Hahnenbach. Beim „Hüttenwirt“ seit 1. Juni 2019, dem Alt-OB Erich Schmäler in der Hahnenbacher Glashütte lud Friedhelm Müller zu einem Nachmittag der Erinnerungen über seine Kindheit und die Glashütte ein, die den heutigen 555 Seelen-Ort über Jahrzehnte bis zur Schließung 1979 prägte. Drei Jahre zuvor verließ der Autor, Maurermeister und Koblenzer Kammersieger seiner Zunft die Region und war in der Berliner Vollzugsanstalt, im Knast, in Moabit tätig. (Foto v.li.: Erich Schmäler & Friedhelm Müller).

Der 65-jährige zitierte den Psalm 78, wo im Weitererzählen unserer Väter ein großer Wert und Erfahrungsschatz liegt. Die Mutter flüchtete aus Ostpreußen und einer Welt, die nach dem Krieg verschwandt. Kiel, Langenlonsheim und Meddersheim an der Nahe waren Zufluchtsorte, Vater Helmut Erich Müller stammte aus der Hauptstraße in Hahnenbach und da wurden Kindheitserinnerungen lebendig: An Haarspray und Färbemittel im Friseursalon in der alten Schule nebenan, an den Hahnenbacher Campingplatz „Romantika“ von Heinrich Mildenberger, wo türkische Gastarbeiter, Hunsrücker Dorfkinder, Stammgäste und Holländische Urlauber schiedlich-friedlich einkehrten, an die Dorfkneipe Giloy, das dorfbildprägende Rathaus von 1939 und die steinerne Bogenbrücke über den Hahnenbach, an die 1961 eröffnete Dorfschule am Hang und einen angriffslustigen Hahn, der die Kinder durchs Dorf jagte. Gedankenversunken schwelgten sehr viele Besucher bei Friedhelm Müllers Cousin und Alt-OB, dem „Hüttenwirt“ Erich Schmäler in Erinnerungen, als die Milch beim Bauern geholt wurde, es nach Heu, Stall und echtem Landleben roch.

Unter der Überschrift „Menschen suchen Heimat“ zählte natürlich auch die Hahnenbacher Glashütte dazu. 1945 lag der industrielle Wirtschaftsbetrieb still, weil 120 im Krieg blieben. Ende der 1950-er Jahre im Nachkriegsdeutschland boomten Glashütten. Spezialisten aus Böhmen, Schlesien und Thüringen kamen nach Hahnenbach. Auch viele türkische Gastarbeiter kamen in die Glashütte und zählten zum Hahnenbacher Dorfbild. Wilhelm Dröscher, „der gute Mensch von Kirn“ blieb zu Lebzeiten Jahrzehnte in punkto Völkerverständigung und Vollbeschäftigung als Wohltäter in positiver Erinnerung, ebenso wie Eduard Steiner, der 1961 den Hahnenbacher Turnverein gründete und ihm zu Ehren noch heute der Steiner-Cross-Lauf ausgetragen wird.

Schwarz-weiß Fotos lagen beim Hüttenwirt aus, auch Glaskolben für Thermosflaschen, die einst produziert wurden, machten die Runde. Trotz schwerer Arbeit fanden viele hier Lohn und Brot. Noch heute gibt es die Türkenhäuser im Ort: „Damals wurden wir mit den Gastarbeiterfamilien groß, viele Ältere leben heute leider nicht mehr. Ich kann mich, anders als heute, an kein falsches Wort erinnern“, sagte Hanno Hille, den man von Musik-Bands her kennt. Und der selbstständige Friseurmeister aus dem Kirner Steinweg No. 37, Andreas Gerlach, sagte, es würde vielen besser stehen, nicht so egozentrisch und egoistisch zu sein und nur an sich zu denken“. Es sei damals faszinierend gewesen, wie aus Sand, Soda, Kalk und Scherben neues Glas wurde. sagte der Autor, Friedhelm Müller. 1977 streikten 78 Arbeiter, am 30. September 1979 schloss die Glashütte. Das große Areal ist heute untervermietet. Bernd Hey. 

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