Das Handwerk steckt in der Bredouille - Gesellschaftliches Dilemma

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Fotos Textende anklicken: Hat das Handwerk Goldenen Boden - und warum nicht mehr? Die Redewendung hat einen anderen Ursprung und ist nicht mit Reichtum zu assoziieren: „Handwerk hat goldenen Boden“, sprach der Weber, und da schien ihm die Sonne in den leeren Brotbeutel… muss es richtig heißen. Das Metier boomt. Momentan. Aber wegen Ausbildungsmüdigkeit, fehlender Nachfolge und qualifiziertem Fachkräftemangel steckt das Handwerk in der Bredouille – da hilft alles Schönreden nicht. www.heylive.de editierte vor zehn Jahren hier über die Metzger >> Titel im Archiv, rechte Laufleiste >>Essen und Trinken: „Von wegen: Dick. Dumm. Blutverschmiert“ – und der Stern titelte vor 20 Jahren in einem ganz starken Essay ähnlich über den Niedergang der Fleischer-Fachgeschäfte: „Meiner war der Beste!“.

Apropos Schönreden: Unis sind überfüllt – und das Berufsbild zum Multitalent ändert sich rasant, Stichwort MINT-Fächer oder Mechatroniker.  Meister als viel propagierter Königsweg („ein Meister weiß alles“!) mit Beratung, Ausführung, als Bürofachkraft inklusive 24 Stunden-Service, alles aus einer Hand und in einer Person. Dieses Kind ist quasi längst in den Brunnen gefallen. Es ist mühsam, Gründe aufzuzählen - einer wäre, dass jeder seit der Handwerksnovelle ohne Facharbeiterbrief und ohne der deutschen Sprache mächtig, rumwurschteln kann, wie er will – das war "früher" anders. Heute sind trotz voller Auftragsbücher auch die Insolvenzbekanntmachungen voll, Hauseigentümer die Gelackmeierten. Und: Was der Meddersheimer Pizzabäcker Salvatore Tedesco wie alle Metzger, Bäcker, Produzenten oder Hersteller dokumentieren müssen. geht auf keine Kuhhaut mehr! Temperatur prüfen, Hygienischer Abklatschtest, Rückstellungsproben, Herkunfts- und Inhaltsverzeichnis nach dem alten LMBG und dem neuesten LFGB (Lebensmittel- Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch) mit den verschärften Änderungen vom 6. Juli 2017 sind ein Alptraum und machen jeden Handwerker zum Bürokraten.

„Uns ist nicht zum Lachen! Und: Wie haben wir nur bis heute überlebt?“ – so klingt Resignation und Gespött, und auf Innungsversammlungen ironische Fragen. Fleischermeister Dirk Schmidt schließt an seinem Stammsitz in Weiler/Monzingen sein Ladengeschäft am Marktplatz in 4.ter Generation. Bäckermeister Jens Fickinger (Martinstein) den Verkaufsladen in seinem Wohnort Merxheim ersatzlos und macht auch den Nachbarschaftsladen, Haus Gerhardt in Hochstetten-Dhaun, an der B 41 dicht –weil das Hauptgeschäft vom morgendlichen Durchgangsverkehr lebt, sieht er nach der B41 Ortsumgehung ab 2020 keine Rendite auch in einem 1700-Seelen Ort wie Hochstetten-Dhaun. Die Liste ließe sich beliebig fortführen – erst wenn der Laden geschlossen ist und zu hat, spürt König Kunde, Lieschen Müller und Otto Normalo, dass etwas fehlt.

Übrigens wurde der Hochstetten-Dhauner Nachbarschaftsladen mit Zuschüssen aus der Dorferneuerung gebaut und der Betrieb mehrfach mit öffentlichen Mitteln subventioniert. Keine Erfolgsstory – was beweist, dass man als Selbständiger nur überleben kann, wenn man geerbt oder genügend finanzielle Mittel auf der hohen Kante hat. Oder hin kaufen geht! Selbstständig heißt nichts anderes, als selbst ständig zu arbeiten. Und Unternehmer sind Leute, die etwas unter-nehmen. Es wird solche Leute immer geben und ich ziehe mehr als meinen Hut, sondern auch mein Portemonnaie bei ihnen. Chapeau!


Schlaraffenland

Sali Tedesco

Der kommunale Dorfladen

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Gab es beim Metzger

Schaufenster! früher