Berliner Trauben so lala - Jungfernwein wurde 1992 geklaut!

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Fotos unten -textende- ANKLICKEN. Meddersheim. Nach gut siebenstündiger Fahrt brachte der Bürgerbeauftragte bei der Kreisverwaltung Bad Kreuznach, Harald Skär, am Freitagabend, 21. September, 505 Kilogramm Rieslingtrauben mit 90 Grad Oechsle aus dem Weingut Berlin-Schöneberg nach Meddersheim. So früh wie nie zuvor: Vor zwei Jahren wurde „als frühester Termin“ am 5. Oktober angeliefert. Heuer ist es aus Berlin ein durchschnittlicher Ertrag - 2009 wurde mit 650 Kilogramm eine Rekordernte erzielt, ein Jahr später, 2010, war bei „nur“ 140 Kilo und 70 Grad Oechsle der Büttenboden bedeckt.

Das Lesegut wird in der kreisweit einzigen Winzergenossenschaft Rheingrafenberg von Kellermeister Gerd Bungert weiterverarbeitet und abgefüllt. Die Flaschen sind nicht käuflich, dienen in der Hauptstadt Repräsentationszwecken für ehrenamtlich tätige Menschen mit besonderen Verdiensten oder als Gratifikation zu Jubiläen.

Bekanntlich wurde vor drei Jahrzehnten die kommunale Partnerschaft des Kreises KH mit Berlin-Schöneberg besiegelt: Am 11. September 1988 pflanzte die Deutsche Weinkönigin Petra Meyer im Beisein von Landrat Hans Schumm und dem Motor der Partnerschaft, Reiner Jäck aus Bretzenheim, sowie Bezirksbürgermeister Rüdiger Jakesch in der Gartenarbeitsschule in Nähe des Sachsendamms unter einem Blitzlichtgewitter von Fotografen den ersten von 200 Riesling-Rebstöcken in Berlin-West. Seither ist es guter Brauch, dass die kommende Naheweinkönigin samt ihrem Gefolge und Freundeskreis während der Grünen Woche nach Berlin reist und dort den Rebschnitt übernimmt.

Ob und wie überhaupt die von hiesigen Bürgern hinterfragte "einseitige" kommunale KH-Partnerschaft mit Berlin künftig erhalten werden kann, dürfte mehr als fraglich sein. Die Generation stirbt aus – Jumelage-Jugend wurde nicht integriert –wer im Berliner Rathaus Schöneberg nach Bad Kreuznach fragt, erhält als Antwort: „Bad was?“. Hinzu kommt, dass dieses Jahr kein einziger Mensch aus Berlin an die Nahe kam. Außerdem waren die Trauben von hellgelb bis giftgrün – hier würde dem „Weinberg“ in Berlin mehrfach eine „Selektion“ zwecks Qualitätssteigerung gut tun.

30 Jahre Partnerschaft mit Berlin sind in Meddersheim in lebendiger Erinnerung: Die ersten edlen Tropfen mit dem klangvollen Namen „Schöneberger Nahefreund“ kamen im Mai 1992 zum legendären Hirschbrunnen-Weinfest im Schöneberger Rudolph-Wilde Park nicht an - sie wurden geklaut. Die Meddersheimer Delegation mit Kellermeister Rainer Schönheim, seiner Schwester Christine und der späteren Nahewein-Repräsentantin Silke Hexamer nächtigten in Berlin-Teltow - und am Morgen war der VW-Transporter samt „Jungfernwein“ gestohlen. Das Erlebnis sei ein Schock gewesen, erinnerte sich Schönheim. Als man den VW-Bus Tage später leer und demoliert sechs Kilometer weiter in Grunewald fand, lagen unter den Sitzen nur noch zwei Flaschen Wein….

Zu den Fotos: 1.) Rainer Schönheim (von links), Reiner Jäck, Harald Skär, Bastian Becking, Ralf Regneri und Rheingrafenberg Vorstandsmitglied Helmut Weck kosteten das Lesegut aus Berlin. 2.) Otzweilerer besuchten das Rathaus Schöneberg in Berlin und waren enttäuscht. Trotz Wappen aus Bad Kreuznach. "Bad was???"