Freitag, 30.10. 2026, Goldener Oktober, Winzergenossenschaft (WZG) Meddersheim, Naheweinstraße 63 – eine Mitarbeiterin hält die Stellung, ansonsten kein Mensch um und an, tote Hose. Zwei Jahre vor ihrem 100.Geburtstag gibt die WZG Meddersheim optisch ohne geschäftiges Leben ein trostloses Bild ab. Ein steiler Abstieg. Im Oktober 1929 zeichneten 21 Landwirte und Winzer Geschäftsanteile, jetzt „verflüssigt“ sich die WZG, befindet sich mitten in der Liquidation.
Vor zehn Jahren noch nahm die WZG Trauben für Moselland an und mit Adam Trautwein aus Lonsheim bestand seit 2010 eine Win-win-Situation dergestalt mit dem Ausbau von Grundweinen im Prädikatsbereich Kabinett aufwärts. 2026 schloss erstmals Trautwein die Trauben-Annahme in Meddersheim, die noch fünf Meddersheimer Winzer aus der WZG lieferten ihre Trauben in Gänze zum Keltern an den Moselland-Neubau an der B41in Monzingen und Trautwein übernahm den Most zum weiteren Ausbau. „Sind zufrieden, es sieht nicht rosig aus“, antworten wortkarg Winzer-Insider. Glücklich ist in diesen Tagen niemand!

Vor zehn Jahre noch gab es äußerst beliebte kulturelle Veranstaltungen wie „Gourmet & Wein“, der verwaiste Weingarten „Eden“ war noch geöffnet, es gab Jungweinproben im Keller, Busse fuhren an, Familien feierten Feste, Wanderungen gab es. Im Freilichtmuseum wurde ein Vorzeigeweinberg betreut. Der Naheradklassiker „Nahe Hit-rad`l mit“ (Foto oben) startete nach 26 Jahren von der WZG in der Weinbaugemeinde aus, bis 2020 das Aus besiegelt wurde. Es gab legendäre Beach-Partys mit Einlassbeschänkungen, die von den Stoppelern (oder Stobbelern?) ausgerichtet wurden, Festivitäten würden Seiten füllen.

In diesen Herbsttagen 2026 sind die überregionalen Zeitungen voll mit den Berliner Trauben, die in der Gartenarbeitsschule im eher trostlosen Bezirksamt Schöneberg / Tempelhof wachsen und erst seit wenigen Jahren in Bad Kreuznach gekeltert werden. Unter dem Meddersheimer Kellermeister Helmut Reidenbach in den 1980-er und ´90-er Jahren und ab 2002 unter dem Marketingstrategen Peter Cech, sowie dem mit 35 Jahren Dienstältesten Kellereimitarbeiter, dem 2026 allzu früh verstorbenen Ralf Regneri aus Staudernheim, hatte die WZG wirtschaftlich ihre besten Jahre und war im Ortsgeschehen fest integriert und nicht nur bei Weinfesten quasi „eine Macht“ und erste Adresse.

Mitte Dezember 2021 (Foto oben: 5/2022) wurde die bislang kreisweit einzig verbliebene WZG Rheingrafenberg an das Weingut/Weinkellerei Adam Trautwein in Lonsheim (VG Alzey-Land) mit Übernahme des Personal unter der Prämisse eines Weiterbestehens verkauft. Mit der Meddersheimer WZG übernahm der Investor A.& Johannes Trautwein die fünfte Genossenschaft. Seit drei Jahren befindet sich die einst stolze Genossenschaft Rheingrafenberg in Auflösung. Wie es weitergeht mit dem ortsbildprägenden Gebäude und dem großen Keller steht in den Sternen, weitere aktuelle Infos waren keine zu erfahren. www.Heylive.de berichtet noch.

