Seelsorge & Krise im Weinbau? 2026? Nicht in Weiler! Eine Reminiszenz

Gastland Nahe hat sich verflüssigt – ist liquidiert, die Naheweinstraße (oben) bleibt. Über zwei Dutzend Wein-Wander-Wochenende (WWW) und Weinbergstouren mit Kumpels, ehemaligen Arbeitskollegen aus Bochum, Köln und Stuttgart hat Marco Hey aus Weiler jetzt voll und alle wollen sie noch dieses Jahr wiederkommen. Jetzt im Juli 2026 stand Schloß Dhaun und die Kirner Kyrburg (Whiskymuseum) ganz oben: „Die Region hat unglaublich viel zu bieten, man muss nur machen und wollen“. Marco Hey wuchs in einem Meddersheimer Fleischer-Fachgeschäft auf, der damalige Kellermeister Helmut Reidenbach orderte während der Weinlese in den 1990-er Jahren von August bis Oktober „Wingertsteller“, arrangierte Busse zu Betriebsbesichtigungen in die Winzergenossenschaft Meddersheim. Allein dieser Posten belief sich auf über 60.000 D-Mark Umsatz. Heute fehlen solche „Macher“, kreative Ideengeber und leidenschaftliche Werbestrategen: „Wo kein Angebot, keine Nachfrage“, denkt Marco Hey vor dem Hintergrund meist selbstverantworteter Krisen querbeet in Industrie, Handwerk und Wirtschaft laut nach. Nichts ist beständiger, als der Wandel. Und westlich von Martinstein heißt der beste Wein eben „Kirner Bier“. Weinbergstouren, rustikale Proben und gutes Essen in geselliger Runde laufen als ein Standbein wie das berühmte „Rot-Mopedchen“, sind Publikumsmagnet und Straßenfeger.

„Die Kirche bietet extra Seelsorge für Winzer in Rheinhessen an“- so lautete ein abendfüllender wie aufschreckender Bericht „Zwischen Kirche & Kneipe“ in der SWR Landesschau: „Mal beginnt ein Telefonat damit, dass einer einfach nur weint und erstmal gar keine Worte für seine Situation findet,“ berichtet Manuela Rimbach-Sator in laufende TV-Kameras, bebildert mit Talar und Beffchen. Andere sprudelten geradezu los und seien kaum zu stoppen, wenn sie von ihren aktuellen Problemen erzählen, fuhr die früherer Pfarrerin von Oppenheim in der EKHN fort. Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich: Ist schon „Matthäi am Letzten?“. Ist das nicht völlig überzogen? In Rheinhessen, Deutschlands größtem Weinbaugebiet südlich von Mainz, sei die schwierige Lage überall in den Orten zu spüren, sagt die Mainzer Pröpstin Henriette Crüwell. „In jedem Kirchenvorstand sitzt bei uns mindestens ein Winzer“, erklärt die Ideengeberin für das Projekt. „Da ist eine Not, die uns vor die Füße gefallen ist“. Es gebe inzwischen gar Anzeichen für eine erhöhte Suizidrate im Weinbau. 20 bis 30 % der Betriebe würden aktuell aufgeben und damit könnten Familienbetriebe nicht klar kommen, die in der X-ten Generation im Gleichklang mit der Natur das Aus verkünden müssten. Der TCO (Trampclub Otzweiler, Foto unten, Norbert Gehres) war in der WZG Felsengartenkellerei Besigheim und da ist die Welt noch in Ordnung!

Klimakrise, steigende Betriebs- und Personalkosten und gesetzlicher Mindestlohn, Zollpolitik (höhere Steuer auf Sekt, Sekterzeugnisse und Alkopops), Überproduktion und Alkoholverzicht seien in der Branche Gründe für einen massiven Rückgang. Ist Eckart von Hirschhausen schuld? Auch an der Nahe mit seinen 1a prämierten Riesling-Sorten müssen Flächen stillgelegt und neu justiert werden. Trockener Riesling für Schorle im „Pälzer Dubbeglas“ ist Kult aber unter wert – ansonsten lieben die Frauen lieblich, sind Tester und keine Kostverächter, mögen weniger herb und Abwechslung. Cocktails? Ist so.   

„Ein gesunder und ordentlicher Betrieb braucht drei Generationen“, sagte Winzermeister Mario Venter aus Weiler – reif für die Seelsorge sei die Zunft längst nicht. Es sei eine alte Binsenweisheit, dass drei nötig seien, verriet er. Augenzwinkernd. Eine muss auf dem Halm oder am Rebstock reifen, eine auf dem Speicher lagern oder im Weinfass ruhen, eine bei der Bank liegen.

Und wie ist die aktuelle Lage im Wingert?  Wir haben jetzt Mitte Juli ´26, dauerhaft über 33 Grad, Regen fehlt, es ist überall viel zu trocken, der Grundwasserspiegel sinkt. Die Perkel sind längst ausgebildet weil genetisch vorgegeben. Erst jetzt in diesen Tagen wird die Menge ausgestaltet. Bei dieser Wetterlage kann es sein, dass wieder eine sehr gute Qualität zu erwarten ist, aber die Menge, die Quantität könnte leiden. Wie erwähnt sind Ausgang und Ertrag der diesjährigen Weinlese noch Kaffeesatz lesen und viel zu früh, aber: Die Weinlese beginnt heuer viel früher!

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