Monzingen. Hoch droben im Wingert Monzinger Frühlingsplätzchen auf dem Pilgerwanderweg der Heiligen Hildegard von Bingen an einer Weggabelung Richtung Aussichtspunkt Weinbergsschaukel steht neuerdings ein Schild mit dem Hinweis über die „Mechthild von Merxheim“, Hildegards Mutter.
(Foto oben, von links: Elmar Schauß, Erich Franzmann, Friedrich Fischer und Herbert Geiß) Die gestandenen und umtriebigen Mannsbilder Friedrich Fischer aus Kirn, Herbert Geiß aus Merxheim, einst beruflich Finanzmanager bei Böhringer und der frühere Kaufmann und Grandseigneur in der Felkestadt, Alfred Peeters, stellten sich verwundert die Gretchenfrage über den Pilgerwanderweg: Warum macht die von Idar-Oberstein kommende Route einen „riesigen Abstecher in den Hunsrück nach Niederhosenbach“ zum Vater der Heiliggesprochen, während die Merxheimer Mutter Mechthild links liegen gelassen wird? Dies sei ein absolutes No-Go, möglicherweise werden zwei Väter genannt und dann ein Umweg von 20 Kilometer? „Unstrittig und historisch belegt steht die Mechthild von Merxheim als Mutter eindeutig fest“, konstatierte Herbert Geiß, und da sei wenigstens ein Hinweis angebracht.

„Die Mädchen wurden früher nach Mitgift verheiratet und das verlangte den Rittern einiges ab“, sinniert der 83-jährige Ideengeber und frühere Kirner Notar, Friedrich Fischer: Zu Zeiten der Heiligen Hildegard war Kirche Politik und Politik Kirche, das „Ämtergeschachere“ Gang und gäbe und mehrfaches Verheiraten allein der Sache wegen keineswegs unüblich, denn: „Liebe vergeht – Land besteht“. Bekanntlich trat Hildegard 14-jährig mit Jutta von Sponheim und einer weiteren Jutta am 1.11. 1112 ins Benediktiner-Kloster Disibodenberg ein und blieb 40 Jahre, bis sie 1179 im Kloster Rupertsberg 81-jährig verstarb.
„Die Ritter hatten keine Zeit, sich um ihre Töchter zu kümmern: Es war allein die starke Mutter Mechthild, die ihr Kind erzog und für ihren späteren Lebensweg geprägt hat und ihre Meinung vertritt“, äußerte Alfred Peeters. Und um das zu korrigieren und wertzuschätzen, wurde das von der Burgwerbung Kirn gestaltete Hinweisschild am Wegesrand in Sichtweite nach Merxheim einbetoniert. „Mechthild von Merxheim darf nicht vergessen werden“, strahlten die Mannen voller Genugtuung.
Hier führen der Nahe-Weinwanderweg und der Weinwanderweg Rhein-Nahe im Naturpark Soonwald-Nahe entlang, der Monzinger Wingertslauf tangiert die Strecke und ganz aktuell befindet sich die Mitmachstation des Monzinger Yoga Wohlfühl-Wanderpfades und animiert an Station No. 6 mit Anleitung zu sportlichen Fitness-Übungen.

Die Parzelle nebenan mit prallvollen Spätburgunder Rappen gehört Erich Franzmann und wird von Elmar Schauß bewirtschaftet. Die beiden Monzinger Ratsleute argumentierten, dass mehrere Wanderwege wegen der Pflege und Infrastruktur hier zusammengelegt sind. Und als die Arbeit getan war und mit viel Muskelkraft ein knochentrockenes Loch gebuddelt und das Schild einbetoniert war, wurde die Arbeit natürlich begossen. Aber die Männer mussten sich sputen, weil nach Wochen Trockenheit vermutlich die starke Merxheimer Mechthild ein Zeichen sendete und ausgiebiger Regen einsetzte. Bernd Hey.

