen Pächter suchte. Anita und Wolfgang Gräff waren Informanten, ihr Sohn Meinhard Gräff lernte damals dort das Schlachten und den Metzgerberuf. 1978 wurde Karina I. (Beck, heute Enk) zur Naheweinkönigin gewählt: - ihr zu Ehren arrangierte im Jahr darauf, im August 1979, die Weinbaugemeinde um „OB“ Werner Hilkene ein großes Weinfest mit Umzug. Acht Tage vor dem Bad Sobernheimer Innenstadtfest, das ebenfalls seit 40 Jahren gefeiert wird. Wie eingangs erwähnt waren wir auf dem Weinfest, knüpften Kontakte, feierten ausgiebig, sahen uns die Metzgerei an, die wir als Pächter am 2. Dezember 1979 eröffneten.

Nebenbei, correctness-halber: Ich wollte „die Tapete wechseln“ und sah aufgrund eigener Alkoholprobleme bei der Fleischerei Helmut Saxler in Kirn, wo ich seit 1969 lernte, Geselle und Meister war, keine Zukunft – heute würde man das diplomatisch „Veränderung“ nennen, entsprechend war das 61-monatige Pachtverhältnis mit Karl Gilcher nicht konfliktfrei – ebenfalls eine elegante Sprachpirouette. Meine Frau und Mutter dreier Kinder lernte beim Friseur-Salon Schneider vis-a-vis in der Kirner Gerbergasse Friseuse und wurde bei „Saxler`s“ 1979 in einem Crash-Kurs zur Metzgersfrau quasi „umgepolt“.

Vieles gäbe es über 40 intensiv erlebte Weinfeste sowohl als Fleischermeister wie als Journalist und Chronist zu berichten – vieles hat sich verändert, zwei gravierende Anekdoten:

Als unser Sohn Jan Hey am Weinfestsonntag, 25. August 1984 zur Welt kam, stand seine Mutter noch bis Sonntag früh 4.15 Uhr im Imbissstand. Jan hatte es eilig, als „Weinfestkind“ aufs Weinfest zu kommen und erblickte noch vor dem Mittagessen, sieben Stunden später, im Kirner Krankenhaus das Licht der Welt. In Meddersheim war 1984 wieder ein großer Weinfestumzug – bei unserem kleinen 5-jährigen Jubiläum als Imbissbetreiber legten wir am Ende des Tages weit über 4.000 D-Mark drauf, machten ein sattes Minus. Nicht alles ist Gold, was glänzt.

Dies ist heute, 2018, wo Sponsoren Tausende Euro für Hochglanzbroschüren, Werbebanner und das Aufhängen ihres Firmenlogos als Prestige-Reklame bereitwillig Geld zahlen, für Laien ohne Geschäftsbezug oder Außenstehende nicht ansatzweise zu vermitteln. Aber Tatsache: Ich, der örtliche Metzger musste 20 Prozent Standgeld vom Umsatz bezahlen. Vom Umsatz! Dazu kam ein Fauxpas – mein geringer Umsatz sonntags beim Umzug 1984 konterte der damalige Weinausschuss-Vorsitzende: „Hey, wir haben 60.000 D-Mark Getränkeumsatz – Essen ist immer ein Drittel, also 4.000 D-Mark Standgeld“. Basta. Weil Umzug war, spielte sich alles Treiben im Dorf ab; - Besucher versorgten sich mit Essen und Getränken im Ort beim Umzug und vor 17 Uhr setzte Regen ein – da war das Fest gelaufen. 2000 Brötchen wurden tags darauf auf der Wiese der Schwiegereltern in Heimweiler für Weckmehl getrocknet – Risiko Selbstständiger. Namentlich 16 Helfer und Fixkosten mussten bezahlt werden. Wegen dem Aufstellen und Herrichten der Umzugswagen fehlten die sonst üblichen Mittagsesser am Weinfestsonntag - am Ende des Tages zahlte ich Helfern 5 D-Mark für ihren Essens-Bon aus. Hinzu kam, dass das Ladengeschäft im Ort die ganze Woche stagnierte, kaum Umsätze waren („…wir gehen ja Sonntag aufs Weinfest“), zudem vier fette Zeitungs-Annoncen (Öffentlicher, AZ, Wochenspiegel und Amtsblatt) zu zahlen waren. 1995 war der letzte Umzug durchs Dorf.

Weiteres Highlight war ab 1996 „Ochs am Spieß“. Den ersten lieferte Ewald Schlarb aus Kirschroth. Lebendgewicht 555 Kilogramm. Der zweite kam von Wilfried Hexamer (Schlachtgewicht 280 Kilogramm) der dritte von Kurti Hexamer (SG: 290,4 Kilogramm, beide Meddersheim). Es war ein freudiges Erlebnis, als über 150 Menschen auf der Altenbergerbachbrücke morgens um 5 Uhr dem Spektakel beiwohnten, als der Spieß mit dem Ochsen übers Feuer gehängt wurde. Das Rezept lesen Sie im Archiv/rechte Laufleiste unter Essen&Trinken. Dank tausender Besucher auf der „Weinfestmeile“ samstags und einer gelebten Weinfröhlichkeit wuchs das Weinfest mit Musik, Tombola und dem Aufwiegen in Wein auf der Original Meddersheimer Weinwaage jährlich kontinuierlich zu einem geselligen und gesellschaftlichen Publikumsmagnet.

Als die 36-jährige Prinzessin Diana und ihr Geliebter Dodo Al-Fayed Samstagnacht am 31. August 1997 im Tunnel von Paris tödlich verunglückten, ging dies wie ein Lauffeuer durch die Reihen. Jeder weiß bis heute, wo er war und was er gemacht hatte. Traurig drückten alle Weinfestbesucher nachts tiefe Betroffenheit aus – ein weiteres Ereignis, dass sich in diesem Jahr zum 30. Male am Weinfestsonntag jährt, war das Unglück am 28.8.1988 beim Flugtag in Ramstein mit der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori mit 70 Todesopfern und etwa 1000 Verletzten.


Jede Anstrengung wert!

Zwei "Ochsen" am Spieß

Letzter Umzug 1995

Tausende Menschen kamen

Weinfest ist 40 Jahre Kult

originell: De Venter-Karl