Meddersheim. „Schade, dass man den Wein nicht streicheln kann“ zitierte der Meddersheimer Ortsbürgermeister Bernd Schumacher den Schriftsteller Kurt Tucholsky vor 100 Jahren und fuhr fort: „Es gibt in unserer Region wohl kaum einen schöneren Ort, um die Weine der Meddersheimer Weingüter zu verkosten, als mitten im Herzen unseres historischen Ortes. Einmal im Jahr vor dem historischen Ensemble von Martinskirche, Pfarrhaus, Lehrerhaus, Vierseithof, Feuerwehrhaus und Rathaus zusammenzukommen, miteinander zu feiern- das ist wahrlich ein besonderes Erlebnis“, schrieb Schumacher in seinem Grußwort im Amtsblatt No. 35 vom 27 August. Dies griff der Öffentliche Anzeiger auf und berichtete samstags von 4.000 Besuchern auf der Weinfestmeile, tags darauf sogar von 5.000 Gästen.
Wie hier in www.heylive.de mehrfach erwähnt, sind das traditionelle Meddersheimer Weinfest und das Innenstadtfest acht Tage später quasi Geschwister. Beide fanden 1979 erstmals statt und waren beide am letzten August-Wochenende terminiert. Damals besuchte der Autor dieser Zeilen den Weinfestumzug in der Weinbaugemeinde zu Ehren der am 3. März 2026 verstorbenen Meddersheimer Naheweinkönigin Karina I. (geb.Beck). Die felkestädtischen Vereine um Wolfgang Neumayer, Kalli Büttner oder dem Meddersheimer Schullehrer und Tennisfreak Wolfhart Dhonau, der 2026 mit dem 40. Kulturpreis das „Goldene Herz“ der Helmut-Kochendörfer-Stiftung geadelt wird, verschoben ohne viel Gedöns das Innenstadtfest um acht Tage. Eine kluge Entscheidung, die bis heute trägt und von der alle partizipieren. Der Autor dieser Zeilen wurde 1979 bei jenem Weinfestumzug gewahr, dass die Metzgerei von Karl Gilcher in der Naheweinstraße 41 neu verpachtet werden sollte; – gesagt, getan, am 2. Dezember 1979 war Eröffnung; – da wurden Ulrike Köhler aus Heimweiler und Bernd Hey aus Otzweiler Meddersheimer Neubürger…Der letzte der Festumzüge fand übrigens am 27. August 1995 statt. Erstmals wurde damals am Kühlhaus/Rathaus mitten auf der Naheweinstraße gefeiert, weshalb der Umzug verlegt werden musste. Ortschef war damals Werner Hilkene, der Weinschmecker-Wettbewerb und die Tombola mit dem Aufwiegen auf der Weinwaage standen hoch im Kurs.

Zurück ins Jahr 2026, ins Hier und Jetzt: Am Sonntagnachmittag setzte sich dank Wetterglück der Besucheransturm wie eh und je fort. 50 Kuchenplatten der Landfrauen waren ratzfatz leergeputzt. Bei einem attraktiven Programm, dem Lögellauf und der Weinfest-Tombola konnte man beim TuS Meddersheim, einem Crepes-Stand, dem Flammkuchen-Angebot der Rotarier oder bei dem gebürtigen Meddersheimer Caterer Richard Schönheim („Ritchi“) kulinarische Köstlichkeiten und bei den drei Weingütern Bamberger, Edelberg und Hexamer Weine genießen.

Auf der Original Meddersheimer Weinfestwaage kam Daniel mit der Losnummer 706 auf den 3.Platz und war 51 Flaschen Wein „schwer“. Michael Kisslung wurde mit der Nummer 1129 gezogen und kam auf Platz zwei auf 53 Flaschen. Luca Jung aus Kirn (Foto oben) mit Meddersheimer Wurzeln väterlicherseits saß schon einmal auf der Weinwaage und durfte sich als Sieger über 108 Flaschen Wein freuen. Moderatoren waren vom Weinfestausschuss Stephan Weck und Katharina Gräff aus Mandel. Für 2027 soll wieder eine Naheweinkönigin gewählt werden. Die Zunft schwächelte bekanntlich an Repräsentantinnen – man darf gespannt sein.

