Meddersheim. Vom EFG Gymnasium aus Bad Sobernheim klingelten in den Herbstferien Mädels aus der Nachbarschaft und wollten für eine Präsentation Infos, was auf den Dörfern, im Handwerk und speziell in einer Metzgerei und auf dem Land früher anders war als heute. www.heylive.de hätte schon öfter im Schulunterricht mit Texten Pate gestanden, lobten die Schülerinnen. Wir waren uns dann einig, dass wir dieses abendfüllende Thema auf maximal drei DIN-A-4 Seiten begrenzen, weil seit Millennium überall auf allen Ebenen exponentielle Veränderungen, fast schon Verwerfungen, sich einstellten und wir Prioritäten setzen müssen. Der Versuch einer komprimierten Momentaufnahme 2026:
>>Früher, nach dem 2.Weltkrieg, war in hiesigen Dörfern Weinbau, Ackerbau und Viehzucht, weit verbreitet. Im Wald wurde Bau- und Brennholz gemacht, das Milchgeld zu festen Zeiten bar cash ausgezahlt. Da war in jedem zweiten Haus noch eine Mistekaut, die auf den Feldern als Dung ausgebreitet wurde. Mistspreiten genannt. Viele arbeiteten auf dem Bau/im Straßenbau, andere gingen in den Wald Pflanzen setzen oder Eichen-Rinde (Lohe) abschälen, die zur Lederherstellung gebraucht wurde. Tausende waren in der Lederindustrie tätig, machten Heimarbeit, stellten Portemonnaies, Brieftaschen, Schuhe, Ranzen oder Etuis her. Im Freilichtmuseum Bad Sobernheim gibt es Häuser, die zeigen, dass in Wirtschaftswunderjahren Tabak angebaut wurde, auch „Heublumen“ aus der Scheune ließen sich wie Tabak zu Zigaretten drehen. Man kam mit dem aus, was man hatte.

In Kirn gab es vor 60 Jahren acht Metzgereien (Dalheimer, Glocke, Lambert, Saxler, Wagner, Hunsinger, Bauer, Klein) – in Sobernheim fünf (Auner, 2x Bregenzer, Hartmann…). Sie schlachteten im Schlachthof in Kirn und stellten in ihrer Metzgerei Wurst und Fleisch für die Kunden her. Viele Leute fuhren Bus und hatten kein Auto, viele mussten nur selten „über Feld“ ins Geschäft oder auf den Markt einkaufen fahren. In den Dörfern gab es kaum ein Telefon, das erste Tastentelefon der Post ersetzte 1976 die Wählscheibe, und der Bürgermeister rief meist morgens um 9 Uhr (z.B.) für den ganzen Ort den Tierarzt an.
>>Früher gab es Hausmetzger, die ins Haus kamen und im Herbst und Winter wenn es kalt war und man keine Kühlung braucht, wurde das Schwein geschlachtet und zu Leber-und Blutwurst, Bratwurst und Schwartenmagen verarbeitet und meist in Gläser „eingeweckt“. Auch die Nachbarschaft bekam etwas ab. Und wenn man im Sommer Eis brauchte, wurde dies meist im Eiskeller der Kirner Brauerei geholt. Da blieb kein Obst draußen am Baum hängen, das wurde gekeltert. In langen Winterabenden wurden Körbe geflochten, genäht und geflickt, die Sensen gedengelt, die Pflugschar zum pflügen geschärft, die Heurechen gespitzt und überall surrte das Spinnrädchen, die aus losen Fasern einen Faden „sponnen“.

>>Heute gibt es viele Handwerkskünste nur noch im Museum. Ende der 1970-er Jahre gingen 3000 Arbeitsplätze in Kirn verloren, weil eine qualitativ hochwertige Geldbörse aus Fernost/Asien aus einer Massenproduktion trotz Transport viel-viel billiger angeboten wurde, als hier das Rohmaterial kostete. Für Lederarbeiter unvorstellbar – es bedeutete den Niedergang der Portefeller-Zunft, sorgte für Frust und Entsetzen und brachte Arbeiter um Lohn und Brot, die sich in einer Finanz-und strukturarmen Region umorientieren mussten.
DIE ZÜNFTE gab es in der Blütezeit des mittelalterlichen Handwerks ganz früher, sie waren quasi ein Scharnier, lehrten die Handwerker Selbstzucht, Pflicht und Wahrheit zu halten und die Gemeinschaft über das Einzelwohl zu stellen. Nach dem Zünfte-Grundsatz ging es allen oder keinem gut. „Sie hatten eine verbriefte Ehre, ein Geheimnis, einen Freudenbecher und eine Bahre“, so steht es bei Herbert Sinz „Ein Herz für das Handwerk“ überliefert. Das Handwerk hatte früher Macht und Ansehen – einen „goldenen Boden“. Und das ist heute noch so. In Kirn gibt es deutschlandweit einzigartig einen Handwerks-Gesellenverein von 1880, der Handwerksgesellentreff in der Itzbach (Hochstetten-Dhaun/Karlshof) feiert 2026 sein 50-Jähriges. Leider werden Handwerker, Facharbeiter für dutzende Gewerke, die für den Hausbau nötig sind, gesucht. Grund ist auch die Nivellierung im Jahr 2005, wo viele Berufe keinen Meisterbrief mehr brauchen. Dagegen finden heute -2025- bis 46.000 Akademiker keine Anstellung oder nur unterbezahlte Mini-Jobs (Quelle: HwK Koblenz & Süddeutsche Zeitung v. 13.10.2026 – 15.23Uhr) – Tendenz stark steigend. Unten Fotocollage: Einzigartiger Verein seit 1880 in Kirn, Alte Zünfte, Hausmetzger/Limbach & Umzüge.

>>Früher machte „Mann“ bei der Bundeswehr den LKW-Führerschein…>>Heute ist er „fast“ unbezahlbar, auch Chauffeure, Busfahrer, Trucker werden gesucht und aus aller Herren Länder angeheuert. Nur ein Beispiel /Inserat vom Tage.
>>Früher trafen sich die Menschen im Winter öfters im Blaumann, da gab es gesellige Treffs, da wurde für 15-18 Leute in Meddersheim ein 10 Kilogramm Eimer („pro Mann ein Pfund“) rohes Hackfleisch vom Metzger geholt, beim Bäcker Weck geordert und der schmächtigste Bursche durchs Kellerfenster abgeseilt, Wein zu zapfen, und dann wurde über Gott und die Welt schwadroniert, Dorf- und Weltpolitik thematisiert, bis der Bauch voll und alles verzehrt war. Auch offene Weinkeller, Weinproben und -feste lockten Tausende und waren der Kitt einer i.d.R. kommunikativen und fröhlichen Gesellschaft.
>>Heute geht man zu mäcD oder ruft Özdemir, Mustafa oder den Lieferdienst an, heute ist vieles SB-verpackt, eingefroren, dadurch länger haltbar. Nicht, dass es deswegen qualitativ schlechter oder minderwertig ist. Nein, im Gegenteil, Gemüse wird am Tag der Ernte eingefroren, ist so! Aber, kleine Lädchen sterben aus, kein Bäcker, kein Metzger. Innenstädte werden Wohnorte, Geschäfte schließen wegen hoher Mieten oder mangels Nachfolge. In Kirn schließt in der Innenstadt/Mauergasse Maino zum 31.1.2027, dort, vis-a-vis, war früher ein Parkdeck und davor lange die Weberei Henschke. Das Geschrei von vielen, die vermutlich gar nicht wissen wo das Geschäft liegt, ist groß. Typisch, wie bei Dorfläden, die nur mit Beihilfen und Finanzspritzen der Kommune existieren können. Erst wenn der Laden leer ist, merken Liesjen Müller und Otto Normalo, das etwas fehlt. Die externe Parkplatzbewirtschaftung, manche sprechen von Abzocke-Knöllchen, zu wenig Umsatz, Personalfluktuation, steigende Energiepreise und weniger Geld im Portemonnaie der Kunden sind die wahren Gründe einer auf Gewinn orientierten freien Marktwirtschaft nach Angebot & Nachfrage. Das Kaufverhalten hat sich verändert. Heute ist die „Tafel“ fast so etwas wie Konkurrenz – und alle Welt appelliert ans Ehrenamt.
Die Zeit rast. Nichts ist so beständig wie der Wandel und der setzt sich mit IT, ETF, oder KI rasend schnell fort.
Früher halfen sich die Menschen gegenseitig mit MANPOWER beim Hausbau am Wochenende, der eine dem anderen: Eine Hand wäscht die andere, hieß die Redewendung. Der eine war Maurer, der andere karrte Baumaterialen an; -der andere verlegte Wasser, ein Stromer Strom, der Zimmermann war gefragt… Da kostete das Haus 100.000 D-Mark.
Heute ist das nicht mehr so. Schwarzarbeit! Viele haben keine Zeit, Firmen verbieten trotz 35 Stunden-Woche eine Nebenbeschäftigung. Allein ein voll-erschlossener Bauplatz in Staudernheim „In den Neunviertel“ kostet 199.- Euro pro m². Das wären bei 500 m², was man mit Garage mindestens braucht, 100.000 € und das ist doppelt so viel allein für ein Grundstück wie früher das ganze Haus kostete. Doppelt so viel. Da hat sich viel zwischen früher und heute verändert.
Fazit: Mit Sicherheit war früher nicht alles besser, viel Maloche, Handmade – heute ist vieles anders und hat sich verändert. Was www.heylive.de oft zugetragen wird: Früher war der Zusammenhalt größer, die Kids fleißiger, das Elternhaus kümmerte sich. Heute sind die Menschen egoistischer, egozentrischer. Wie früher, so klafft auch heute die Schere immer weiter auseinander – selbst die Merz-Regierung in Berlin bestätigt im Oktober 2026, Zitat: „Unzufriedenheit bei einem hohen Maß von Ungerechtigkeit“. Was tun?

