Bad Sobernheim. Unter dem Slogan „Jetzt reicht`s!“ weitete nach dem Ende der Friedenspflicht die IG Metall ihre Warnstreiks auf das gesamte Bundesgebiet aus, um bei den Tarifverhandlungen den Druck für rund 3,7 Millionen Beschäftigte zu erhöhen. Fünf Prozent mehr Geld und sichere Arbeitsplätze werden gefordert. Nach dem Auftakt zum Wochenbeginn beim Autozulieferer Boge in Simmern ging es tags darauf lautstark mit viel Rabatz und Trillerpfeifen im Dixieland Sound ab Johannisplatz durch die Großstraße zum felkestädtischen Markplatz. Teils im Autokorso kamen die Beschäftigten der Betriebe Musashi (Bockenau, Bad Sobernheim und Grolsheim), Kelvion Machine Cooling Systems aus Monzingen, BITO Lagertechnik (Meisenheim und Lauterecken) sowie von Boge/Simmern und Light Mobility Solutions aus Idar-Oberstein.

Bei der Kundgebung der IG Metall Bad Kreuznach um den Ersten Bevollmächtigten Ingo Petzold vor dem Rathaus sahen die Teilnehmer bei eisigem Wind stürmischen Zeiten entgegen; – drei weitere Redner prangerten anhand vieler Beispiele die Kürzungen im Sozialstaat, Einschnitte von Leistungen und höhere finanzielle Belastungen auf allen Ebenen an und forderten eine Beschäftigungs- und Standortsicherung. Der DGB Kreisverbands-Vorsitzende King Karl Bodtländer solidarisierte sich mit den Forderungen der IG Metall. Eine Rentenkürzung sei die Entwertung von Lebensleistung, rief er aus. Weitere Kernaussagen vor dem Hintergrund überzogener Forderungen: „Viele Betriebe muten an wie ein Industriedenkmal und die wollen euch das Geld aus der Tasche ziehen“, rief Ingo Petzold aus; – was die Arbeitgeber im Vorgeplänkel in Hanau boten, sei ein Hohn und eine Frechheit: „20 Monate Null-Runde, keine Entgelterhöhung – erst im Juni 2028 eine Erhöhung von 1,3 Prozent“. Dieser Reallohnverlust wurde mit Pfiffen, Pfui und Buhrufen quittiert.

  Zentrale Forderungen wurden formuliert: Gute Arbeit statt längerer Arbeitszeiten. Sichere Renten statt wachsender Altersarmut – wer ein Leben lang hart gearbeitet habe, müsse im Alter gut leben können. Optimale Gesundheitsversorgung statt höherer Eigenbelastungen und Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin. Gesundheit dürfe keine Frage des Geldbeutels sein, der „Stabilisierungs-Prozess“ der GKV schlug hohe Wellen. Hauptforderung: Soziale Gerechtigkeit. Dies bedeute höhere Steuern für vererbtes Vermögen sowie höhere Besteuerung von Kapitaleinkünften. Heute sei es so, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Mit der Demonstration wollten die Gewerkschaften deutlich machen, dass soziale Sicherheit, gute Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stärke keine Gegensätze seien: „Wir brauchen eine Politik, die in die Zukunft investiert, Beschäftigung sichert und wie Kitt den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Wer den Sozialstaat schwächt, löst keine wirtschaftlichen Probleme, sondern verschärft die Unsicherheit vieler Menschen“, lautete die klare Botschaft von Petzold, denn es gehe um unsere gemeinsame Zukunft.

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